Kapitalmarkt und Konjunktur 2018: Wenn der Aufschwung unheimlich wird…

Kapitalmarktprofis sehen das Wachstum auch 2018 ungebremst. Doch im zehnten Aufschwungjahr wird die Frage nach der Trendwende lauter. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Maximal 12.000 Punkte hatten die Analysten dem DAX zum Jahresende 2017 zugetraut, und das obwohl sie das Potenzial für Kursanstiege mit 10 bis 11 Prozent deutlich ergiebiger einschätzten.

So etwas nennt man vorsichtigen Optimismus. Nicht falsch mit Blick auf Unwägbarkeiten wie Brexit oder Trump-Wahl. Doch die wirklichen Gewinner waren diejenigen, die Nervenstärke bewiesen und alle Gefahren beiseite wischten.

Mit über 13.000 Punkten und einem durchschnittlichen Plus von 14 Prozent übertraf der deutsche Leitindex alle Erwartungen.

So viel Zuversicht wurde nur noch in den USA getoppt, wo der Dow Jones binnen Jahresfrist um 25 Prozent zulegte. Und größere ökonomische Risiken sind derzeit kaum in Sicht.

Daher gehen die meisten Banken von weiteren Kursanstiegen aus. In der traditionellen Befragung von „Euro am Sonntag“ nannten die Marktbeobachter ein Wachstumspotenzial von 7,5 Prozent für den DAX.

Die zuversichtlichsten unter ihnen halten sogar einen Anstieg des Börsenbarometers auf bis zu 14.500 Punkte für möglich. Allerdings verkürzen einige Experten auch die Prognosezeiträume und sagen weiteres Wachstum vorerst nur für die erste Jahreshälfte voraus.

Was danach kommt, sei ungewiss. Auch ein Downturn sei dann möglich – spekuliert man zumindest bei der Helaba, die den DAX zum Jahresende 2018 unter 13.000 Punkten erwartet.

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Die Suche nach dem Schwarzen Schwan: Wo stecken Risiken?

Der Grund für diesen Optimismus klingt plausibel: In Deutschland arbeitet die Wirtschaft „am Anschlag“.

Zusätzlich befeuert durch staatliche Investitionen haben viele Unternehmen volle Auftragsbücher – und ausgeschöpfte Kapazitäten. Und nach Jahren der Krise mehren sich die Erholungszeichen in der Eurozone.

Das belebt den Außenhandel. Zumal es in China und den USA nicht anders aussieht. Auch dort steigen die Wachstumsraten und die Unternehmensgewinne.

So hat der Welthandel nach Jahren der Flaute wieder Fahrt aufgenommen. Das kommt einer Exportnation wie Deutschland besonders zugute.

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Deutsche Unsicherheiten: politischer Leerlauf und Fachkräftemangel

Doch in der Wirtschaft ist das manchmal wie im Sport: Wenn es rundum gut läuft, kann man sich nur noch selbst ein Bein stellen. Derartige Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung nach der Bundestagswahl hatte niemand auf dem Radar.

Die Sympathien der Wirtschaft für Jamaica rührten nicht zuletzt aus der Aussicht auf Maßnahmen wie eine Verbesserung der digitalen Infrastruktur.

Für eine Große Koalition hätten dagegen kontroverse Verteilungsthemen wie die Bürgerversicherung zentrale Bedeutung. Der Ausgang der Diskussionen? Zum Jahreswechsel ungewiss.

Und deshalb beurteilen die meisten Wirtschaftsexperten die Ausgangslage losgelöst von politischen Gemengelagen. Unwägbarkeiten gäbe es dort genug.

So sieht Prof. Michael Hüther, der Direktor des Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, vor allem Fachkräftemangel eine Gefahr. Der deutschen Konjunktur drohe eine Überhitzung, sagt er im Gevestor-Gespräch.

Mehr dazu: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2017/370137/IW-Trends_2017-04-01_Prognose.pdf

Immerhin: Die Befragung der Unternehmensverbände durch Hüthers Ökonomen ergab, dass die Grenzen des Wachstums noch nicht erreicht sind.

Weit über zwei Drittel der Befragten sahen ein deutlich verbessertes Investitionsumfeld und bessere Beschäftigungsperspektiven als noch ein Jahr zuvor.

