Der Trend – wirklich ein Freund des Anlegers?

Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet: „the trend is your friend“ (zu Deutsch: Der Trend ist dein Freund). In der Praxis bedeutet der Spruch, Anleger sollen genau auf die Wertpapiere setzten, die sich in einem Aufwärtstrend befinden.

Die Überlegung, die dahinter steckt: Aktien, deren Chart in der jüngeren Vergangenheit geklettert ist, wird dies vermutlich noch eine Weile länger tun. Und wenn sich ein Trend dem Ende neigt, sollte man verkaufen – oder auch umgekehrt.

Das Ganze wird von Experten auch als Trendfolgestrategie bezeichnet und oft im Rahmen der so genannten Momentum-  oder der Relative-Strength-Strategie (dem Verfahren der „Relativen Stärke“) angewandt. Beim diesen Ansätzen werden die fundamentale und die technische Analyse im Hinblick auf die Geldanlage in Aktien kombiniert. Hierdurch lassen sich unter bestimmten Umständen überdurchschnittliche Renditen erzielen.

The trend is your friend: In bestimmten Marktphasen Gold wert

Die Börsenweisheit „the trend is your friend“ kann Anlegern in bestimmten Phasen des Marktes zu sehr guten Ergebnissen verhelfen. Wer einen Trend identifizieren möchte, sollte den Chart seines bevorzugten Wertpapiers im Auge behalten. Dies auf unterschiedliche Art und Weise möglich.

Beispielsweise wird bei der Relative-Strength-Strategie der aktuelle Schlusskurs einer Aktie zum Durchschnitt der Wochenschlusskurse unterschiedlich langer Zeiträume ins Verhältnis gesetzt. Sofern am Markt eindeutige Trends erkennbar sind, werden Anleger mit Strategien, die der Börsenweisheit „the trend is your friend“ vertrauen, Erfolge verzeichnen.

Das größte Problem dieses Ansatzes ist jedoch, dass Kursverläufe nichts über die zukünftige Entwicklung eines Wertpapiers aussagen. Anleger, die sich ausschließlich von diesem Grundsatz leiten lassen, finden nicht immer die langfristig erfolgreichsten Gesellschaften. Daher setzen Anlageprofis eher auf einen Mix aus Fundamental– und Trendfolgeanalyse. Darüber hinaus verfolgen sie auch die Entwicklung und den Kursverlauf von Konkurrenzunternehmen.

Die Probleme von Trendfolge-Strategien

Manchmal kann das Vertrauen in Trends auch trügerisch sein und vom Freund zum Feind werden. Denn es gibt auch immer wieder Marktphasen, in denen klare Trends kaum auszumachen sind. Wenn sich die Kurse von Wertpapieren hauptsächlich eher seitwärts entwickeln, fällt es Anlegern mit diesem Ansatz nicht leicht, ihre Investmententscheidungen zu treffen. Dennoch gibt es auch zu solchen Zeiten immer auch Gesellschaften, die Gewinne erzielen und damit eine gute Rendite für Investoren abwerfen.

Ein weiteres Problem von Trendfolge-Strategien: Trends sind eben auch irgendwann einmal beendet. Und dann wird es schwierig. Denn nur in den seltensten Fällen sendet der Kursverlauf dann ein eindeutiges Signal, das Anleger zum rechtzeitigen Verkauf mahnen könnte. Schlimmer noch: Besonders in Zeiten des Wandels schwanken die Kurse von Aktien oft sehr stark. Dann ist es für Anleger fast nicht möglich, einen eindeutigen Trend zu identifizieren.

„The trend is your friend“ ist wie alle pauschalen Sprüche nicht der Weisheit letzter Schluss. Entsprechende Strategien sind nicht für jeden Anleger und vor allem nicht in jeder Marktphase zu empfehlen.

29. August 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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