Stop-Loss-Orders bei Optionen haben ein großes Risiko

Von der grundsätzlichen Überlegung her sind Stop-Loss-Orders sinnvoll. Wenn sie richtig funktionieren, können Sie damit Gewinne absichern oder Verluste begrenzen.

Stop-Loss-Order: So geht’s

Wenn Sie eine Stop-Loss-Order einsetzen, müssen Sie einen Stop-Kurs festlegen. Dieser liegt unterhalb der aktuellen Notierung des Wertpapiers.

Wenn dieser Kurs erreicht oder unterschritten wird, löst die Stop-Loss-Order den Verkauf der entsprechenden Papiere aus.

Danach werden die mit der Stop-Loss-Order abgesicherten Papiere automatisch zum danach bestmöglichen Kurs verkauft.

Die grundsätzlich richtige Überlegung: Sie sichern Buchgewinne ab oder Sie begrenzen Verluste.

Ein Zahlenbeispiel für eine Stop-Loss-Order

Sie haben eine Option an der deutschen Terminbörse Eurex gekauft – der Kaufpreis: 5 €, Ihr Gewinnziel: +100%. Die Option soll also zu 10 € verkauft werden.

Nach einiger Zeit notiert die Option mit 8 € – sie verbucht also +60% Gewinn. Diesen Buchgewinn von 60% wollen Sie absichern.

Hier greift die grundsätzliche Überlegung der Stop-Loss-Order.

Sie legen eine Stop-Loss-Order in den Markt. Das Stop-Loss-Limit setzen Sie z. B. auf 7 €. Nur dann, wenn zu diesem Kurs von 7 € oder niedriger ein Umsatz stattfindet, wird Ihre Verkaufs-Order ausgelöst.

Ihre Optionen werden danach zum dann bestmöglichen Kurs verkauft. Liegt der nächste Umsatz nach Auslösung des Stop-Loss z. B. wieder bei 7 €, werden Ihre Optionen verkauft.

Sie haben einen Gewinn von 40% (Kauf zu 5 €, Verkauf zu 7 €) realisiert; prima! – aber nur der Theorie…

Stop-Loss-Order bei Optionen hat 2 große Risiken

Ihr börslich gesetzter Stop-Loss lag bei 7 €. Ihre Order wird ausgeführt, sobald es zu 7 € Umsatz gegeben hat.

Das bedeutet: Ihre Verkaufs-Order steht mit dem Limit „bestens“ an der Eurex. Sie verkaufen also zu dem danach bestmöglich erreichbaren Kurs. Das beinhaltet 2 große Risiken:

  1. Risiko: Kurs der Option schwankt sehr stark

Optionen haben eine große Hebelwirkung. Das kann dazu führen, dass der Kurs der Option kurzfristig deutlich unter 7 €, beispielsweise auf 6,50 € oder auch auf 6 € fällt.

Findet dann bei 6,50 € oder sogar 6 € der nächste Umsatz nach Ihrem Stop-Loss statt, wird Ihre Option zu 6,50 € bzw. 6 € verkauft. Wenn Sie Pech haben, steigt der Kurs danach wieder bis auf 7 €.

Sie haben durch eine Stop-Loss-Order den „bestmöglichen“ Verkauf vorgenommen und viel zu billig verkauft; mögliche Gewinne haben Sie verpasst.

Noch schlimmer: Wenn der nächste Umsatz unter 5 € (das war der hier angenommene Kaufpreis) stattfindet, haben Sie sogar einen Verlust realisiert.

  1. Risiko: Wenig Umsatz in der Option

Obwohl die Anzahl der Optionen-Trader in Deutschland seit Jahren kontinuierlich und rasant zunimmt, gibt es an der Eurex weiterhin Optionen mit wenig Umsatz.

Deshalb kann es passieren, dass es in einzelnen Optionen kurzfristig keine Kaufnachfrage gibt. Wenn Sie ein zahlenmäßiges festes Verkaufs-Limit eingegeben haben, ist das kein Problem.

Wenn aber eine Verkaufs-Order nach einem Stopp-Loss als „bestens“ – also ohne festes Verkaufs-Limit – im Markt liegt, gibt es ein zusätzliches großes Risiko:

Stellen Sie sich vor, dass für diese Option noch ein „Abstauber-Limit“ im Markt liegt; ein Anleger versucht, diese Option für 3 € oder sogar für nur 2 € zu kaufen.

Dieser Kurs ist dann der bestmögliche Kurs, der für Ihren Verkaufs-Auftrag erzielbar ist. Ihre Option wird zu 3 € (oder 2 €) verkauft, obwohl sie rund 7 € wert ist.

Sie verbuchen einen Verlust, obwohl Sie einen Gewinn von 40% (Kauf zu 5 €, Stop-Loss bei 7 €) absichern wollten – unwahrscheinlich? – Ja! Unmöglich? – Nein!

Deshalb rate ich Ihnen bei Optionen von der Stop-Loss-Order ab

Aus den obigen Gründen rate ich beim Optionen-Handel von einer börslich platzierten Stop-Loss-Order ab.

Wenn Sie mit Stop-Loss arbeiten wollen, setzen Sie lieber ein gedankliches Stop-Loss und führen dieses ggf. auch konsequent aus!

Das ist ganz einfach: Wird im obigen Beispiel zum Kurs von 7 € gehandelt, ist Ihr gedanklicher Stop-Loss erreicht.

Sie geben dann sofort eine Verkaufs-Order mit dem Limit von 7 € oder auch 6,80 € an die Börse. Der Verkauf findet nicht „bestens“ statt, sondern nur zu dem von Ihnen angegebenen Limit.

Besser als Stop-Loss: Spätester Termin zur Positions-Schließung

Statt des Stop-Loss nutze ich bei meinen Empfehlungen den „spätesten Termin zur Positions-Schließung“.

Hat sich eine Option bis zu diesem Termin nicht wie gewünscht entwickelt, empfehle ich den Verkauf mit einem festen Limit.

Den „spätesten Termin zur Positions-Schließung“ lege ich immer sehr lange vor dem Verfallstag der Optionen fest.

Danach gibt es genügend Zeit, um mit einem angemessenen Limit zu verkaufen.


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22. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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