(Aus-)Bildung als Wachstumsschlüssel

Der zuversichtliche Befund deckt sich mit den Einschätzungen der öffentlich-rechtlichen KfW-Bankengruppe. Vor allem aus den steigenden Kreditzusagen ziehen die Volkswirte dort die Überzeugung, dass sich der Aufschwung nicht nur fortsetzen, sondern noch weiter festigen wird.

Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner mahnt seit langem den Nachholbedarf bei Unternehmensinvestitionen an. Jetzt scheint sein Ruf Gehör zu finden.

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Entscheidend, so Zeuner, sei allerdings, worin investiert wird. Sowohl die Firmen als auch der Staat müssten mehr tun, um die Produktivität zu steigern.

Die wichtigsten Handlungsfelder seien dabei – neben Forschung und Entwicklung oder Digitalisierung – Innovationen und Bildung.

Gerade im Bildungssektor blieben zu viele Potenziale ungenutzt. Spätestens mit Blick auf die 2020er Jahre sei hier ein Umdenken nötig.

Danach würde die demografische Entwicklung eine entscheidende Hürde – und Wachstumsschübe wie die für 2018 erwartete eher unrealistisch.


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Mehr dazu: https://www.kfw.de/KfW-Konzern/KfW-Research/KfW-Konjunkturkompass.html

Die Ökonomen der KfW knüpfen ihre Zuversicht auch an eine Stärkung der EWU. Sie liege im „ureigenen Interesse Deutschlands“.

Möglichkeiten ergäben sich auch aus der Zusammenarbeit mit Frankreich und seinem reformfiebrigen Präsidenten Macron.

Außerdem sehen vielen Beobachter den Populismus in Europa (etwas) abklingen, weshalb auch die bevorstehende Italienwahl von den meisten Volkswirten gelassen gesehen wird.

Konjunktur 2018: Internationale Impulse – Amerika und die Welt

Auch in Bezug auf die USA und ihre Wirtschaft hat die Verunsicherung deutlich nachgelassen. Die Unternehmen verdienen kräftig. Die Zahl der Beschäftigten steigt.

Und mit der Absegnung seiner Pläne für die umfassendste Steuerreform seit Ronald Reagan hat US-Präsident Donald Trump die Erfüllung eines seiner wichtigsten Wahlversprechen auf den Weg gebracht.

Das sind gute Startbedingungen für 2018. Auch in Übersee sollte die Wirtschaft weiter wachsen, so die Prognosen der OECD. Zwar warnen einige Ökonomen vor einem unerwartet starkebn Anstieg der Inflation.

Doch dafür sieht die OECD bislang wenig Anhaltspunkte. Vielmehr sieht die Organisation in der Trumpschen Wirtschafts- und Fiskalpolitik eine Stütze für den weiteren Aufschwung.

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Abzuwarten bleibt, was der Wechsel an der Spitze der US-Notenbank bringt. Janet Yellen geht, Jerome Powell kommt.

Was bleibt, ist die Aufgabe der geldpolitischen Normalisierung. Erste Zinserhöhungen hat es in 2017 bereits gegeben. 2018 sollen weitere folgen – ohne das Wachstum im Jahr 10 nach der Lehman-Pleite abzuwürgen.

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa, ist gespannt, wie das gelingt. Gespannt, aber nicht besorgt. Denn grundsätzlich sieht auch die Lage in der Wirtschaft und am Kapitalmarkt positiv.

Hohe KGV und niedrige Volatilität – die Sorgenfaktoren für die Konjunktur 2018

Wenn dennoch Sorgen aufkommen, liegt es am Blick auf die Kennzahlen. In den USA die Kurs-Gewinn-Verhältnisse vieler Aktien ungewöhnlich hoch.

Außerdem sehen Börsianer weltweit vergleichsweise geringe Preisschwankungen (Volatilität) an den Märkten. Für Anleger ist diese Kombination nicht selten ein Zeichen für eine bevorstehende Korrektur.

Doch wohin mit dem Geld, wenn man es aus den Aktien abzieht? Andere Anlagen zeigen sich nach wie vor renditeschwach. Und deshalb rechnet kaum ein Profi derzeit ernsthaft mit Kurseinbrüchen.

