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Oracle: Datenbank-Gigant dringt mit Milliardenzukauf in Markt für Krankenhaussoftware vor

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Die Digitalisierung ist in aller Munde. Auch der Gesundheitssektor befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der massives Potenzial mit sich  bringt. Von diesen Chancen will der Datenbank-Riese Oracle partizipieren und legt eine Milliarden schwere Übernahmeofferte für Cerner, einen Spezialisten für Krankenhaus-IT, auf den Tisch.

Mit dem Vorstoß will der SAP-Rivale Oracle seine Marktposition im Gesundheitssektor ausbauen und sich vor allem Zugriff auf immense medizinische Daten verschaffen.

Oracle bietet 28,3 Milliarden Dollar für Cerner

Der Deal hat es in sich. Immerhin bietet Oracle für Cerner 28,3 Milliarden Dollar. Im Zuge der größten Übernahme der kompletten Firmengeschichte zahlt Oracle 95 Dollar je Cerner-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von rund 20% auf das Kursniveau vor der Übernahmemeldung. Der bisher größte Zukauf war der Cloud-Spezialist Netsuite, für den Oracle in 2016 knapp 9 Milliarden Dollar aufbrachte.

Mit der Cerner-Offerte finden die seit Monaten andauernden Übernahmegerüchte ein Ende. Viel war spekuliert worden, seit der Softwarekonzern Microsoft im Frühjahr Nuance Communications für 16 Milliarden Dollar im Gebiet mit Spracherkennung für das Gesundheitswesen positioniert hatte. Microsoft, Alphabet, aber auch Softwareanbieter wie Salesforce und Oracle machte daher in den vergangenen Monaten als mögliche Interessenten für Cerner die Runde.

Cerner – stabiles Geschäftsmodell mit hohen wiederkehrenden Umsätzen

Cerner entwickelt Software zum Verwalten von Patienten-Daten, die in weltweit mehr als 27.500 Krankenhäusern eingesetzt wird. Die Firma mit Sitz in Kansas City im Bundesstaat Missouri beschäftigt mehr als 28.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2015 kaufte der Konzern das Geschäft mit Krankenhausinformationssystemen des Siemens-Konzerns, Siemens Health Care, für 1,3 Milliarden Dollar.

Cerner sammelt haufenweise sensible Daten

Cerner bietet eine Palette an Produkten an, mit denen Gesundheitsdaten erfasst und verwaltet werden können. Von Patientendaten wie Zahlungsdaten, Informationen zur Krankenkasse, sowie eine elektronische Krankheitshistorie. Alle Daten, die Cerner sammelt, werden in einer proprietären Cloud-Lösung gespeichert.

Ein Geschäftsbereich von Cerner ist der CernerITWorks. Dahinter verbirgt sich eine Outsourcing-Lösung, bei der Cerner die gesamte IT-Infrastruktur in Krankenhäusern übernimmt. Mit Cerner Population Health Management analysiert der Konzern hingegen Verhaltensweisen von Bevölkerungen und zieht Rückschlüsse auf Krankheiten. Hierfür werden Arbeitgeberdaten, Besuche im Fitnessstudio, Häufigkeit der Arztbesuche und ähnliche Dinge erfasst.

Im letzten Geschäftsjahr erzielte Cerner bei einem Umsatz von 5,5 Milliarden Dollar einen Nettogewinn in Höhe von 780 Millionen Dollar.

Gesundheitssektor mit stetigem Wachstum in der Cloud

Mit der Transaktion könnte Oracle die Präsenz im Gesundheitssektor ausbauen. Analysten von IDC rechnen mit Ausgaben von knapp 16 Milliarden Dollar für IT-Infrastruktur und Anwendungen in der Cloud im Jahr 2023.

Dabei dürfte Oracle vor allem den Datenschatz im Visier haben. Der Zugriff auf große Mengen an medizinischen Daten würde Oracle helfen, unter anderem die eigenen Anwendungen von künstlicher Intelligenz aus der Cloud zu verbessern. Zudem könnte Oracle Cerner-Kunden dazu bewegen, ihre IT-Systeme und medizinischen Daten in die Oracle Cloud zu verlegen. Cerner, nach Epic Systems der größte Anbieter von Software für elektronische Gesundheitsakten in den USA, hat sein größtes Geschäfts- und Kliniksystem bereits auf der Oracle-Datenbank.

Für dieses Jahr peilt Cerner ein leichtes Umsatzwachstum von 5% auf 5,8 Milliarden Dollar an. Entsprechend zahlt Oracle das 4,8-Fache des erwarteten Umsatz.

Cerner-Aktie leicht unter Angebotsniveau

Während die Oracle-Aktie direkt nach der Meldung schwächer notierte, kletterten die Cerner-Papiere deutlich nach oben. Dennoch liegt die Cerner-Aktie mit derzeit 90,5 Dollar noch unter dem Angebotsniveau. Einige Anleger scheinen also noch Zweifel an dem Deal zu haben. Dass ein alternativer Anbieter auftaucht, scheint hingegen allein auf Grund der Größe des Deals und der hohen operativen Synergieeffekte mit Oracle eher unwahrscheinlich.