Aktien mit hohen Cash-Reserven: Der Schlüssel

Drei große Geldsäcke mit Dollarzeichen, umgeben von verstreuten Dollarscheinen.
Sebastian Kaulitzki - Fotolia
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An den Aktienmärkten suchen Anleger ständig nach Indikatoren, die auf die finanzielle Stabilität und das Wachstumspotenzial eines Unternehmens hinweisen. Ein oft unterschätzter, aber immens wichtiger Faktor ist die sogenannte Cash-Quote, die Aufschluss über die Bargeldreserven eines Konzerns gibt.

In unserem Beitrag zeigen wir Ihnen detailliert auf, was die Cash-Quote genau bedeutet, wie Unternehmen diese Vermögenswerte nutzen und welche Vorteile sich für Sie als Aktieninhaber ergeben.

Die wichtigsten Punkte zum Thema

  • Die Cash-Quote misst die Fähigkeit eines Unternehmens, kurzfristige Schulden sofort mit liquiden Mitteln anhand seines Vermögens zu begleichen.
  • Hohe Bargeldreserven und Rücklagen bieten Unternehmen strategische Flexibilität für Übernahmen und Aktienrückkäufe.
  • Für Anleger signalisiert eine hohe Cash-Quote finanzielle Stabilität und eine mögliche Dividendenerhöhung.
  • Eine Quote von über 20 bis 30 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten gilt in vielen Branchen bereits als sehr hoch und als Ziel vieler Firmen.
  • Deutsche Unternehmen wie BMW, Siemens und die Deutsche Telekom verfügen über Milliarden an Cash-Beständen, die ihre Aktien attraktiv machen.

Was bedeutet der Begriff Cash-Quote?

Die Cash-Quote, auch bekannt als Liquidität 1. Grades oder Bargeldquote, ist eine zentrale Kennzahl in der Bilanzanalyse. Sie misst das Verhältnis der sofort verfügbaren liquiden Mittel eines Unternehmens zu seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten. Zu diesen liquiden Mitteln zählen:

  • Kassenbestände
  • Bankguthaben
  • Schecks

Die Cash Quote gibt somit an, inwieweit ein Unternehmen seine kurzfristigen Schulden ohne den Verkauf von Vermögenswerten oder die Aufnahme neuer Kredite begleichen kann. Eine hohe Quote als Ziel signalisiert eine starke kurzfristige Zahlungsfähigkeit und hohe Reserven für unerwartete Ausgaben.

Wie verwenden Unternehmen eine hohe Bargeldquote?

Unternehmen mit einer hohen Cash-Quote verfügen über eine strategische Handlungsfreiheit, die sie von Konkurrenten unterscheidet. Diese Cash-Reserven werden oft auf unterschiedliche Art und Weise verwendet.

Strategische Übernahmen und Kauf von Wettbewerbern

Unternehmen mit hohen Cash-Beständen haben die Möglichkeit, schnell und flexibel auf dem Markt zu agieren. Sie können attraktive Wettbewerber oder ergänzende Geschäftsfelder durch einen direkten Kauf übernehmen, ohne auf langwierige und teure Fremdfinanzierungen angewiesen zu sein. Der sofortige Zugriff auf Cash ermöglicht es, Akquisitionen und einen Kauf zu attraktiven Konditionen abzuschließen und so das Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen.

Aktienrückkaufprogramme (Buybacks)

Ein weiterer häufiger Verwendungszweck für überschüssige Cash-Rücklagen ist der Rückkauf eigener Aktien vom Markt. Durch diese Maßnahme reduziert das Unternehmen die Anzahl der ausstehenden Anteile, was den Gewinn pro Aktie erhöht und somit den Aktienkurs positiv beeinflussen kann. Dies ist ein direktes Ziel der Wertsteigerung für die verbleibenden Aktieninhaber, da ihr Anteil am Unternehmen steigt, ohne dass sie selbst zusätzliche Aktien erwerben müssen.