Mehr dazu: https://www.blackrock.com/corporate/en-de/literature/whitepaper/bii-global-investment-outlook-q4-2017-us.pdf

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Allenfalls geopolitische Spannungen wie eine Eskalation des Konflikts mit Nordkorea, ein neuer Krieg im Nahen Osten oder eine größere Naturkatastrophe könnten die positive Grundstimmung verhageln.

Dies sind die so genannten „Schwarzen Schwäne“: Ereignisse, deren Eintreten nicht kalkulierbar oder gar vorhersagbar ist.

Alles bleibt gut, sagt daher Dr. Ulrich Stephan von der Deutschen Bank. Bis auf weiteres. Denn mit Sorge blickt er vor allem auf die Produktivitätsschwächen.

Der Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Bank sieht zwar den derzeitigen Hype rund um Digitalisierung und neue Technologie, kann aber nicht erkennen, dass sich daraus in nächster Zeit zusätzliche Konjunkturimpulse ergeben.

Mehr dazu: https://www.db.com/newsroom_news/2017/kapitalmarktausblick-2018-ende-der-truegerischen-ruhe-de-11728.htm

Trotzdem halten die Kapitalmarktexperten der Deutschen Bank ein weltweites Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent 2018 für realistisch.

Und dabei ist ihre Konjunkturprognose für Deutschland mit einem Plus von 1,8 Prozent noch eher verhalten. Immerhin den DAX sehen sie zum Jahresende bei 14.100 Punkten, womit sie sich endgültig auf die Seite der Optimisten schlagen.

Dämpfer für den DAX – Was sagen die Skeptiker

Bei der Helaba sind die Anlageprofis vorsichtiger. Ihre Prognose für 2018 gehört zu den wenigen, die auf einen Dämpfer für den DAX hinauslaufen: 12.500 Punkte stehen am Ende auf der Tafel, sagt Dr. Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin. Allerdings mit einem leichten Schmunzeln. Allen Kapitalmarktexperten gilt die DAX-Prognose als brancheninternes Kaffeesatzlesen.

Wichtiger als der präzise DAX-Stand ist den Skeptikern das Phänomen dahinter. Die Ökonomen der Helaba konstatieren zur Jahreswende private wie institutionelle Anleger in Kauflaune. Und im Überschwang kaufe man gern, was man später vielleicht bereut, sagt Traud. Sie fühlt sich an die Situation im Einkaufszentrum erinnert, wo der Verbraucher auch genau hinschauen sollte. Nichts sei umsonst.

DAX zeigt Stärke: Fehlausbruch oder Boom?DAX strotzt vor Stärke. USA haben BASF im Visier. Was bringen die kommenden Tage? Mögliche Kursziele für den DAX im Sommer. › mehr lesen

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Mehr dazu: http://maerkteundtrends.helaba.de

Die Anlage-Selektion bestimmt mehr denn je den Erfolg

Henning Gebhardt teilt diese Vorsicht. Der Leiter des Wealth und Asset Managements der Hamburger Berenberg Bank gilt als einer der versiertesten Profi-Anleger in Deutschland.

Auch er rechnet angesichts hoher Bewertungen und relativ geringer Korrekturen am Kapitalmarkt damit, dass die Geldanlage riskanter wird.

Sein Rezept: genauer hinschauen. Henning Gebhardt entscheidet vor allem aufgrund von Fundamentaldaten.

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10 Jahre nach der Lehman-Pleite: die Regulierung geht weiter

Henning Gebhardt ist nicht allein unter seinen Kollegen, wenn er wegen des komplizierten Anlageumfelds zu fachlichem Beistand rät.

Nicht jedem Privatanleger ist es gegeben, aus grundsätzlichen Unternehmens- und Marktdaten die richtigen Investmententscheidungen abzuleiten.

Doch eben jener fachliche Beistand genießt nicht den besten Ruf. Bankberater und Vermögensverwalter waren es, die Anleger zum Kauf von Produkten rieten, die spätestens mit der Lehman-Pleite wertlos wurden.

2018 jährt sich dieser spektakuläre 13. September zum zehnten Mal. Damals begann die wohl größte Wirtschaftskrise nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Und eine Phase ungekannter staatlicher Rettungsmaßnahmen.

