Vermögen aufbauen mit der langfristigen Dividendenstrategie
Mit einer langfristigen Dividendenstrategie nutzen Sie die Kraft stetiger Ausschüttungen, um Schritt für Schritt ein wachsendes Einkommen aus Ihrem Vermögen aufzubauen. Sie investieren dabei gezielt in jede Aktie solide zahlender Unternehmen oder in einen ETF, der breit gestreut ist und zuverlässige Dividendenzahler bündelt.
In unserem Beitrag zeigen wir Ihnen, was eine Dividendenstrategie ausmacht, wie sie konkret funktioniert, wie Dividenden besteuert werden, wir geben Ihnen ein Rechenbeispiel und führen auf, welche Vor- und Nachteile Sie kennen sollten.
Was genau verbirgt sich hinter der Dividendenstrategie?
Die Dividendenstrategie bezeichnet einen langfristigen Ansatz, bei dem Sie als Anleger in mehrere Dividendenaktien von Unternehmen investieren, die regelmäßig einen Teil ihres Gewinns als Dividende ausschütten. Ziel ist es, ein stetiges Einkommen aus diesen Ausschüttungen zu erzielen und gleichzeitig von möglichem Kurswachstum und Dividendenwachstum zu profitieren.
Im Gegensatz zu einer rein wachstumsorientierten Strategie stehen hier planbare Ausschüttung und solide Dividendenrendite im Mittelpunkt. Das wird häufig ergänzt durch ausschüttende ETF, die viele Dividendenzahler in einem Portfolio bündeln
Wie funktioniert die langfristige Dividendenstrategie
Es ist wichtig, dass Sie die Funktionsweise einer langfristigen Dividendenstrategie kennen, um diese korrekt umzusetzen.
Schritt 1: Anlageziel und Rolle der Dividende definieren
Am Anfang steht die Frage, welches Einkommen Sie langfristig aus Ihrer Dividende erzielen möchten und wie groß Ihr Portfolio dafür ungefähr sein muss. Überlegen Sie, ob die Ausschüttung später Ihren Lebensunterhalt teilweise ergänzen oder vollständig ersetzen soll und wie viel Risiko Sie mit jeder Aktie eingehen wollen. Auf dieser Basis entscheiden Sie, ob Sie vor allem auf stabile Dividendenzahler, wachstumsstarke Dividendenaktien oder eine Mischung aus Einzelwerten und ETF setzen.
Schritt 2: Auswahl geeigneter Unternehmen, Dividendenaktien und ETF
Im zweiten Schritt wählen Sie Unternehmen aus, die seit Jahren eine zuverlässige Dividende zahlen und idealerweise ein stetiges Dividendenwachstum zeigen. Wichtige Kriterien sind:
- Solide Bilanz
- Stabiles Geschäftsmodell
- Nachhaltige Ausschüttungspolitik
- Angemessene Dividendenrendite
Viele Anleger kombinieren Einzeltitel mit einem ausschüttenden ETF, der automatisch in zahlreiche Dividendenzahler investiert und so das Risiko innerhalb des Portfolios reduziert.
Schritt 3: Aufbau eines diversifizierten Portfolios im Depot
Nun bauen Sie Ihr Depot Schritt für Schritt auf, indem Sie mehrere Branchen, Regionen und Geschäftsmodelle über unterschiedliche Aktien und geeignete ETF abdecken. So verteilen Sie Ihr Kapital auf mehrere Dividendenaktien und vermeiden, dass eine einzelne Ausschüttung oder ein Unternehmen über Ihr gesamtes Einkommen entscheidet. Eine sinnvolle Diversifikation sorgt dafür, dass Ihr Einkommen aus Dividende auch dann stabil bleibt, wenn einzelne Dividendenzahler einmal ihre Ausschüttung kürzen oder aussetzen.
Schritt 4: Laufende Ausschüttung und Reinvestition (Zinseszins)
Sobald Ihr Portfolio steht, erhalten Sie in der Regel quartalsweise oder jährlich eine Ausschüttung je Aktie oder ETF-Anteil, die Ihrem Verrechnungskonto im Depot gutgeschrieben wird. Statt die Dividende direkt als Einkommen zu „verbrauchen“, nutzen langfristig orientierte Anleger die Ausschüttung, um zusätzliche Anteile derselben oder anderer Dividendenaktien zu kaufen. Dadurch wächst die Zahl der Anteile im Portfolio, was wiederum zu höheren Ausschüttungen in den Folgejahren führt. Das ist der klassische Zinseszinseffekt, der das Dividendenwachstum über viele Jahre beschleunigt.
Schritt 5: Regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Strategie
Auch eine langfristige Strategie braucht Kontrolle: Prüfen Sie regelmäßig, ob Unternehmen ihre Dividende stabil halten, die Dividendenrendite noch angemessen ist und ob Ihre Aktie bzw. der ETF weiterhin zur persönlichen Zielsetzung passt. Kürzt ein Unternehmen die Ausschüttung dauerhaft oder verschlechtert sich die Geschäftslage deutlich, kann ein schrittweiser Austausch gegen stabilere Dividendenaktien sinnvoll sein.
