Wenn der Euro auf einen Dollar fällt: Das sind die Anlegerchancen

Eine Dollar-Euro-Parität ist seit 2015 im Gespräch, doch mit Trump rückt sie näher. Ob es eine Zeitenwende wird, ist nicht ausgemacht. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Seit über 14 Jahren haben wir uns daran gewöhnt, dass der Euro ein gutes Stück mehr wert ist als der amerikanische Dollar – im Schnitt kostete die Gemeinschaftswährung um die 1,25 US-$. Jetzt aber gehen viele Währungshändler von einer Dollar-Euro-Parität noch in diesem Jahr aus.

Die Vorstellung, dass beide Währungen gleich viel wert sind, ist ungewohnt und wirft Fragen nach den Folgen auf. Erst recht, weil nicht auszuschließen ist, dass der Euro sogar unter einen Dollar sinkt. Doch obwohl einiges für diese Entwicklung spricht, ist längst nicht ausgemacht, dass damit eine Zeitenwende eingeläutet wird.

Dollar-Euro-Parität zuletzt 2002

Die gab es zuletzt im Jahr 2002, als es hieß: „der Euro marschiert am Dollar vorbei.“ Zuvor war die junge Gemeinschaftswährung nach ihrem Start 1999 von anfänglich 1,07 US-$ rapide auf etwas über 85 US-Cent gefallen. 2001 wurde ein weiteres Absinken befürchtet, begleitet von noch höheren Kosten für Importe, Rohstoffe und Öl. Die Inflation lag schon knapp unter 3 %.

Doch dann kam die Wende. Bis 2008 stieg der Euro auf Höchstwerte knapp unter 1,6 US-$ und fiel im April 2014 innerhalb eines Jahres von 1,38 US-$ auf 1,05 US-$. Während es unter Obama gelang, die Folgen der Finanzkrise zu überwinden, kämpften die Europäer mit der Eurokrise.

Bis 2015 hatte die US-Notenbank mit massiven Anleihekäufen den Dollar niedrig gehalten und die Wirtschaft angekurbelt. Dann verkündete die Fed den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm sowie eine Anhebung der Zinsen. Während die EZB weiterhin auf die Politik des billigen Geldes setzte, zog der Dollar Investoren an und legte zu. Nach zwischenzeitlicher Erholung fiel der Euro nun erneut auf 1,05 US-$. So wie vor zwei Jahren, als auch schon von einer Dollar Euro-Parität gesprochen wurde.

Trump zieht Dollar hoch

Diesmal allerdings gesellt sich der Trump-Effekt hinzu. Mit seinen ambitionierten Plänen und seinem Druck, in den USA zu investieren, redet der Präsident den Dollar stark. Gleichzeitig stört ihn dessen Stärke, weil sie seine geplante Zusatzverschuldung in Höhe von ca. 1 Bio. US-$ verteuert. Und ihm ist der Euro zu schwach. Kommt es also eher doch nicht zur Parität?

Was den Euro derzeit hält, sind das Aufhellen in der Eurozone, der wachsende Druck auf Zinserhöhungen sowie der Leistungsbilanzüberschuss. Dies erzeugt eigentlich Aufwertungsdruck. Doch reicht das, den Run auf den Dollar auszugleichen?

Es reicht dann nicht, wenn die Schere weiter auseinander geht und die Fed, wie angekündigt, weitere Zinsschritte unternimmt. Es reicht auch nicht, wenn Trump mit protektionistischen Zöllen Europas Wirtschaft schwächt oder nationalistische Kräfte die Wahlen auf dem alten Kontinent gewinnen und den Euro untergraben.

Ob Trump jedoch seinen Protektionismus tatsächlich derart umsetzt, dass er nicht nur der Wirtschaft Europas, sondern automatisch seiner eigenen schadet, muss sich noch zeigen. Bremst er seine eigenen Konjunkturambitionen damit aus, wird dies auf absehbare Zeit den Dollar ohnehin schwächen.

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Parität zumindest vorübergehend

Was näher liegt, ist ein anderes Szenario: Sobald die Fed-Chefin Janet Yellen im Februar 2018 geht, hat er mehr Einfluss auf die Notenbank. Stimmt der Kongress zu, kann er zudem Kompetenzen von ihr abziehen. Damit hätte er freie Bahn, die Fed zum erneuten Anleiheankauf zu bewegen um die Zusatzverschuldung zu tragen. Der Druck dazu ist umso höher, als Gläubigerländer wie China oder Japan US-Staatspapiere im großen Stil abstoßen.

Vorausgesetzt, der ganze Trump-Hype kollabiert nicht schon vorher, wäre in dem Fall auf ein, zwei Jahre Sicht mit einer Parität zu rechnen. Zwischendurch könnte der Euro sogar darunter fallen. In der Folge würden Exporte aus dem Euroraum noch billiger, was die heimische Wirtschaft zusätzlich stimuliert. Importe hingegen werden teurer. Und damit auch Rohstoffe wie Öl, die auf Dollarbasis berechnet werden. Für Flugreisen gerade in die USA wird man ebenfalls mehr bezahlen.

Auf der anderen Seite lohnen sich für Anleger US-Investments. Wer rechtzeitig kauft, kann sich etwa bei Dividendenaktien auf Ausschüttungen freuen, die umgerechnet in Euro spürbar mehr bringen. Als Zinsanlagen werden US-Anleihen attraktiver. Dabei locken Kursgewinne, höhere Zinskupons und vor allem Wechselkursvorteile. Übrigens: Auch deutsche Unternehmen bieten Anleihen auf Dolllarbasis.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.