Tesla überzeugt mit Q2-Bilanz – Aktie legt kräftig zu

Tesla überzeugt mit Q2-Bilanz – Aktie legt kräftig zu
Tesla
Inhaltsverzeichnis

Tesla hat seine Bilanz für den Zeitraum von April bis Ende Juni vorgelegt. Dabei konnte der Elektroautobauer zum Teil glänzen, zum Teil aber blieben die Ergebnisse hinter den Erwartungen der Analysten zurück.

Tesla kann Quartalsgewinn fast verdoppeln

Ins Auge sticht vor allem der Gewinn: Dieser konnte im Vergleich zum Vorjahresquartal fast verdoppelt werden von 1,14 Milliarden auf nun 2,26 Milliarden US-Dollar. Analysten waren im Schnitt lediglich von einer Steigerung auf 1,66 Milliarden Dollar ausgegangen. Beim Umsatz hingegen verfehlte Tesla die Erwartungen der Analysten und erzielte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Steigerung um 42 Prozent auf gut 16,9 Milliarden Dollar.

Damit reißt die Serie der Umsatzrekorde: Im Auftaktquartal des laufenden Jahres hatte Tesla noch einen Umsatz von 18,76 Milliarden Dollar erzielt, der Gewinn lag mit 3,3 Milliarden Dollar ebenfalls deutlich höher als in Q2.

Externe Faktoren belasten Bilanz

Die Gründe dafür sind größtenteils externen Faktoren geschuldet: Die anhaltenden Schwierigkeiten in den globalen Lieferketten machen Tesla ebenso zu schaffen wie weiten Teilen der Industrie. Gleiches gilt für Materialmangel und Knappheit an den Rohstoffmärkten: Unter anderem sind die Kosten für Aluminium und Lithium deutlich gestiegen.

Tesla reagierte darauf seinerseits mit Preiserhöhungen. Gleich mehrfach wurden die begehrten Elektrofahrzeuge in diesem Jahr teurer, Tesla-Chef Elon Musk selbst sprach von „peinlich hohen“ Preisen, die derzeit für Autos seines Unternehmens fällig würden – und stellt eine moderate Preissenkung in Aussicht, wenn es die Lage an den Märkten wieder zulasse.

Gewinnspanne rückläufig – Shanghai-Lockdown belastet Produktion weltweit

Trotz der höheren Verkaufspreise ging die Gewinnspanne zurück auf 27,9 Prozent. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte dieser Wert noch bei 28,4 Prozent gelegen, im Auftaktquartal 2022 bei 32,9 Prozent.

Ausgebremst wurde Tesla nicht zuletzt vom monatelangen Lockdown in Chinas Wirtschaftsmetropole Shanghai. Der Elektroautobauer war davon gleich doppelt betroffen: Zum einen kam es zu Produktionsausfällen in der dort angesiedelten Tesla-Fabrik, zum anderen war auch der größte Containerhafen der Welt zeitweise von den Beschränkungen betroffen, was die angespannte Lage der globalen Lieferketten noch weiter verschärfte.

Tesla bekräftigt Jahresziel: Absatzplus von 50 Prozent angepeilt

Probleme beim Materialnachschub sind wohl auch hauptursächlich dafür, dass die beiden jüngsten Tesla-Produktionsstandorte – im texanischen Austin sowie im brandenburgischen Grünheide – bislang „Milliarden verbrennen“, wie Musk es unlängst ausdrückte.

Für das zweite Halbjahr hofft er nun auf eine zumindest allmähliche Entspannung der Lage und bessere Ergebnisse der Werke in Shanghai, Austin und Grünheide. Das Ziel, die Absatzzahlen im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent zu steigern, wurde im Zuge der Bilanzvorlage noch einmal bekräftigt.

