Pricing Power Aktien: Fundament eines Depots

Digitale Anzeige von Aktienkursen mit grünen und roten Zahlen. Liniengrafiken zeigen Kursverläufe.
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Inhaltsverzeichnis

In einer Welt, die von ständigen wirtschaftlichen Schwankungen, Inflation und intensivem Wettbewerb geprägt ist, suchen Anleger nach stabilen Ankern für ihr Portfolio. Ein solches Fundament bilden Aktien von Unternehmen, die über eine starke Preissetzungsmacht verfügen.

In unserem Beitrag beleuchten wir detailliert, was Preissetzungsmacht genau bedeutet, wie man sie misst, welche Vorteile sie bietet und welche konkreten Aktien als Paradebeispiele gelten. Zudem geben wir Ihnen praktische Tipps, wie Sie als Anleger von dieser Power profitieren können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Preissetzungsmacht beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, Preise zu erhöhen, ohne dass die Nachfrage signifikant einbricht.
  • Sie ist ein Indikator für die Stärke des Geschäftsmodells und einen tiefen ökonomischen Burggraben.
  • Unternehmen mit dieser Macht können höhere Margen erzielen und sind widerstandsfähiger gegen Inflation und Kostensteigerungen.
  • Die Messung erfolgt primär über die Analyse von Bruttomargen und deren Stabilität über verschiedene Wirtschaftszyklen hinweg.
  • Für Anleger bieten diese Aktien eine attraktive Kombination aus Stabilität, Wachstum und geringerem Risiko.

Was versteht man unter einer starken Preissetzungsmacht?

Eine starke Preissetzungsmacht – im Englischen als „Pricing Power“ bezeichnet – ist die ökonomische Fähigkeit eines Unternehmens, die Preise für seine Produkte oder Dienstleistungen anzuheben, ohne dabei einen signifikanten Rückgang der Nachfrage oder des Absatzvolumens hinnehmen zu müssen. Im Kern bedeutet dies, dass das Unternehmen nicht als reiner Preisnehmer agiert, sondern als Preisgestalter. Diese Macht resultiert in der Regel aus einem starken Wettbewerbsvorteil, der es dem Unternehmen ermöglicht, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Der Wettbewerbsvorteil kann verschiedene Formen annehmen. Häufig ist er auf einen tiefen Burggraben zurückzuführen, ein Konzept, das der berühmte Investor Warren Buffett populär gemacht hat. Ein solcher Burggraben schützt das Unternehmen vor Konkurrenten und kann durch immaterielle Vermögenswerte wie…

  • Starke Marken
  • Patente
  • Hohe Wechselkosten

…für Kunden, Netzwerkeffekte oder eine überlegene Kostenstruktur entstehen. Wenn ein Kunde beispielsweise ein Produkt oder eine Dienstleistung als unverzichtbar oder einzigartig wahrnimmt, ist er bereit, auch höhere Preise zu akzeptieren.

Wie misst man die Preissetzungsmacht?

Die Preissetzungsmacht eines Unternehmens können Sie nicht direkt an einer einzelnen Finanzkennzahl ablesen, sondern sie ergibt sich aus der Analyse mehrerer Indikatoren, welche die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells widerspiegeln.

Der wichtigste Messwert ist die Bruttomarge. Die Bruttomarge (Umsatz minus Herstellungskosten) zeigt, wie viel Gewinn ein Unternehmen nach Abzug der direkten Kosten erzielt. Ein Unternehmen mit hoher Preismacht kann gestiegene Rohstoff- oder Produktionskosten direkt an die Kunden weitergeben, wodurch die Bruttomarge stabil bleibt oder sogar steigt.

Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Stabilität der Margen über verschiedene Wirtschaftszyklen hinweg. Während eines wirtschaftlichen Abschwungs oder in Zeiten hoher Inflation geraten Unternehmen ohne Preissetzungsmacht schnell unter Druck, ihre Preise zu senken oder die Kostensteigerungen selbst zu tragen, was die Margen erodieren lässt. Unternehmen mit starker Preismacht hingegen können ihre Margen besser verteidigen.

Analysten untersuchen auch die Preiselastizität der Nachfrage für die Produkte des Unternehmens. Eine geringe Preiselastizität bedeutet, dass eine Preissteigerung nur zu einem geringen Rückgang der Nachfrage führt: ein klares Zeichen für starke Preismacht.

Was sind die Vorteile dieser Unternehmen?

Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht bieten Anlegern eine Reihe von entscheidenden Vorteilen, die sie zu besonders attraktiven Langzeitinvestitionen machen. Dazu gehören unter anderem die folgenden Vorzüge:

Überlegene Margen und Rentabilität

Der offensichtlichste Vorteil ist die Fähigkeit, höhere und stabilere Gewinnmargen zu erzielen. Da das Unternehmen Kostensteigerungen an die Kunden weitergeben kann, ohne den Absatz zu gefährden, bleiben die Brutto- und Betriebsmargen geschützt. Dies führt zu einer überdurchschnittlichen Rentabilität im Vergleich zu Wettbewerbern. Die höheren Gewinne können wiederum in Forschung und Entwicklung investiert oder an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Inflationsschutz und Krisenresistenz

In Zeiten steigender Inflation sind diese Unternehmen besonders wertvoll. Sie können die steigenden Kosten für Rohstoffe, Löhne oder Energie durch Preisanpassungen abfedern. Während andere Unternehmen unter schrumpfenden Gewinnen leiden, fungieren Firmen mit Preismacht als natürlicher Inflationsschutz für das Portfolio.

