Sammlermünzen: Vorsicht, nicht jede Edition eignet sich als Investition

Wo alle Welt von Inflation redet, geraten auch Sammlermünzen schnell ins Visier der Anleger. (Foto: Joe Belanger / Shutterstock.com)

Nicht immer sind Sammlermünzen wertvoll

„Sie erhalten die Ausgabe „60 Jahre Deutschland“ unverbindlich und mit garantiertem Rückgaberecht für 14 Tage zur Ansicht. Wenn Sie die Ausgabe behalten, zahlen Sie den günstigen Jubiläums-Sonderpreis von nur 14,90 Euro (statt später 34,90 Euro) und sparen sofort 20,- Euro“.

So bewirbt ein bekannter deutscher Münzhändler aus Braunschweig eine neue Edition Sammlermünzen zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland.

Auch wenn es sich auf den ersten Blick recht viel versprechend anhören mag, sollten Sie am besten gleich die Finger davon lassen. So sparen Sie sich auf jeden Fall viel Geld und bei einem späteren Verkauf auch eine dicke Enttäuschung.

Wie komme ich zu diesem vernichtenden Urteil? Schauen wir uns dazu einmal die Werbung an, so wie sie auf der Internetseite des Anbieters erscheint:

„Für die Jubiläums-Sonderprägung „60 Jahre Deutschland“ haben die Meistergraveure der Münze Berlin ihr ganzes Können aufgeboten. Die Ausgabe wurde aus echtem Silber (333/1000) in der höchsten Qualität „Spiegelglanz“ geprägt.

Die wichtigsten Motivbestandteile wurden in einem aufwändigen Verfahren mit einer brillanten Farbprägung in Schwarz-Rot-Gold veredelt. Durch eine individuelle Randnummer wird jede einzelne Silber-Jubiläumsprägung zum unverwechselbaren Unikat.

Sichern Sie sich ihr persönliches Exemplar und damit auch das Anrecht auf die weiteren Silber-Jubiläumsprägungen zum 60. deutschen Staatsjubiläum am besten noch heute!“

Auch wenn es kaum zu glauben ist, aber mit diesen dürftigen Angaben habe ich schon fast alle handfesten Informationen zusammengetragen, die ich auf der Bestellseite finden konnte. Etwas später wird dann noch die Höhe der Auflage mit 10.000 Exemplaren angegeben.

Lassen Sie sich nicht von Scheinvorteilen blenden

Erkennen können Sie die Gefährlichkeit des Angebots unter anderem daran, dass Ihnen wichtige Informationen gezielt vorenthalten werden, während Sie gleichzeitig mit anderen im Grunde unwichtigen Details abgelenkt werden.

Dass die Graveure der Münze Berlin „ihr ganzes Können aufbieten“: Entschuldigung, aber davon gehe ich aus! Die Veredlung durch eine schwarz-rot-goldene Farbprägung interessiert am Ende beim Verkauf niemanden.

Gleiches gilt für die individuelle Randnummer. Auch sie suggeriert einen Mehrwert, der leider illusorisch ist, weil der Sammlermarkt derzeit tot ist. Erst wenn sich Tausende Sammler um diese Münzen streiten würden, könnte ein Aufpreis gerechtfertigt sein.

Doch dass sich echte Sammler jemals in großer Zahl für diese minderwertigen Münzen begeistern werden, das wage ich zu bezweifeln. Minderwertig sind die Münzen allein schon wegen ihres geringen Silbergehalts. Nur ein Drittel der Münze besteht aus echtem Feinsilber, der Rest ist Blech.

Poliertes Blech, für das ein Kunde allerdings viel Geld auf den Tisch legen soll. Hochwertige Sammlermünzen hingegen bestehen aus reinem 999er Feinsilber oder dem Sterlingsilber (925/1000).

Sinkt der Silbergehalt unter 900 bekomme ich persönlich schon Bauchschmerzen. Mit dem bekannten Theresientaler, der einen Feingehalt von 833,3 aufweist, kann ich noch leben, weil es sich um eine historische Münze handelt.

Doch ein Feingehalt von 333/1000 wie bei dieser Münze ist eine Frechheit. Manches Teeservice oder Tafelbesteck aus Silber hat demgegenüber einen höheren Silberanteil.

Fehlen wichtige Angaben, sollten Sie vorsichtig werden

Ich glaube auch nicht, dass mit dieser Münze wirkliche Sammler angesprochen werden sollen. Diese würden sehr schnell nach den Maßen und dem Gewicht fragen. Beide Angaben suchen Sie auf der Internetseite jedoch vergeblich.

Doch genau diese Angaben benötigen Sie, um den Silbergehalt in Feinsilber umrechnen und damit den reinen Materialwert der Münze bestimmen zu können.

Es geht dem Anbieter also nicht darum, neue Interessenten an das durchaus interessante Hobby das Münzensammeln heranzuführen, sondern ahnungslosen Neulingen Geld aus der Tasche zu ziehen, scheint das primäre Ziel zu sein.

Lassen Sie sich deshalb nicht über den Tisch ziehen, sondern zeigen Sie unseriösen Angeboten wie diesen die kalte Schulter. Kaufen Sie Gold und Silber nur im qualifizierten Edelmetallfachhandel beim Händler Ihres Vertrauens, etwa bei einem jener Händler, die es auf die geprüfte Nugget Effekt Händlerliste geschafft haben.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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