Investieren in Kanada: die Alternative zum US-Markt

Erst der Brexit mit seinen erratischen Folgen, dann die Abschottungs-Agenda von Donald Trump – wer sich als Anleger für den angelsächsischen Bereich interessiert, sollte überlegen, eher in Kanada zu investieren. Lief das zweitgrößte Land der Erde bislang im Windschatten der USA, so arbeitet es derzeit verstärkt am eigenen Profil.

Zuverlässigkeit und viel Potenzial 

Dazu passt, dass im 150. Jahr der Unabhängigkeit nun das Freihandelsabkommen mit der EU Ceta nun in Kraft tritt. Wer in Kanada investieren will, dem bietet sich ein Land, das durch Liberalität und Zuverlässigkeit geprägt ist. Rechtssicherheit sowie zuverlässige Behörden gehören zum Selbstverständnis des wirtschaftlich soliden Standorts.

Mit genügend freien Landflächen, eigenen Rohstoffen, hohem Bildungsniveau und wachsender Bevölkerung hat Kanada die besten Voraussetzungen, seine Wachstumspotenziale zu entfalten. Beispiel Infrastruktur: Während Donald Trumps Ausbauoffensive noch im Ankündigungsmodus verharrt, hat die Regierung unter Justin Trudeau bereits 125 Mrd. € für umfassende Modernisierungen bereitgestellt.

Derweil haben schon die niedrigen Öl- und Gaspreise das Entstehen eines neuen Riesenkonzerns für Infrastruktur angeschoben: Der kanadische Pipelinebetreiber Enbridge hat den US-Konkurrenten Spectra Energy für 28 Mrd. US-$ geschluckt und seine Marktposition ausgebaut. Wer in dessen Aktie investiert, kann sich über eine Dividendenrendite von 4,4 % freuen.

Und über die wiederbelebte Keystone-XL-Pipeline wird zusätzliches Öl aus den Ölsandvorkommen in Alberta zu den Raffinerien in den USA befördert, was Unternehmen wie Natural Resources oder Suncor Energy Auftrieb gibt.

In Kanada investieren – mit Steuervergünstigungen

Kanada profitiert erheblich vom südlichen Nachbarn. Zu sehr sind die beiden Wirtschaften miteinander verwoben und agieren auf gleichem Niveau, als dass es zu Abschottungen und Reibereien wie mit Mexiko kommen könnte. Nachverhandlungen beim Nafta-Abkommen, die Trump anstrebt, dürften kaum negative Auswirkungen haben.

Aus deutscher Sicht ist Ceta von Bedeutung, nicht zuletzt weil schon gut 800 Firmen in Kanada investieren. Etliche wie Siemens, Daimler, K+S oder SAP produzieren vor Ort und profitieren von einem Angebot gut ausgebildeter Fachkräfte. Neue Direktinvestitionen in Bereichen wie Automobil, Luft- und Raumfahrt, Bio- oder Nanotechnologie werden mit attraktiven Steuervergünstigungen gefördert.

Da mit einer Wiederbelebung von TTIP mit den USA nicht mehr zu rechnen ist, bietet sich Kanada mit seinem Zugang zum gesamten nordamerikanischen Markt an.

Für eine solide Grundlage des Landes spricht nicht zuletzt die gute Verfassung der Banken. Sie haben selbst die letzte Finanzkrise nahezu unbeschadet überstanden und bilden die Schwergewichte im Leitindex S&P/TSX 60. Kanadische Finanztitel sind einen Blick wert. Die Branche hat sich auf Jahressicht mit 11,14 % Plus am besten entwickelt.

Immobiliensektor überhitzt

Nachdenklich stimmt indes der teilweise überhitzte Immobiliensektor. Platzt die Blase, wären nicht nur Banken, sondern auch die gesamte Wirtschaft betroffen. Sorgen bereitet zudem die auf 170 % des verfügbaren Jahreseinkommens gestiegenen Schulden der privaten Haushalte. Noch sind die Leitzinsen mit 0,5 % niedrig.

Doch erste Probleme zeigen sich etwa bei Home Capital Group (HCG). Zwar handelt es sich um einen kleinen Immobilienfinanzierer, allerdings geht die Schieflage auf Kreditausfälle bei Kunden mit schlechter Bonität zurück. Und die letzte Finanzkrise begann eben mit Subprime-Krediten.

Die Alternative, direkt in Immobilien in Kanada zu investieren, ist leider weniger attraktiv geworden. Seit August letzten Jahres wird von Ausländern eine Sondersteuer in Höhe von 15 % des Kaufpreises verlangt, was die Rendite entsprechend schmälert.

13. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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