Reaktion auf Belastungen: Tesla trennt sich von Bitcoin-Beständen

Analysten halten das für ambitioniert, aber machbar. Im Gesamtjahr 2021 hatte Tesla gut 936.000 Fahrzeuge an die Kunden übergeben. Im ersten Halbjahr 2022 waren es bislang knapp 565.000 Autos. Demnach müssten im zweiten Halbjahr noch etwas mehr als 800.000 Stück hinzukommen, um das Ziel einer Steigerung um 50 Prozent zu erreichen. Sollte die Produktion nun rund laufen, dürfte das kein Problem sein – allerdings sind weitere Lockdowns in China keineswegs ausgeschlossen, die damit verbundenen Risiken bleiben bestehen.

Unterdessen verlieren die Nebenschauplätze zunehmend an Bedeutung. So hat Tesla zum Ende des 2. Quartals rund 75 Prozent seines Bitcoin-Investments veräußert und damit die Cash-Bilanz für das Vierteljahr um rund 936 Millionen Dollar aufgebessert. Anfang 2021 hatte das Unternehmen Schlagzeilen gemacht, als es 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins investierte und Musk mit mehreren Tweets den Kurs der Kryptowährung mal steigen und mal fallen ließ. Insgesamt geriet der Kryptomarkt im vergangenen Jahr jedoch massiv unter Druck.

Musk bleibt Bitcoin-Fan

Dennoch bleibt Musk weiterhin vom Konzept der Kryptowährung überzeugt. Der jüngste Verkauf größerer Bitcoin-Bestände solle nicht als „Urteil“ über Bitcoin verstanden werden, betonte der CEO. Vielmehr handele es sich um eine Reaktion auf die finanziellen Belastungen durch den Lockdown in Shanghai und die damit verbundenen Produktionsausfälle.

Ebenfalls rückläufig entwickelte sich der Handel mit Verschmutzungsrechten. Hier wurde der Umsatz in Q2 gegenüber dem vorangegangenen Auftaktquartal fast halbiert von 679 auf nur noch 344 Millionen Dollar.

Anleger begeistert: Tesla Aktie auf höchstem Stand seit Anfang Mai

Anleger reagierten positiv auf das frische Zahlenwerk: Die Tesla Aktie legte nach der Bilanzvorlage am Mittwochabend nachbörslich um 4 Prozent zu und konnte im Verlauf des Donnerstags ordentlich Fahrt aufnehmen. Auf Wochensicht notiert das Papier bis Freitagmittag rund 15 Prozent im Plus und kostete erstmals seit Anfang Mai wieder mehr als 800 Dollar.

Unter den Analysten scheiden sich nach wie vor die Geister. Auf der einen Seite bleibt das Lager der Kritiker skeptisch, auf der anderen Seite gibt es überzeugte Unterstützer. Zu den Skeptikern zählen unter anderem die Analysten der US-Bank JP Morgan, die das Kursziel für die Tesla Aktie nach Vorlage der jüngsten Bilanz zwar von 385 auf 410 Dollar anhoben, zugleich aber die Einstufung bei „underweight“ beließen. Zur Begründung wurde dabei auf die derzeit hohe Bewertung der Aktie sowie Zweifel an den Wachstumsperspektiven verwiesen.

Skeptiker und Fans unter den Analysten

Auch die britische Barclays Bank bestätigte ihre Verkaufsempfehlung, hob aber ebenfalls das Kursziel leicht an von 370 auf 380 Dollar. Dementgegen hat die Privatbank Berenberg das Kursziel für die Tesla Aktie von 900 auf 850 Dollar gekürzt, die neutrale Einstufung aber beibehalten – für einen günstigen Einstieg sei die Aktie derzeit zu teuer.

Unterdessen wird das Lager der Tesla-Fans unter den Analysten mit zunehmenden Absatz- und Umsatzerfolgen immer größer. Kaufempfehlungen gab es unter anderem von der Credit Suisse und Goldman Sachs mit Kursziel jeweils 1.000 Dollar sowie von der Schweizer UBS und der kanadischen Bank RBC, die das Kursziel für die Tesla Aktie jeweils mit 1.100 Dollar beziffern. Die Deutsche Bank behielt sowohl ihre Kaufempfehlung als auch ihr Kursziel bei, das da lautet: 1.125 Dollar.