Vollkommener Markt: Diese Bedingungen müssen erfüllt werden

Sind die Merkmale Transparenz, Einheitlichkeit, Vergleichbarkeit und Rationalität gegeben, so liegt ein vollkommener Markt vor. (Foto: Siriwat Sriphojaroen / Shutterstock.com)

In der Wirtschaftstheorie ist der vollkommene Markt der ideale Markt. Hierbei wird angenommen, dass sich alle Marktteilnehmer ausschließlich nach ökonomischen Grundsätzen verhalten. Das Modell dient der Ökonomie als Analysegrundlage der Wirkungszusammenhänge von Angebot, Nachfrage und Preisbildung auf verschiedenen Märkten.

Der vollkommene Markt ist jedoch ein fiktives Gedankenmodell. In der Wirklichkeit sind seine Merkmale nämlich in aller Regel nicht erfüllt. Damit stellen reale Märkte normalerweise unvollkommene Märkte dar.

Merkmale des vollkommenen Marktes

Es gibt einige bestimmte Bedingungen, die auf einen Markt zutreffen müssen, damit er auch tatsächlich als „vollkommen“ bezeichnet werden kann. Diese Voraussetzungen sind sowohl Markttransparenz als auch Homogenität der Güter, Rationalität der Marktteilnehmer, unendlich schnelle Reaktion und freier Marktzutritt.

Merkmale des vollkommenen Marktes: Transparenz – Gesamtüberblick des Angebots

Es wird davon ausgegangen, dass ein Nachfragender sich für das Angebot entscheidet, das preislich am günstigsten ist.

Um das günstigste Angebot finden zu können, ist es notwendig, dass der Kunde einen Überblick über alle verfügbaren Angebote hat, die der Markt bereithält – eine komplette Markttransparenz ist daher eines der Merkmale, die ein vollkommener Markt bieten muss.

Zwar ist es durch moderne Errungenschaften wie dem Internet prinzipiell einfacher, sich einen Überblick über das Gesamtangebot einer Ware zu verschaffen, doch ein potenzieller Kunde weiß nie genau, ob ihm die gesamten Preisinformationen vorliegen.

Auch ist es nicht sicher, ob die billigere Ware vielleicht qualitativ gegenüber dem teureren Produkt abfällt.

Einheitlichkeit beim vollkommenen Markt: Jedes Produkt ist gleich

Wenn einzig die Nachfrage nach einem Angebot die Preisbildung bestimmt, setzt dies voraus, dass die betreffenden Waren qualitativ gleich sind. Man spricht hierbei auch von „Homogenität der Güter“.

Die Güter müssen also in Bezug auf Qualität, Aufmachung und Verpackung gleich sein, um einen allgemeingültigen Preis zuordnen zu können.

Somit würden die Preisbildung und deren Schwankungen nicht auf den Unterschieden der Waren basieren, sondern lediglich durch die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage bestimmt werden.

Zudem wirken Rahmenbedingungen wie Steuern, Gebühren oder auch Umweltstandards auf die Preise mit ein und beeinflussen diese.

Der vollkommene Markt: Einheit von Raum und Zeit

Gekoppelt an die Markttransparenz meint dieses Merkmal des vollkommenen Marktes, dass für die Gesamtheit der Anbieter und Nachfrager weder räumliche noch zeitliche Unterschiede vorliegen.

Es müssten daher alle Nachfrager und Anbieter zur gleichen Zeit am gleichen Ort zusammenkommen, damit jeder auf die Marktveränderungen sofort reagieren kann.

Eine Benachteiligung der Marktteilnehmer durch eine zeitliche Verzögerung darf nicht vorliegen. Man spricht bei solchen Voraussetzungen auch von einem Punktmarkt. Als Beispiele wären hier Börsen- oder Wochenmärkte zu nennen.

Rationalität: Keine persönlichen Vorlieben

Die Theorie des vollkommenen Marktes geht davon aus, dass sich Käufer allein vom Preis lenken lassen und somit vollkommen rational handeln. Will ein Nachfragender ein bestimmtes Gut erwerben, so vergleicht er alle Preise und entscheidet sich letztlich für das günstigste Angebot.

Denn: Er hat Zugriff auf alle Marktinformationen und daher einen Gesamtüberblick (Markttransparenz), die Güter unterscheiden sich qualitativ nicht (Homogenität der Güter), Waren und Marktteilnehmer handeln hier und jetzt (Einheit von Raum und Zeit).

Die meisten Marktteilnehmer lassen sich in ihrer Kaufentscheidung durch persönliche (beispielsweise Sympathie), räumliche (Standortvorteile) oder zeitliche Präferenzen (schnellere Lieferung) beeinflussen.

Die verschiedenen Marktformen des vollkommenen Marktes

Der vollkommene Markt wird gemeinhin in verschiedene Marktformen unterteilt. Diese Marktformen werden vom Mengenverhältnis der Nachfrager und Anbieter bestimmt.

Eine allgemein bekannte Marktform ist hierbei etwa das klassische Monopol: Sehr viele Nachfrager treffen auf lediglich einen Anbieter. Ein mögliches Beispiel wäre ein Postversender, der lediglich auf ein Postunternehmen zurückgreifen kann.