Erhöhung der Dividenden und Sonderausschüttungen

Hohe Rücklagen ermöglichen es Unternehmen, ihre Aktionäre durch höhere oder stabilere Dividendenzahlungen zu belohnen. In Jahren mit besonders hohen Gewinnen können Sonderdividenden ausgeschüttet werden, die direkt aus den Cash-Beständen finanziert werden. Dies macht die Aktien für einkommensorientierte Anleger besonders attraktiv.

Investitionen in Forschung und Entwicklung

Die Cash-Polster dienen auch als interne Finanzierungsquelle für langfristige, risikoreiche Projekte wie F&E. Statt auf externe Geldgeber zu warten, können Unternehmen sofort in Innovationen investieren, um ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Diese Investitionen sind entscheidend, um technologisch führend zu bleiben und neue Märkte zu erschließen, ohne die Bilanz durch neue Schulden zu belasten.

Wann gilt die Cash-Quote als hoch?

Die Beurteilung, wann eine Cash-Quote als hoch gilt, ist von der Branche abhängig. Generell wird in der Bilanzanalyse ein Wert von 20 bis 30 Prozent als gesund angesehen. Werte, die deutlich über 50 Prozent liegen, werden oft als sehr hoch oder sogar als Überliquidität betrachtet. Das optimale Ziel ist hierbei ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Rentabilität.

Welche Vorteile hat eine hohe Cash-Quote für Unternehmen?

Eine hohe Cash-Quote ist für das Management ein Zeichen von Stärke und eröffnet zahlreiche strategische Vorteile, die weit über die reine Zahlungsfähigkeit hinausgehen.

Finanzielle Unabhängigkeit: Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern wie Banken oder dem Aktienmarkt. Diese Unabhängigkeit gibt dem Management die Möglichkeit, Entscheidungen schneller und ohne Druck von außen zu treffen, was die Reaktionsfähigkeit erhöht.

Krisenresistenz: Hohe Cash Rücklagen dienen als starker Puffer gegen unvorhergesehene Ereignisse oder einen plötzlichen Markteinbruch wie einen Crash. Dies sichert die Zahlungsfähigkeit und die Fortführung des Geschäftsbetriebs auch in schweren Zeiten und bei einem Crash an der Börse – zumindest in gewissem Umfang.

Günstige Einkaufspreise: Die Fähigkeit, große Käufe sofort in Cash zu bezahlen, ermöglicht es dem Unternehmen, bessere Konditionen und Rabatte bei Lieferanten auszuhandeln. Dies senkt die Betriebskosten und verbessert die Gewinnmargen, da Skonti genutzt werden können.

Stärkung der Kreditwürdigkeit: Eine hohe Cash-Quote verbessert die Bonität des Unternehmens bei Ratingagenturen und Banken. Dies führt zu besseren Konditionen bei der Aufnahme von Fremdkapital und senkt die Zinskosten.

Welche Vorteile hat eine hohe Cash-Quote für Anleger/Aktionäre?

Für Sie als Anleger sind Unternehmen mit hohen Cash-Beständen besonders interessant, da diese Reserven direkt oder indirekt den Wert Ihrer Aktien steigern können.

Höhere Dividendensicherheit: Die Cash-Reserven bieten die Möglichkeit, dass Dividendenzahlungen auch in Jahren mit schwächeren Gewinnen aufrechterhalten oder sogar erhöht werden können.

Potenzial für Aktienrückkäufe: Überschüssiges Bargeld wird oft für Aktienrückkaufprogramme verwendet, was die Nachfrage nach den Aktien erhöht und den Kurs stützt. Dies führt zu einer direkten Wertsteigerung für die bestehenden Aktionäre, da der Gewinn pro Aktie steigt.