Der Preis waren neue, strengere Regeln für alle Beteiligten am Finanzmarkt. Regeln, die ständig erweitert und verfeinert wurden – und werden. Denn das nächste Kapitel wird 2018 mit Mifid 2 aufgeschlagen.

Schon in der ersten Stufe sollte die Richtlinie für mehr Transparenz an den Märkten sorgen. Mit der Stufe 2 sollen nun Verbraucher über eine Verschärfung der Regeln im Vertrieb von Finanzprodukten geschützt werden. Allerdings geht es dabei vor allem um Kostentransparenz.

Risikotransparenz steht auf einem anderen Blatt. Weswegen der Anleger von den neuen Regeln auch kaum etwas mitbekommen wird, schätzt Lars Brandau, Geschäftsführer beim Deutschen Derivate Verband. Zumal sich nach seiner Ansicht an ganz anderer Stelle neue Marktverwerfungen auftun.

Brandau sieht den Hype der Cryptowährungen in 2017 mit großer Skepsis. Die Zertifikatebranche sieht ihre Produkte vor allem als Beimischung im Portfolio. Und so bleibt die Frage nach Anlagealternativen.

Anlagealternativen: Wenig Attraktives in Sicht

Trotz Anziehens der Weltkonjunktur hält sich die Nachfrage nach Rohstoffen in geordneten Bahnen. Kaum ein Experte rechnet mit deutlich steigenden Ölpreisen. Auch bei Gold- und anderen Edelmetallen sehen viele einen (vorläufigen) Höhepunkt erreicht.

Immerhin könnten Anleihen neue Anziehungskraft gewinnen. Erste Signale deuten auf zaghaft steigende Renditen

Fazit: So geht es weiter mit der Konjunktur 2018

Alles bleibt gut. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit befindet sich die Wirtschaft 2018 weiter auf Wachstumskurs. Steigende Gewinne der Unternehmen sind zu erwarten.

Und da – zumindest in der Eurozone – vorerst keine Abkehr von der lockeren Geldpolitik absehbar ist, dürfte auch das Zinsniveau stabil bleiben. Mit anderen Worten: bei Null.

Anpassungen erfolgen sehr vorsichtig und jedenfalls regional. Und das kann zur Herausforderung für Anleger werden, da die Rahmenbedingungen immer von Investment zu Investment beurteilt werden müssen: Fundamentalanalyse hat Hochkonjunktur

Politik tritt dagegen in den Hintergrund. Mit den ersten Anzeichen einer konjunkturellen Belebung im Euroraum haben Polarisierungstendenzen abgenommen.

Die Folgen eines Brexit erscheinen vielen Beobachtern inzwischen eingepreist, und mit dem französischen Präsidenten Macron steigen die Chancen auf eine grundlegende Reform der Union.

Was die Märkte beruhigt. In den USA hat Donald Trump mit seinen Plänen für eine Steuerreform eines seiner wichtigsten Wahlvorhaben durchgesetzt – mit Impulswirkung für die Wirtschaft.

Aber auch, wenn die Vorzeichen durchweg positiv scheinen, zeichnen sich doch regionale Unterschiede ab. Und die sind die eigentliche Herausforderung für die Anleger.

Zumal Aktien in Europa und den USA tendenziell eher hoch bewertet sind. Das zwingt zur klugen Auswahl – und nicht jedes Technologieunternehmen stellt einen Wachstumswert dar.

Disruption bleibt zwar ein Thema, es wird aber von der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfrage überlagert. So wird die Wirtschaft insbesondere in Deutschland weiter mit dem – eher zunehmenden – Fachkräftemangel kämpfen. Er setzt dem Gewinnwachstum der Unternehmen Grenzen.

So wird 2018 nur Erfolg haben, wer sein Portfolio aktiv managt und vor allem mit Schwarzen Schwänen rechnet, also das eigentlich nicht Erwartbare erwartet.

Hohe Bewertungen bei niedriger Volatilität als Hinweis auf eine bevorstehende Kurskorrektur an den Märkten zu werten, kann auch nach Ansicht der Experten nicht schaden. Die derzeitige Ruhe gilt vielen als trügerisch.


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Von: Marcus Schult. Über den Autor

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