50 Jahre Berkshire Hathaway: Buffett macht weiter

50 Jahre Berkshire Hathaway: Warren Buffett ist noch immer nicht müde und verspricht weitere Übernahmen – auch in Deutschland. Volker Gelfarth, Jens Gravenkötter, Rolf Morrien und weitere GeVestoren waren live dabei. Was in Omaha genau passierte – Rolf Morrien berichtet.

Ich befinde mich heute schon in New York, möchte Ihnen aber noch den versprochenen Rückblick auf die Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway liefern. Am Samstag fand in Omaha die spektakulärste Hauptversammlung des Börsenjahres 2015 statt.

Nach ersten Meldungen hatten sich insgesamt rund 44.000 Aktionäre für die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway angemeldet. Ein neuer Teilnehmerrekord! Viele Berkshire-Aktionäre wollten beim großen Jubiläum dabei sein: Es war die 50. Berkshire-Hauptversammlung.

Einige Aktionäre hatten Angst, dass Berkshire-Chef Warren Buffett die Gelegenheit nutzt, um seinen Ruhestand zu verkünden. Doch der 84-jährige Berkshire-Chef präsentierte sich auf der Hauptversammlung tatendurstig wie eh und je.

Es deutet aktuell alles darauf hin, dass Buffett die Aktionäre auch Anfang Mai 2016 wieder in seiner Heimatstadt Omaha begrüßen wird.

Die für deutsche Verhältnisse unvorstellbare Teilnehmerzahl von 44.000 Aktionären muss ein wenig relativiert werden. Die Eintrittskarte für die Hauptversammlung gilt in den Tagen vor und nach der Hauptversammlung auch als eine Art Rabattmarke. Viele Unternehmen aus dem Berkshire-Imperium bieten rund um die Hauptversammlung hohe Rabatte für die Aktionäre an.

Wer eine B-Aktie von Berkshire Hathaway für rund 150 US-Dollar kauft, kann anschließend Möbel, Schuhe, Schmuck oder sogar Fertighäuser mit 10, 20 oder 30% Preisnachlass kaufen.

Daher gibt es stets auch Berkshire-Aktionäre, die sich zur Hauptversammlung anmelden, dort aber nicht den Worten von Berkshire-Chef Warren Buffett lauschen, sondern eine ausgedehnte Shopping-Tour planen.

Starke Zahlen sorgen für gute Stimmung

Schon vor dem offiziellen Start der Hauptversammlung kam bei den Berkshire-Aktionären gute Stimmung auf: Die kurz vorher veröffentlichten Quartalszahlen der Beteiligungsgesellschaft zeigten hohe Wachstumsraten.

Berkshire Hathaway steigerte im 1. Quartal den Umsatz um 7% auf 48,6 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn stieg sogar um 10% und erreichte 5,15 Mrd. US-Dollar. Diese Zahlen passten zum Jubiläum.

Im Vorprogramm wurde die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei regelmäßig die Mitarbeiter und Führungskräfte der einzelnen Unternehmen. Emotionaler Höhepunkt war am Ende der Einleitung der bunte Konfettiregen, der vom Hallendach auf die anwesenden Aktionäre herabprasselte.

Kritische Fragen auch beim Jubiläum

In der berühmten Frage- und Antwort-Runde gab es von einigen Aktionären Dankesworte zum Jubiläum, aber auch kritische Fragen. So wurde Buffett gefragt, was er zu den streikenden Piloten vor der Veranstaltungshalle sagen würde.

Der Hintergrund der Frage: Rund 300 Piloten der Berkshire-Tochter NetJet demonstrierten vor der Halle. Buffett sagte, dass harte Managemententscheidungen und Streiks ein Teil des Wirtschaftslebens seien. Ein völlig normaler Vorgang. Bei Berkshire-Beteiligungen würde es aber insgesamt nur sehr selten zu Streiks kommen.

Buffetts Partner, Charlie Munger, ging noch weiter. Wenn jeder Arbeitnehmer unabhängig von der wirtschaftlichen Lage der Wirtschaft und des Unternehmens stets eine Jobgarantie hätte, müsste dieses Wirtschaftssystem untergehen – so wie einst in der Sowjetunion.

Kritisch hinterfragt wurde auch die Positionierung der Berkshire-Beteiligungen aus der Nahrungsmittelbranche. Der Vorwurf: Berkshire-Beteiligungen wie Coca-Cola setzen noch zu stark auf den schädlichen Stoff Zucker.

Buffett entgegnete, dass er in der Nahrungsmittelbranche keine Revolution erwarte. Die Unternehmen aus der Branche würden sich den neuen Ernährungstrends anpassen. Das sei auch bei Coca-Cola mit vielen neuen Produkten so.

Außerdem seien die beiden Berkshire-Chefs Buffett (84 Jahre) und Munger (91 Jahre) der lebende Beweis dafür, dass man auch mit einer zuckerhaltigen Ernährung alt werden könne. Buffett deutete damit an, dass einige Negativ-Schlagzeilen aus seiner Sicht übertrieben seien.

Kritisch hinterfragt wurde von einem Aktionär, wie gut Berkshire auf das Thema erneuerbare Energie vorbereitet sein. Hier übergab Buffett das Wort an den zuständigen Manager im Publikum. Dieser konnte anhand aktueller Zahlen zeigen, wie erstaunlich schnell Berkshire in den Bereichen Windkraft und Solarenergie wächst. Von dieser Umbaugeschwindigkeit können viele Energieversorger in Europa nur träumen.

Buffett auf Jagd in Deutschland

Nicht fehlen durften auch die Fragen zum deutschen Markt. Hintergrund: Vor wenigen Monat hat Berkshire Hathaway in Deutschland zugeschlagen und den Motorrad-Ausrüster Detlev Louis übernommen.

Buffett sagte, dass es ihn sehr wundern würde, wenn es innerhalb der nächsten 5 Jahre keine weiteren Übernahmen in Deutschland geben würde. Die Unternehmen in Europa seien aktuell günstiger als in den USA bewertet.

Charlie Munger lobte den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sein Kommentar: Die Deutschen arbeiten weniger und produzieren mehr. Besonders interessant seien daher der Technologie-Sektor und der Ingenieur-Bereich.

Fazit: Die Berkshire-Hauptversammlung war wieder eine Reise wert. Es darf weiter gerätselt werden, wer irgendwann Nachfolger von Buffett und Munger wird und es bleibt spannend, bei welchen Unternehmen Buffett und Munger zeitnah zuschlagen werden, um das Berkshire-Imperium weiter zu vergrößern. Auch deutsche Unternehmen stehen auf der Übernahme-Liste.

Rolf Morrien

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