Unter Berücksichtigung der Gegebenheiten eines allgemeinen Marktes können anhand einer solchen Marktform beispielhaft Marktentwicklungen abgeleitet und mitunter auch prognostiziert werden.

So funktioniert die Preisbildung auf einem vollkommenen Markt

Der Idealzustand eines vollkommenen Marktes ist das sogenannte Polypol. In diesem steht eine Vielzahl an Anbietern einer Vielzahl an Nachfragern gegenüber. Dies führt zu einer sogenannten „vollständigen Konkurrenz“ und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Preisbildung. Der Marktpreis für eine bestimmte Ware stellt dann die absolute Obergrenze dar.

Verlangt ein Anbieter einen Preis über dieser Grenze, würde er auf einem vollkommenen Markt sofort alle Kunden verlieren, da diese nämlich nach rein wirtschaftlichen Erwägungen handeln und zur Konkurrenz abwandern würden.

Beispiele für einen vollkommenen Markt

Es gibt keine echten Beispiele, in denen alle genannten Bedingungen erfüllt werden. Letztlich bleibt der vollkommene Markt ein in der Theorie zwar wünschenswertes, aber dennoch fiktives Gebilde.

In der Realität gibt es lediglich unvollkommene Märkte, die sich diesem Idealbild jedoch möglichst annähern. Hierbei kommt vor allem der Handel an Börsen oder Devisenmärkten den Vorstellungen am nächsten.

Dass der Börsenhandel einem vollkommenen Markt zumindest sehr nahe kommt, liegt dabei zum Beispiel an der Transparenz des Marktes und daran, dass sich das Handelsgeschehen zeitlich und räumlich an einem Punkt vollzieht.

Doch wie verhält es sich mit dem Börsenhandel?

Ist die Börse ein vollkommener Markt?

Zwar werden nicht alle Bedingungen für einen vollkommenen Markt im Börsenhandel erfüllt, immerhin jedoch ein paar davon. Die Börsen können daher zumindest als eine Annäherung an die Utopie des idealen Marktes erachtet werden.

Gerade die Punkte Markttransparenz, (unendlich) schnelle Reaktion der Marktteilnehmer und freier Marktzutritt werden hierbei in weiten Zügen verwirklicht.

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Börsen bilden einen Punktmarkt. Das heißt, dass sämtliche Marktinformationen ohne räumliche oder zeitliche Kluft verfügbar sind. Somit wird eine hohe Markttransparenz gewährleistet.

Da (im besten Fall) sämtliche Angebote und deren Preise an einem Punkt zusammenlaufen, können sich die Marktteilnehmer einen umfassenden Überblick über Nachfrage beziehungsweise Angebot verschaffen.

Dies ermöglicht eine sehr schnelle Reaktionszeit auf Markttrends. Diese ist zwar nicht „unendlich schnell“, durch automatisierten, elektronischen Handel wird sich dieser Bedingung aber zumindest angenähert.

An den meisten Börsen hat jeder freien Zutritt, wenn nicht persönlich, dann über einen Broker, der die Interessen des jeweiligen Marktteilnehmers vertritt – heutzutage oftmals bequem von zuhause über einen Online-Broker.

Die Börse verwirklicht also zumindest im Ansatz einen vollkommenen Markt. Doch es gibt auch Bedingungen und Merkmale, die nicht erfüllt werden.

Diese Bedingungen erfüllt der Börsenhandel nicht

Die Punkte Rationalität der Marktteilnehmer und Homogenität der Güter werden auch an einer Börse als vollkommener Markt allenfalls in Ansätzen erfüllt. Rationalität der Marktteilnehmer bedeutet, dass Nachfrager losgelöst von irgendwelchen Präferenzen am Markt handeln.

Diese Präferenzen können zeitliche und räumliche Präferenzen sein, zum Beispiel eine zu lange Lieferzeit der erstandenen Ware, aber auch persönliche Vorlieben, wie eine Kaufempfehlung durch Freunde oder Werbung.

An einem Punktmarkt wie der Terminbörse bestehen zwar keine zeitlichen oder räumlichen Präferenzen – die Güter sind quasi gleichzeitig am Markt verfügbar, da es sich im Wesentlichen um Finanzprodukte handelt.

Aber auch ein Börsenspekulant kann sich von persönlichen Vorlieben genauso wenig freisprechen wie der Schnäppchenjäger auf einem Flohmarkt. Auch unterscheiden sich die verfügbaren Güter stets in ihrer Qualität.

Obwohl Finanzprodukte relativ homogen sind, so sind sie niemals gänzlich gleichartig. Die erforderliche „Homogenität der Güter“ wird somit ebenfalls nicht erfüllt.

Fazit: Knapp daneben ist auch vorbei

Zwar wird an der Börse ein vollkommener Markt noch am ehesten realisiert. Nichtsdestotrotz kann auch sie die Bedingungen eines vollkommenen Marktes nicht vollständig erfüllen.

Die Idee des idealen Marktes bleibt trotz der zahlreichen Entsprechungen auf dem Parkett weiterhin Utopie.

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Max Fassbender
Von: Max Fassbender. Über den Autor

Max Fassbender arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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