Short Squeeze: Definition und Praxisbeispiele einer Ausnahmesituation an der Börse

Short Squeez

Starke Kursbewegungen können vielerlei Ursachen haben. Eine mögliche Erklärung liefert der Short Squeeze. (Foto: MQ-Illustrations - Adobe Stock)

Manchmal schwankt die Börse sehr stark und fast jeder Privatanleger war schon einmal positiv und negativ von den kurzfristigen Ausbrüchen betroffen. Das macht die Börse spannend. Dabei ist gerade für Kleinanleger nicht immer sofort erkennbar, warum es zu den Schwankungen kommen konnte. Eine mögliche Erklärung dafür kann der sogenannte Short Squeeze („to squeeze“ ist englisch für auspressen) sein, der als Konsequenz aus Leerverkäufen entstehen kann.

Leerverkauf als Ausgangssituation für einen Short Squeeze

Aktien können verkauft werden, obwohl der jeweilige Händler diese gar nicht besitzt. Das Zauberwort dafür lautet Leerverkauf. Durch einen Leerverkauf haben Händler die Möglichkeit, die Aktie jetzt zu verkaufen und zu einem späteren Zeitpunkt und dem dann gültigen Kurs nachzukaufen.

Diese Leerverkäufe sind vorwiegend institutionellen Händlern wie Banken vorbehalten und dienen zur Spekulation auf fallende Kurse. Sie verkaufen den Wert zum aktuell hohen Kurs und spekulieren darauf, den Wert zu einem späteren Zeitpunkt günstig nachzukaufen. Als privater (und risikofreudiger) Anleger ermöglichen diverse Zertifikate eine solche Spekulation auf fallende Kurse.

Definition: Was ist ein Short Squeeze?

Ein Short Squeeze bezeichnet eine Marktsituation, bei dem Händler ihre zuvor getätigten Leerverkäufe mit neuen Käufen der Aktie „decken“. Dies ist dann sinnvoll, wenn Händler auf sinkende Kurse gesetzt haben, der Titel aber steigt. Die deckenden Käufe dienen dazu, den Verlust zu begrenzen und treiben den Kurs des jeweiligen Titels dabei stark nach oben.

Hierbei entsteht unter Umständen eine Kettenreaktion. Durch den plötzlichen Kursanstieg sehen sich weitere Händler, die auf fallende Kurse spekuliert haben, dazu gezwungen, ihre Verluste zu begrenzen und kaufen ebenfalls Aktien.

Je mehr Händler „short“ spekuliert haben – also auf sinkende Kurse setzen – umso größer fällt der Kurssprung im Folgenden aus. Gerade wenn der am Markt verfügbare Anteil an Aktien geringer als die nachgefragte Menge ausfällt, kommt es zu starken Bewegungen. Somit werden die sogenannten „Shorties“ finanziell ausgepresst (to squeeze).

Zwei prominente Beispiele für einen Short Squeeze betrafen die VW-Aktie und erst Anfang 2021 die GameStop-Aktie.

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© MQ-Illustrations - Adobe Stock

GameStop-Aktie 2021: Reddit-Trader verursachen Short Squeeze

Ende 2020 wurde die GameStop-Aktie stark leerverkauft und war zum niedrigen Preis auf dem Markt erhältlich. Anfang 2021 kam es jedoch zu einem starken Kursanstieg der Aktie von GameStop. Der Aktienpreis stieg von 20 US-Dollar auf zwischenzeitlich 480 US-Dollar, wodurch die Marktkapitalisierung der US-amerikanischen Einzelhandelskette auf über 20 Milliarden US-Dollar anstieg.

Der Kursanstieg wurde von zahlreichen Kleinanlegern der Reddit-Community r/wallstreetbets ausgelöst, die sich zum Kauf der GameStop-Aktie entschieden und so durch einen Short Squeeze gegen größere Hedgefonds vorgingen. Diese hatten zuvor mit Leeverkäufen auf die GameStop-Aktie gesetzt und verloren dadurch Milliarden US-Dollar.

Reddit-Trader als Vorbild: Spekulanten wetten auf weiteren Short Squeeze 2021

Was einmal funktioniert hat, funktioniert auch nochmal: Aktuell wetten an der Wallstreet nach dem Short Squeeze der GameStop-Aktie Anfang 2021 zahlreiche Spekulanten und Privatanleger auf einen weiteren Short Squeeze bestimmter Aktien. Sie könnten den von Reddit-Tradern erschaffenen Trend kopieren und eine erneute Ausnahmesituation an der Börse verursachen.

Drastischer Short Squeeze der VW-Aktie 2008

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Ein drastischer Short Squeeze aus der Vergangenheit bleibt besonders im Gedächtnis: der Short Squeeze der VW-Aktie (WKN: 766400) im Oktober 2008. Mehrere Investoren hatten damit gerechnet, dass sich der Kurs von VW in nächster Zeit eher nach unten bewegt und gingen in hohem Maße short. Kurz darauf war VW das nach Marktkapitalisierung teuerste Unternehmen der Welt (zum Vergleich: in 2013 lag VW auf Platz 60), die Aktie erreichte kurzfristig einen Höchstkurs von etwa 1.005 €.

Porsche hatte am 26. Oktober mitgeteilt, seinen Anteil am VW-Konzern von 35% auf 42,6% zu erhöhen und weitere Anteile über Optionen gesichert zu haben. Das Land Niedersachsen war ebenfalls als Hauptanteilseigner mit 20% im Besitz der Aktien, weshalb nur noch wenige Papiere am freien Markt gehandelt wurden. Die „Shorties“ hatten sich aber 12% der Anteile geliehen und waren durch den Kursanstieg nach der Porschemeldung gezwungen, nun ihre Verluste zu verringern. Die Folge war der rasanter Kursanstieg von rund 200 € auf über 1.000 € pro Aktie. An diesem Tag war die Bewertung des Unternehmens surreal.

Fazit Short Squeeze: Leerverkäufe nur für spekulative Anleger interessant

Diese Entwicklungen verdeutlichen einmal mehr die Gefahr von Leerverkäufen und die Macht von Spekulanten. Besonders für Privatanleger sind Leerverkäufe nur bei viel Erfahrung und großem Fachwissen zu empfehlen. Privatanleger haben keine Möglichkeit, einen Short Squeeze zu verhindern oder auf diesen Einfluss zu nehmen. In diesem Fall heißt es am besten abwarten und die Papiere halten.

Porsche 918 RED – shutterstock_752594101 Christopher Lyzcen

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Von: Christian Klein. Über den Autor

Christian Klein hat durch eine Ausbildung in der Finanzbranche und ein anschließendes Studium mit Schwerpunkt BWL weitreichende Erfahrungen im Wertpapierhandel sammeln können. Aus persönlichem Interesse setzt er sich weiterhin mit Finanzpolitischen Themen sowie detaillierten Analysen auseinander. Als privater Anleger mit mehr als zehn Jahren Erfahrung befasst er sich mit technischer Analyse und deren Zusammenhang im täglichen Marktgeschehen.

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