Schutz vor Kapitalverwässerung: Da das Unternehmen Investitionen aus eigenen Cash-Beständen finanzieren kann, muss es seltener neue Aktien ausgeben. Dies schützt die Anteile der bestehenden Aktionäre vor einer Verwässerung, die durch Kapitalerhöhungen entstehen würde.

Stabilität im Crash-Fall: In Zeiten eines Börsen-Crashs oder einer Rezession bieten Unternehmen mit hohen Cash-Beständen eine höhere Sicherheit. Ihr Vermögenspolster wirkt als Stabilisator und kann Kursverluste abfedern, da die Liquidität des Unternehmens gesichert ist.

Welche Firmen haben sehr hohe Cash-Bestände?

Die Identifizierung von Aktien mit einer im Verhältnis sehr hohen Cash-Quote erfordert eine genaue Bilanzanalyse, da absolute Cash-Bestände irreführend sein können. Die folgenden deutschen Unternehmen zeichnen sich jedoch durch signifikante Cash-Rücklagen aus, die ihnen strategische Möglichkeiten eröffnen und als Puffer gegen einen Crash dienen.

Bayerische Motoren Werke AG (BMW)

BMW, ein führender Automobilhersteller aus München, hält traditionell hohe Cash-Reserven und Bargeld-Äquivalente in Milliardenhöhe. Diese Rücklagen sind ein Ziel der finanziellen Stabilität in der kapitalintensiven Autoindustrie, die durch den Wandel zur E-Mobilität hohe Investitionen erfordert. Die Cash-Quote liegt oft im Bereich von 20 bis 30 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten, was die Aktien als krisenfest positioniert. Das Unternehmen nutzt diese Cash-Vermögenswerte für Investitionen in neue Technologien und zur Finanzierung von Aktienrückkäufen.

Siemens AG

Als globaler Technologiekonzern und Hersteller von Industrieanlagen mit Sitz in München verfügt Siemens über beträchtliche Cash-Bestände, die regelmäßig im zweistelligen Milliardenbereich liegen. Die Cash-Polster ermöglichen strategische Akquisitionen, insbesondere im Bereich der digitalen Transformation, und die Finanzierung von Forschung und Entwicklung. Die Cash-Quote ist im Vergleich zu vielen Industrieunternehmen überdurchschnittlich hoch, was die Aktien für sicherheitsorientierte Anleger attraktiv macht.

Deutsche Telekom AG

Die Deutsche Telekom generiert konstant hohe Cash-Flows. Diese Cash-Mittel sind notwendig, um die hohen Investitionen in den Netzausbau (5G und Glasfaser) zu finanzieren, die das Kerngeschäft darstellen. Trotz der hohen Investitionen hält der Konzern signifikante Cash-Reserven, die die Aktien stützen und die Dividendenpolitik absichern.

Mercedes-Benz Group AG

Der Premium-Automobilhersteller Mercedes-Benz mit Sitz in Stuttgart weist ebenfalls eine starke Cash-Position auf, die oft über 20 Milliarden Euro liegt. Diese Cash-Rücklagen sind entscheidend für die Transformation hin zur Elektromobilität und Digitalisierung, die enorme finanzielle Mittel bindet. Die Cash-Quote signalisiert eine hohe finanzielle Schlagkraft und die Fähigkeit, den Wandel aus eigener Kraft zu stemmen.

Deutsche Börse AG

Als Betreiber von Handelsplätzen und Anbieter von Marktdaten hält die Deutsche Börse AG in Frankfurt am Main hohe Cash-Bestände, die sowohl regulatorischen Anforderungen als auch strategischen Zwecken dienen. Dies ist typisch für Finanzdienstleister und dient der Einhaltung strenger Liquiditätsvorschriften sowie der Finanzierung von Technologie-Upgrades. Die Cash-Quote ist ein wichtiger Indikator für die Stabilität der Aktien in einem regulierten Umfeld. Die Cash-Vermögenswerte ermöglichen strategische Kaufe im Fintech-Bereich und die Expansion in neue Märkte.