Netflix Aktie: Neues Kursziel 2.000 Dollar

Wer eine Marktlücke findet und den richtigen Zeitpunkt wählt, um sie zu schließen, kann damit reich werden. In den letzten 15 Jahren lässt sich das vor allem anhand zahlreicher Beispiele von Internet- und Technologieunternehmen belegen.

Googles Suchmaschine? Konkurrenzlos. Apples iPhone? Hat das klassische Handy praktisch bedeutungslos gemacht. Facebook? Hat das Kommunikationsverhalten einer ganzen Generation verändert. Amazon? Hat sich vom Buchversandhandel zum Schrecken aller Einzelhändler gemausert.

Nun rollt die nächste Welle durchs Netz, und sie scheint kaum noch aufzuhalten: das Streaming von Filmen und Serien. Nicht etwa das illegale Streaming auf dubiosen Seiten mit ruckeliger Videoqualität, sondern das legale Streaming von aktuellen Erfolgsserien und Blockbustern.

Internet als stärkster TV-Konkurrent

Das Internet, das 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag seine Pforten geöffnet hat und die individuellen Nutzerwünsche mehr und mehr bedient, wird zunehmend zur Konkurrenz der traditionellen TV-Landschaft.

Zahlreiche Fernsehsender bieten ihr Programm bereits seit Jahren in Mediatheken zum zeitversetzten Anschauen an. Bei den Privatsendern kostet das manchmal Gebühren, weite Teile des Angebots sind werbefinanziert. Vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten stehen die Videos zudem häufig nur zeitlich begrenzt zur Verfügung.

Internationale Blockbuster, die zur Primetime gesendet werden, sind zudem häufig nicht online auf den Seiten der Sender verfügbar. Denn dazu fehlen ihnen die Rechte.

Rechte, die sich nun mehr und mehr Online-Videoanbieter sichern. Vorreiter auf diesem Gebiet ist Netflix. Der Streamingdienst hat sich nicht weniger zum Ziel gesetzt, als die klassische TV-Welt zu revolutionieren.

Netflix wächst rasant

Das US-Unternehmen ist auf einem guten Weg: Weltweit ist der Dienst bereits in mehr als 50 Ländern verfügbar. 62 Millionen Nutzer haben sich inzwischen registriert. Gegen eine monatliche Grundgebühr haben sie Zugriff auf das Netflix Angebot, das neben aufwendigen, preisgekrönten und höchst erfolgreichen Eigenproduktionen auch aktuelle Spielfilme und Klassiker umfasst und zudem stetig erweitert wird.

Dabei können die Kunden wählen, ob sie die Originalfassung mit oder ohne Untertitel oder aber die synchronisierte Version sehen möchten. Gerade die erfolgreichen US-Serien werden häufig zeitnah nach ihrer Veröffentlichung weltweit konsumiert, vielen Zuschauern dauert es inzwischen zu lang, auf eine Synchronfassung zu warten.

Das Konzept geht auf: Allein im vergangenen Quartal haben sich 5 Millionen Nutzer neu registriert. Im Schnitt streamte jeder Kunde rund 55 Stunden pro Monat.

Jüngere Generation setzt auf Streaming

Vor allem die jüngere Generation im Alter bis etwa 40 Jahre legt Wert auf die zeitliche Flexibilität beim Konsum der Inhalte und will sich nicht mehr an ein lineares Fernsehprogramm binden. Jüngsten Studien zufolge ergänzt – oder ersetzt – jeder dritte Nutzer ab 14 Jahren das klassische TV durch Online-Streamingangebote.

Der Trend setzt sich rasant fort – und Netflix ist der größte Nutznießer dieser Entwicklung. Konkurrenzangebote wie etwa Amazons Videoangebot spielen bislang eher eine Nebenrolle.

Gerüchten zufolge will Netflix künftig auch nach China expandieren. Dort wartet ein enormes Nutzerpotenzial.

So oder so prognostizieren Beobachter in den kommenden Jahren stetig steigende Abonnentenzahlen. Bis 2020 könnte der Kundenstamm demnach auf 150 Millionen zulegen.

Aktie schießt durch die Decke

Bereits jetzt lässt sich der durchschlagende Erfolg des Unternehmens und seines Geschäftskonzepts auch am Aktienkurs ablesen.

Allein in den vergangenen sechs Monaten hat sich der Wert des Papiers mehr als verdoppelt, auf mittlerweile rund 560 Euro oder 600 Dollar.

2015-06-03 Netflix

Analysten sind sich einig: Unisono sprechen sie eine Kaufempfehlung aus. Das Kursziel sehen die meisten zwischen 650 und 725 Dollar, einzelne Studien gehen sogar von einer Steigerung auf bis zu 900 Dollar in den nächsten 12 Monaten aus.

Der Hedgefonds Apex Capital, der selbst 11 Prozent an Netflix hält und damit der größte Einzelaktionär des Unternehmens ist, lehnt sich noch weiter aus dem Fenster – und hält in den kommenden drei Jahren sogar das Erreichen der 2.000-Dollar-Marke für realistisch.

5. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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