Stärkere Bilanz und geringere Verschuldung

Die konstanten und hohen Cashflows, die aus der Preismacht resultieren, ermöglichen es diesen Unternehmen, ihre Geschäfte weitgehend aus eigener Kraft zu finanzieren. Sie sind weniger auf externe Kapitalquellen angewiesen, was zu einer geringeren Verschuldung und einer robusteren Bilanz führt. Eine starke Bilanz bietet dem Unternehmen strategische Flexibilität, beispielsweise für Akquisitionen oder die Überbrückung schwieriger Marktphasen.

Kontinuierliches Wachstum und Innovation

Die überlegene Rentabilität schafft einen finanziellen Puffer, der in die Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen investiert werden kann. Insbesondere in der Technologie-Branche ist dies entscheidend. Das Unternehmen kann seine Marktposition durch kontinuierliche Innovation und die Verbesserung seines Angebots weiter festigen. Dieser Kreislauf aus Preismacht, hohen Gewinnen und Reinvestition stärkt den Burggraben und sichert langfristiges Wachstum.

Welche Beispiele gibt es bei Aktien?

Die Identifizierung von Aktien mit starker Preissetzungsmacht erfordert eine genaue Analyse des jeweiligen Unternehmens und seiner Branche. Wir nennen fünf Beispiele aus Deutschland, Europa und den USA, die diese Power eindrucksvoll demonstrieren:

Rational AG

Die Rational AG ist ein deutsches Unternehmen aus der Branche der Großküchentechnik. Das Kerngeschäft ist die Herstellung von Kombidämpfern und VarioCookingCentern. Rational hält einen weltweiten Marktanteil von über 50 Prozent in seinem Segment. Die starke Preissetzungsmacht resultiert aus der überlegenen Technologie, der hohen Produktqualität und der Unverzichtbarkeit der Geräte für professionelle Köche, die eine hohe Effizienz und Zuverlässigkeit schätzen.

LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton

LVMH ist ein französisches Unternehmen und der weltweit größte Luxusgüterkonzern. Die Branche ist das Luxussegment mit Marken wie Louis Vuitton, Dior und Moët & Chandon. Die Geschäftstätigkeit umfasst Mode, Lederwaren, Parfüm, Kosmetik und Uhren. Die Preissetzungsmacht ist extrem hoch, da die Produkte Statussymbole sind und die Nachfrage durch die Exklusivität und den Markenwert, nicht durch den Preis, bestimmt wird.

Nestlé S.A.

Nestlé ist ein Schweizer Unternehmen aus der Branche der Konsumgüter und Lebensmittel. Das Unternehmen bietet eine breite Palette von Produkten an, von Babynahrung über Kaffee (Nespresso) bis hin zu Wasser. Die Preissetzungsmacht beruht auf dem Besitz zahlreicher starker, weltweit bekannter Marken, die eine hohe Kundenloyalität genießen. Konsumenten greifen auch bei Preiserhöhungen weiterhin zu den vertrauten Marken.

Alphabet Inc.

Alphabet, das Mutterunternehmen von Google, dominiert die Branche der Internetsuche und Online-Werbung. Die Geschäftstätigkeit umfasst Suchmaschinen, Cloud Dienstleistungen und Technologie-Entwicklung. Die Preissetzungsmacht ist enorm, da Google in vielen Bereichen ein Quasi-Monopol besitzt. Werbetreibende haben kaum eine Alternative zur Google-Plattform, um Milliarden von Nutzern zu erreichen, was hohe Werbepreise ermöglicht.

S&P Global Inc.

S&P Global ist ein US-amerikanisches Unternehmen aus der Branche der Finanzdienstleistungen und Datenanalyse. Das Kerngeschäft sind Kreditratings, Finanzinformationen und die Bereitstellung von Indizes (z.B. S&P 500). Die Preissetzungsmacht ist durch einen tiefen Burggraben gesichert, da die Ratings und Indizes als Industriestandards etabliert sind und für Finanzmärkte unverzichtbar sind.

Wie kann man da als Anleger profitieren?

Als Anleger können Sie gezielt von der Power dieser Unternehmen profitieren, indem Sie eine langfristige und qualitätsorientierte Anlagestrategie verfolgen und einige Tipps kennen.

Tipp 1 – Fokus auf Qualitätsindikatoren legen: Sie sollten Unternehmen identifizieren, die konstant hohe und stabile Bruttomargen aufweisen, da dies der primäre Indikator für starke Preismacht ist.

Tipp 2 – Den ökonomischen Burggraben bewerten: Analysieren Sie, welche Art von Burggraben das Unternehmen schützt, sei es eine dominante Technologie, eine unschlagbare Marke oder hohe Wechselkosten für Kunden. Ein breiter und tiefer Burggraben ist der beste Garant für langfristige Preissetzungsmacht.

Tipp 3 – Langfristig investieren und halten: Da die Preissetzungsmacht ein langfristiges Qualitätsmerkmal ist, sollten Sie diese Aktien idealerweise über viele Jahre halten, um vom Zinseszinseffekt und der kontinuierlichen Margenstärke zu profitieren.

Tipp 4 – Diversifikation über verschiedene Branchen: Obwohl diese Unternehmen robust sind, sollten Sie Ihr Kapital nicht nur auf eine Branche konzentrieren, sondern Unternehmen mit Preismacht aus verschiedenen Sektoren wie Konsumgüter, Technologie und Dienstleistungen auswählen.

Tipp 5 – Die Bewertung kritisch prüfen: Auch die besten Unternehmen können überteuert sein, daher sollten Sie die Bewertung der Aktie kritisch prüfen und nicht blindlings kaufen. Selbst ein Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht bietet nur dann eine attraktive Rendite, wenn der Kaufpreis vernünftig ist.