Snap: Aktie der Snapchat-Mutter taumelt nach schwachen Zahlen in die Tiefe

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Die Aktie der Snapchat-Mutter Snap leidet unter einer nachlassenden Wachstumsdynamik - und neue Apple-Datenschutzregeln sorgen für erhebliche Bremseffekte. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Die Aktie des Social Media-Konzerns Snap war einer der klaren Gewinner der Pandemie. Konnte man im März 2020 eine Aktie noch für unter 9 Dollar ergattern, musste man im September dieses Jahres in der Spitze über 83 Dollar für einen Anteilsschein auf den Tisch legen. Doch das war offenbar zu viel des Guten: Den hohen Erwartungen konnte der US-Konzern nicht gerecht werden. Die Aktionäre reagierten schockiert auf die Vorlage der jüngsten Quartalszahlen und schickten die Aktie am Freitag um 26% bis auf 55 Dollar in den Keller.

Snap im Portrait

Snap ist ein US-amerikanisches Technologie- und Social Media-Unternehmen. Zu den Produkten zählt der Instant-Messaging-Dienst SnapChat. Mit der App lassen sich Fotos verschicken, die sich nach kurzer Zeit wieder von selbst löschen. Neben der App produziert Snap auch eine tragbare Kamera, sogenannte Spectacles, in Form einer Sonnenbrille. Snap bezeichnete sich selbst als Kamera-Firma. Der Unternehmenssitz befindet sich In Venice, California.

Corona sorgte für Sonderkonjunktur…

Zu Beginn der Pandemie verzeichnete der Konzern einen regelrechten Run auf seine App. Immer mehr Menschen wollten im Zuge des Lock Downs die Foto App nutzen. So kletterten die Umsätze im Corona-Jahr 2020 um 46% auf 2,5 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verharrte das Unternehmen aber weiterhin tief in der Verlustzone (-944,8 Millionen Dollar).

….nun macht Apple einen Strich durch die Rechnung

Die kräftige Wachstumsdynamik hat sich aber längst abgeschwächt. Zumal Snapchat mit erheblichen Problemen der neuen Datenschutzvorgaben für Apples iPhone zu kämpfen hat. Ein Datenschutz-Update für iPhones hindert mittlerweile Online-Werbetreibende am sogenannten Tracking von Nutzern ohne deren ausdrückliche Zustimmung. Eine Ablehnung bedeutet damit weniger Daten für personalisierte Werbung. Entsprechend kann der Werbeerfolg weniger gut gemessen werden.

Firmenboss Evan Spiegel stufte die neuen Regeln als „frustrierenden Rückschlag“ für den Konzern ein. Zum Hintergrund: Ähnlich wie bei Facebook oder Twitter ist das Werbegeschäft für einen Großteil der Einnahmen des Unternehmens verantwortlich.

306 Millionen tägliche Nutzer, aber nachlassende Wachstumsdynamik

Dabei ist die Reichweite mittlerweile immens. Immerhin nutzten zuletzt 306 Millionen Menschen den Dienst auf täglicher Basis – ein Anstieg um 23% zum Vorjahr. Je Nutzer konnte der Umsatz (ARPU) im dritten Quartal um 28% auf 3,49 Dollar gesteigert werden. Insgesamt ging ein Umsatz von 1,06 Milliarden Dollar durch die Bücher (+57% zum Vorjahresquartal). Dabei stammten 73,7% der Umsätze aus den USA, 14,3% aus Europa und 11,9% aus dem Rest der Welt.

Allerdings hat sich das Wachstum deutlich abgeflacht. Im zweiten Quartal erreichte der Konzern nämlich noch ein Umsatzwachstum von satten 116%.

Verlust spürbar verbessert

Zugleich konnte Snap im zurückliegenden Quartal eine deutliche Verbesserung beim Ergebnis erreichen. Am Ende stand ein Verlust von lediglich 71,95 Millionen Dollar nach 199 Millionen Dollar im Vorjahresquartal in den Büchern. Für das vierte Quartal peilt das Management einen Umsatz zwischen 1,165 und 1,205 Milliarden Dollar an. Das bereinigte Vorsteuerergebnis soll zwischen 135 und 175 Millionen Dollar liegen (Q3 2021: 174 Mio. Dollar).

Das scheint die Anleger nicht vom Hocker zu reißen. Zumal das Werbegeschäft von Snap nicht nur von den neuen Apple-Datenschutzregeln ausgebremst wird. Auch die Engpässe in Lieferketten und der Arbeitskräftemangel machen dem Unternehmen zu schaffen. Auf Grund der fehlenden Kapazitäten dürfte weniger Werbung für das üblicherweise starke Weihnachtsgeschäft gebucht werden. Wann sich dieser Zustand auflösen wird, ist derzeit schwer zu beantworten. Vor diesem Hintergrund ist der Börsenwert von Snap mit 88 Milliarden Dollar auch nach dem heftigen Rückschlag alles andere als ein Schnäppchen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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