So will Amazon Go den Handel revolutionieren

Amazon Paket RED – shutterstock_373709401 Hadrian

Amazon Go ist noch in der Testphase, doch das Potenzial ist gewaltig. Was steckt dahinter? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Weihnachten naht und die Geschäfte brummen beim weltweit führenden Online-Kaufhaus Amazon.com, dies hat zuletzt auch die Amazon-Aktie auf ein neues Rekordhoch bei knapp 1.200 US-$ getrieben.

Doch längst bereitet Amazon.com den nächsten Coup vor. Der Online-Händler will nicht nur den Online-Markt erobern, sondern auch den stationären Handel mit dazu. Möglich machen soll dies ein neues Konzept: Amazon Go.

Der Grund für den Vorstoß von Amazon.com: Der Großteil der Kunden kauft seine Lebensmittel nach wie vor im traditionellen Supermarkt um die Ecke ein. Mit dem kassenlosen Supermarkt Amazon Go soll sich dies in Zukunft ändern.

Was ist Amazon Go?

Im Dezember 2016 eröffnete Amazon seinen ersten Amazon Go Laden in Seattle. Das Besondere: Der Laden, der sich über eine Fläche von 170 m² erstreckt, kommt ohne Kassen aus.

Die Idee dahinter: Das lange Anstehen an einer Kasse soll damit der Vergangenheit angehören. Kunden sollen einfach den Laden betreten und einkaufen und ohne Wartezeiten an der Kasse verlassen können. Abgerechnet werden die mitgenommen Waren dann automatisch über eine App.

Wie funktioniert Amazon Go?

Um seinen kassenlosen Supermarkt Amazon Go zu realisieren, nutzt Amazon.com die gleichen Technologien, die auch bei selbstfahrenden Autos zum Einsatz kommen. Dies bedeutet: Neben Bilderkennungsverfahren (Computer Vision), kommen auch Sensoren und selbstlernende Algorithmen zum Einsatz, die erkennen können, wann und zur welcher Zeit welcher Kunde eine Ware aus dem Regal nimmt.

Um im Amazon Go-Laden Einkaufen zu können, benötigt der Kunde ein Amazon-Konto und die entsprechende Amazon Go App, die beim Betreten des Marktes den virtuellen Einkaufskorb zeigt. Nach Verlassen des Amazon Go Marktes werden die Waren, die sich im virtuellen Einkaufskorb der Amazon Go App befinden, automatisch abgerechnet. Der Betrag wird vom Amazon-Konto abgebucht und der Kunde erhält eine Quittung.

Amazon Paket RED – shutterstock_539808037 pixinoo

Denken Sie wie ein Investmentfonds-ManagerFondsmanager müssen anders handeln als Privat-Anleger. Genau das ist für Sie ein unschätzbarer Vorteil! Hier erfahren Sie Näheres dazu: › mehr lesen

Amazon Go noch in der Testphase

Soweit die Theorie. In der Praxis kämpft Amazon.com noch mit technischen Herausforderungen. So kam es während der Testphase in diesem Jahr zu Problemen, wenn sich mehr als 20 Kunden gleichzeitig im Amazon Go Supermarkt aufhalten.

Daher befindet sich der Amazon Go Laden nach wie vor in der Testphase und kann bislang nur von Amazon-Mitarbeitern zum Einkaufen genutzt werden. Amazon.com will weitere Erfahrungen sammeln, bevor der Online-Händler seinen kassenlosen Laden für die Allgemeinheit öffnet.

Fazit: Amazon Go ist ein Konzept mit Potenzial

Keine Frage, mit Amazon Go will Amazon das Einkaufen im Supermarkt revolutionieren. Zwar hat der Online-Händler die technischen Herausforderungen noch nicht lösen können, die den Einsatz der kassenlosen Systeme im großen Stil ermöglichen, dennoch zeigt Amazon Go bereits sein Potenzial auf.

Marktbeobachter rechnen damit, dass der Amazon Go-Laden in Seattle schon in 2018 einem größeren Publikum zugänglich sein wird. Da sich Amazon.com bereits in Großbritannien und der EU Rechte im Zusammenhang mit der Marke Amazon Go gesichert hat, könnte der kassenlose Supermarkt über kurz oder lang auch nach Europa bzw. Deutschland kommen.

Dies hätte nicht nur für Konsumenten Vorteile – lange Wartezeiten an der Kasse würden der Vergangenheit angehören – sondern vor allem auch für Amazon.com selbst. Supermärkte würden kosteneffizienter und leichter skalierbarer, was am Ende auch höhere Gewinnmargen für Amazon.com bedeuten könnte.

Allein im deutschen Lebensmittelhandel wurden im letzten Jahr rund 195,5 Mrd. € umgesetzt (Quelle: Statista), ein riesiger Markt, den sich Edeka, REWE & Co möglicherweise in Zukunft mit Amazon teilen müssen – nicht umsonst hat sich der Online-Gigant jüngst die Biosupermarktkette Whole Foods einverleibt.

Bei Anlegern kommen diese Aussichten gut an, die Amazon-Aktie schnupperte Ende November an der Marke von 1.200 US-$. Geht es nach Optimisten an der Wall Street, soll bei dieser Marke noch lange nicht Schluss sein.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands