Überweisung nach Australien – so funktioniert der Geldtransfer
Das australische Bankensystem gilt als eines der stabilsten weltweit. Angeführt wird der Markt von den „Big Four“: Commonwealth Bank of Australia (CBA), Westpac Banking Corporation, Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) und National Australia Bank (NAB). Dank moderner Fintech-Schnittstellen ist ein Geldtransfer von Deutschland nach Australien heute so einfach wie nie zuvor – sofern man die richtigen Anbieter wählt und die Besonderheiten des australischen Clearingsystems kennt.
Work and Travel: Finanzielle Planung für den Langzeitaufenthalt
Ein praxisnahes Beispiel: Alexandra beschließt nach dem Abitur, für ein Jahr nach Australien zu reisen. Ob als „Work and Traveller“ oder im klassischen Auslandsjahr – die Flora und Fauna sowie die pulsierenden Metropolen wie Sydney und Melbourne reizen sie sehr. Da sie nicht nur die Großstädte sehen möchte, sondern auch das Outback erkunden will, muss ihre finanzielle Versorgung flexibel und robust sein.
Neben einer Basis-Reisekasse in Bargeld setzt Alexandra primär auf digitale Zahlungsmittel. Statt veralteter Reiseschecks, die im Jahr 2026 faktisch keine Akzeptanz mehr finden, führt sie eine Kombination aus einer Visa-Debitkarte und einer klassischen Kreditkarte als Backup mit sich. Ihre alte Girocard lässt sie zu Hause, da diese in Australien oft nicht erkannt wird. Doch trotz guter Planung neigt sich das Budget durch ungeplante Ausgaben für Van-Reparaturen der „schwarzen Null“ zu – sie bittet ihre Eltern um Unterstützung.
Lokale Konten: Warum ein Konto vor Ort sinnvoll ist
Alexandra hat bei ihrer Ankunft in Sydney ein Konto bei der Commonwealth Bank eröffnet. Dies ist besonders für Work and Traveller essenziell, da australische Arbeitgeber Löhne fast ausschließlich auf lokale Konten auszahlen. Zudem fallen bei Zahlungen mit einer australischen Karte im Alltag keine Fremdwährungsgebühren an, was bei einem Aufenthalt von mehreren Monaten eine erhebliche Ersparnis bedeutet.
Ein entscheidender Faktor für die Kontoführung ist die Beantragung einer Tax File Number (TFN). Ohne diese australische Steuernummer ist die Bank gesetzlich verpflichtet, auf sämtliche Zinserträge den Höchststeuersatz von 47 % (Spitzensteuersatz inkl. Medicare-Abgabe) einzubehalten. Wer also plant, einen Teil seines Budgets auf einem verzinsten Sparkonto (Savings Account) zu parken, sollte die TFN umgehend nach Erhalt im Online-Banking hinterlegen, um diese hohe Quellensteuer zu vermeiden.
Für die Überweisung von Deutschland nach Australien stehen Alexandras Vater heute zwei Welten offen: Die klassische Hausbank und spezialisierte Geldtransfer-Dienstleister. Während Banken oft noch mit Gebühren zwischen 20 € und 50 € sowie versteckten Aufschlägen auf den Wechselkurs (Spreads) arbeiten, nutzen moderne Anbieter wie Wise oder Revolut den echten Devisenmittelkurs. Bei einer Bank kann der Transfer bis zu 5 Werktage dauern; spezialisierte Anbieter erledigen dies oft innerhalb von 24 Stunden oder sogar in Echtzeit. Für eine Überweisung von 1.000 € fallen bei Fintechs meist nur geringe Gebühren im einstelligen Euro-Bereich an.
Das australische Adresssystem: BSB statt IBAN
Wer Geld nach Australien senden möchte, stellt schnell fest: Das vertraute IBAN-System existiert hier nicht. Stattdessen basiert der Zahlungsverkehr auf zwei Kernkomponenten: Dem SWIFT/BIC-Code der Bank und der sogenannten BSB-Nummer (Bank State Branch). Während der SWIFT-Code das Institut identifiziert, gibt die sechsstellige BSB-Nummer Aufschluss über die spezifische Filiale in Australien.
Die BSB-Nummer wird im australischen System getrennt von der Kontonummer behandelt. Ein verbreiteter Fehler ist der Versuch, BSB und Kontonummer in ein einziges Feld zu erzwingen oder fiktive Kürzel wie „ACC“ als Trenner zu nutzen. Dies führt im modernen Online-Banking oft zu automatisierten Fehlermeldungen oder, schlimmer noch, zu einer kostenpflichtigen Rückbuchung durch die Empfängerbank.
Ein konkretes Beispiel für korrekte Daten: Alexandra hat ihr Konto bei der Commonwealth Bank (CBA). Ihre Kontonummer lautet 1234 5678. Bei der CBA sind Transaction Accounts standardmäßig achtstellig. Der BSB-Code für ihre Filiale im Sydney CBD ist 062-000. Um die Überweisung korrekt zu adressieren, benötigt ihr Vater zudem den SWIFT-Code der CBA: CTBAAU2S.
Für die finale Eingabe in der Überweisungsmaske wird der BSB-Code meist in ein separates Feld eingetragen. Falls das System jedoch nur ein Feld für die Kontonummer bietet, wird die Kombination oft im Format BSB gefolgt von der Kontonummer verlangt.
Wichtig für die Durchführung: Nutzen Sie im Online-Banking Ihrer deutschen Bank niemals das Formular für SEPA-Überweisungen. Wählen Sie stattdessen das Formular für Auslandsüberweisungen (Z1) oder „Zahlungen außerhalb des EWR“. Dort finden Sie dedizierte Felder für den SWIFT/BIC sowie für die Kontonummer. Die BSB-Nummer tragen Sie entweder in ein spezielles Feld für den „Nationalen Bankcode“ ein oder setzen sie – sofern vom System so gefordert – direkt vor die Kontonummer.
Vorsorge: Die beste Strategie vor der Abreise
Um nicht auf teure Eil-Überweisungen angewiesen zu sein, sollten Reisende bereits in Deutschland ihre Bankkonten optimieren. Ein zweites Standbein neben der klassischen Filialbank spart im Ernstfall viel Geld und Nerven.
Anbieter wie die DKB oder Comdirect bieten 2026 Kontomodelle an, die standardmäßig eine kostenlose Visa-Debitkarte enthalten. Echte Kreditkarten (Credit) mit monatlicher Abrechnung sind hier meist optional gegen eine geringe Gebühr erhältlich. Pro-Tipp: Achten Sie auf den „Aktiv-Status“ (meist ab 700 € Geldeingang). Nur dann entfallen bei vielen Banken die Auslandseinsatzentgelte und die Gebühren für Bargeldabhebungen an australischen Geldautomaten (ATMs) komplett.
Fintech Lösungen für Individualreisende
Für maximale Flexibilität nutzen viele Expats heute Multi-Währungs-Konten von Anbietern wie Wise oder Revolut. Diese Konten ermöglichen es, Euro einzuzahlen und sekundengenau zum echten Devisenmittelkurs in Australische Dollar (AUD) umzutauschen. Der Vorteil: Man kann Kursspitzen nutzen, um bereits vor der Abreise AUD günstig „einzukaufen“ und auf dem digitalen Konto zu halten.
Ein wesentlicher Pluspunkt dieser Fintechs ist die Bereitstellung lokaler Kontodaten. Nutzer erhalten eine eigene australische BSB-Nummer und eine Kontonummer, genau wie bei einer Bank vor Ort. Dies macht es Alexandra im Beispiel extrem einfach, Geld von Freunden oder lokalen Arbeitgebern zu empfangen, ohne dass für den Absender internationale Gebühren anfallen.
Zudem bieten diese Apps erweiterte Sicherheitsfunktionen wie virtuelle Einweg-Kreditkarten für Online-Zahlungen und sofortige Push-Benachrichtigungen bei jeder Transaktion. Das Risiko bei einem Kartenverlust im australischen Outback wird dadurch minimiert, da die Karte mit einem Klick in der App gesperrt und eine neue virtuelle Karte sofort aktiviert werden kann.
Gebühren für den Geldtransfer nach Australien im Vergleich
| Anbieter-Typ | Fixe Gebühr | Wechselkurs-Aufschlag | Transferdauer |
|---|---|---|---|
| Deutsche Filialbank | 25,00 € – 50,00 € | 1,5% – 3,0% (Spread) | 3 – 5 Werktage |
| Wise / Revolut | 4,50 € – 8,00 € | Keiner (Mittelkurs) | Echtzeit – 24h |
| Spezialisierte FX-Broker | Oft 0,00 € | 0,5% – 1,0% | 1 – 2 Werktage |
Besonderheiten für Geschäftskunden
Wenn Sie geschäftliche Zahlungen nach Australien leisten, etwa für Importe von Wein oder Bergbautechnik, sind die Anforderungen an Präzision und Dokumentation deutlich höher. Geschäftskunden müssen im Rahmen der KYC-Prüfungen (Know Your Customer) oft detaillierte Angaben zum Verwendungszweck und zu den beteiligten Unternehmen machen, um Verzögerungen durch die Compliance-Abteilungen der Banken zu vermeiden.
Für Unternehmen ist das Management von Währungsrisiken (Hedging) essenziell. Da der Australische Dollar als Rohstoffwährung volatil sein kann, bieten spezialisierte Anbieter Termingeschäfte (Forwards) an. Damit können sich Firmen den aktuellen Wechselkurs für Zahlungen in der Zukunft sichern. Dies schafft Kalkulationssicherheit bei langfristigen Projekten und schützt die Gewinnmarge vor unvorhersehbaren Währungsschwankungen.
Abschließend ist für Geschäftskunden die Einhaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland entscheidend. Obwohl die Meldegrenze für die AWV-Meldepflicht 2025 auf 50.000 € angehoben wurde, müssen Firmen bei Überschreiten dieser Summe zwingend die Meldung an die Deutsche Bundesbank vornehmen. Moderne Business-Zahlungsplattformen integrieren diese Meldeprozesse heute oft automatisiert, um administrative Fehler und daraus resultierende Bußgelder zu verhindern.
Checkliste: Diese Daten benötigen Sie für die Überweisung
- Name des Empfängers: Vollständiger Name wie im Reisepass hinterlegt.
- SWIFT/BIC: Der 8- oder 11-stellige Code der australischen Bank (z. B. CTBAAU2S).
- BSB-Nummer: Der 6-stellige Filialcode (Format: XXX-XXX).
- Kontonummer: Die lokale australische Account Number (meist 6 bis 9 Stellen).
- Verwendungszweck: Eindeutige Angabe (z. B. „Unterhalt Alexandra“ oder Rechnungsnummer).
- Zahlungsformular: Nutzen Sie das Dokument „Z1“ oder die Option „Auslandsüberweisung“ im Online-Banking.
Exkurs: So finden Sie die richtige Bank in Australien
Die Wahl der richtigen Bank in Australien kann pro Jahr mehrere hundert Dollar Unterschied ausmachen – besonders wenn Sie regelmäßig Geld nach Übersee überweisen oder Ihr Konto geschäftlich nutzen. Im Jahr 2026 ist der Markt zweigeteilt: Während die klassischen ‚Big Four‘ auf Loyalität und Filialnetz setzen, greifen Neobanken und spezialisierte Anbieter mit aggressiven Null-Gebühren-Modellen an.
| Anbieter / Konto | Monatliche Gebühr | Bargeld (ATM) | Internationale Überweisung | Besonderheiten (2026) |
|---|---|---|---|---|
| NAB (Classic Banking) | $0 | $0 (NAB-Netz) | $0 Gebühr (online)* | Kein Mindestgeldeingang nötig; Fokus auf Einfachheit. |
| CommBank (Smart Access) | $4 (oder $0**) | $0 (CBA-Netz) | ca. $6 + Wechselkursaufschlag | Gebührenfrei bei $2.000 Eingang oder unter 30 J.; Top App-Features. |
| ANZ Plus (Digital-Only) | $0 | $0 (Großes Netz) | Wechselkurs-basiert | Rein digitale Kontoführung; attraktive Sparzinsen integriert. |
| Westpac (Choice) | $5 (oder $0**) | $0 (Partner-Netz) | ca. $10 + Wechselkursaufschlag | Für Neuankömmlinge im ersten Jahr oft komplett gebührenfrei. |
| Wise (Multi-Währungs-Konto) | $0 | 2x frei bis $350/Mo. | Transparente FX-Rate (~0,65%) | Beste Wahl für Expat-Überweisungen und Währungshaltung. |
(Stand: Februar 2026) *NAB verzichtet bei Online-Überweisungen oft auf die Pauschalgebühr, verdient aber am Wechselkurs-Spread. **Wegfall der Gebühr bei monatlichem Geldeingang von mind. $2.000.
Geschäftskunden im Fokus: Effizienz schlägt Filialpräsenz
Für Business-Kunden hat sich die Landschaft 2026 massiv gewandelt. Die klassische Hausbank ist nicht mehr alternativlos. Wenn Ihr Unternehmen internationale Rechnungen begleicht oder Zahlungen in USD/EUR empfängt, sind spezialisierte Business-Plattformen oft rentabler als traditionelle Geschäftskonten.
- Traditionelle Konten (z. B. NAB Business): Ideal, wenn Sie Bargeldeinzahlungen vor Ort tätigen müssen oder einen dedizierten Relationship Manager benötigen. Die NAB bietet hier 2026 weiterhin ein ‚Pay-as-you-go‘-Modell ohne monatliche Grundgebühr an, was für KMU mit geringem Transaktionsvolumen optimal ist.
- Digitale Herausforderer (Wise & Revolut Business): Wise Business verlangt 2026 eine einmalige Einrichtungsgebühr von ca. $65 AUD, bietet dafür aber lokale Bankverbindungen in über 20 Währungen. Revolut Business punktet mit dem ‚Grow‘-Tarif, der ein bestimmtes Volumen an gebührenfreien Währungsumrechnungen beinhaltet – ideal für E-Commerce-Unternehmen.
- Airwallex: Dieser Anbieter hat sich 2026 als Marktführer für australische Start-ups etabliert, da er lokale Zahlungen in über 120 Ländern ohne SWIFT-Gebühren ermöglicht und direkt in Buchhaltungssoftware wie Xero integriert werden kann.
Redaktions-Fazit für Unternehmer: Nutzen Sie für das Tagesgeschäft in Australien ein kostenloses Konto der NAB und ergänzen Sie dieses für den internationalen Zahlungsverkehr durch Wise oder Airwallex. So kombinieren Sie die Sicherheit einer lokalen Bank mit den Konditionen moderner Fintechs.