Beispiel für das Umsetzen der Dividendenstrategie
Angenommen, Sie investieren insgesamt 20.000 Euro in fünf verschiedene Dividendenaktien, die jeweils im Depot gehalten werden:
- Aktie A: 50 Stück à 40 Euro = 2.000 Euro, Dividende je Aktie 2 Euro
- Aktie B: 40 Stück à 50 Euro = 2.000 Euro, Dividende je Aktie 3 Euro
- Aktie C: 30 Stück à 60 Euro = 1.800 Euro, Dividende je Aktie 4 Euro
- Aktie D: 25 Stück à 80 Euro = 2.000 Euro, Dividende je Aktie 5 Euro
- Aktie E: 55 Stück à 40 Euro = 2.200 Euro, Dividende je Aktie 2,50 Euro
Das restliche Kapital von 10.000 Euro verteilen Sie lassen Sie in einem breit gestreuten, ausschüttenden ETF arbeiten. Die jährliche Ausschüttung aus den fünf genannten Positionen beträgt in Summe:
- Aktie A: 50 × 2 Euro = 100 Euro
- Aktie B: 40 × 3 Euro = 120 Euro
- Aktie C: 30 × 4 Euro = 120 Euro
- Aktie D: 25 × 5 Euro = 125 Euro
- Aktie E: 55 × 2,50 Euro = 137,50 Euro
Sie erhalten somit allein aus diesen fünf Dividendenaktien eine jährliche Dividende von 602,50 Euro, die je nach Steuerlast teilweise als verfügbares Einkommen dienen oder komplett reinvestiert werden kann. Unterstellen wir, dass alle Ausschüttungen ohne Steuerabzug zu einem konstanten durchschnittlichen Preis wieder in die gleichen Werte investiert werden, steigt die Anzahl der gehaltenen Anteile jedes Jahr etwas an.
Nach zehn Jahren ergibt sich so – ohne Kursveränderungen der Aktie und ohne Dividendenwachstum – eine kumulierte Ausschüttung von 6.025 Euro, die in zusätzliche Anteile investiert wurde, sodass Ihr Gesamtvermögen etwa 26.025 Euro beträgt, bevor Kursbewegungen und Steuern berücksichtigt werden.
Was sind Vor- und Nachteile der Dividendenstrategie?
Die Dividendenstrategie hat neben einigen Vorteilen auch wenige Nachteile. Die wichtigsten Vorzüge sind:
Planbares Einkommen: Regelmäßige Ausschüttungen sorgen für ein gut kalkulierbares Einkommen, das besonders in späteren Lebensphasen geschätzt wird. Wenn Sie Ihr Portfolio passend strukturieren, können Sie Teile der Dividende als laufende Einnahme nutzen und den Rest weiter in Dividendenaktien oder ETF investieren.
Zinseszinseffekt durch Reinvestition: Wenn Sie Ihre Dividende konsequent reinvestieren, steigt die Anzahl Ihrer Anteile stetig und Ihr passives Einkommen wächst deutlich schneller. Dieser Effekt macht sich vor allem über Jahrzehnte bemerkbar und ist ein zentrales Argument für eine langfristige Dividendenstrategie.
Solide Unternehmen im Fokus: Dividendenzahler sind häufig etablierte Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, die regelmäßig Gewinne erwirtschaften. Dadurch kann das Risiko im Vergleich zu rein wachstumsorientierten Titeln sinken, wobei jede Aktie dennoch sorgfältig analysiert werden sollte.
Psychologischer Vorteil in schwankenden Märkten: Auch in volatilen Phasen erhalten Sie Ausschüttung, was das Durchhalten der Strategie erleichtert und emotionale Fehlentscheidungen reduziert. Viele Anleger empfinden die laufende Dividende als psychologischen Puffer gegenüber kurzfristigen Kursschwankungen.
Einfache Umsetzung mit ETF: Über einen ausschüttenden ETF können Sie schon mit kleinen Beträgen breit gestreut in viele Dividendenzahler investieren und Ihr Portfolio automatisch diversifizieren. Damit ist die Dividendenstrategie auch für weniger erfahrene Anleger geeignet, die nicht jede einzelne Aktie selbst auswählen möchten.
Nachteile der langfristigen Dividendenstrategie können demgegenüber folgende sein:
Steuerliche Belastung mindert den Zinseszinseffekt: Auf jede Dividende fällt in der Regel sofort Steuer an, was den Wiederanlagebetrag reduziert und den Zinseszinseffekt abschwächt. Im Vergleich zu thesaurierenden Fonds oder ETF, bei denen Erträge intern wieder angelegt werden, kann das langfristige Wachstum dadurch geringer ausfallen.
Fokus auf Dividendenrendite kann in Fallen führen: Eine hohe Dividendenrendite wirkt attraktiv, kann aber auf Probleme im Unternehmen hindeuten, etwa einen stark gefallenen Kurs oder eine nicht nachhaltige Ausschüttung. Wer nur nach Rendite filtert und die Qualität der Aktie ignoriert, riskiert Dividendenkürzungen und Kursverluste.
Begrenztes Kurspotenzial einzelner Dividendenzahler: Manche Unternehmen mit hoher Dividende wachsen beim Kurs weniger dynamisch als wachstumsstarke, aber nicht ausschüttende Titel. Dadurch kann ein auf Dividende fokussiertes Depot langfristig eine geringere Gesamtperformance erzielen als ein reines Wachstumsportfolio, trotz stabiler Ausschüttung.