Henkel: Die deutschen Saubermacher

Kasper Rorsted: Der rasante Aufstieg des Computer-Dänen

Er ist nicht der erste Vorstandschef, der nicht aus der Gründerfamilie stammt, sein Aufstieg ist dennoch beeindruckend. Innerhalb von nur drei Jahren stieg Kasper Rorsted von einem Computerspezialisten zum Vorstandschef von Henkel auf.

Rorsted war davor in Deutschland vor allem als Europa-Chef von Hewlett-Packard bekannt, wo er 2004 von der stark unter Druck geratene Chefin Carly Fiorina entlassen wurde – eine Entscheidung, die nicht nur Rorsted schwer nachvollziehen konnte, hatte er sich doch keine schwerwiegenden Fehlentscheidungen zu Schulden kommen lassen. Da am gleichen Tage zwei weitere HP-Topmanager entlassen wurden, liegt der Verdacht nahe, dass Rorsted hier nur ein Bauernopfer war.

Kasper Rorsted: Aufstieg durch Entlassung

Im Nachhinein stellte sich die Entlassung jedoch als Beginn einer vielversprechenden Karriere heraus. 2005 wurde er in den Henkel-Vorstand berufen, nach nur zwei Jahren wurde er stellvertretender Geschäftsführer mit der Aussicht, 2008 die Nachfolge von Ulrich Lehner auf dem Chefsessel zu übernehmen.

Kein schlechter Aufstieg für den Dänen, der zuvor nur in der Computerbranche gearbeitet hatte. Nach einem Studium in Kopenhagen und an der Harvard Business School durchlief Rorsted mehrere Management-Positionen bei den Softwarefirmen Oracle und DEC, bevor er Mitte der 1990er zu Compaq wechselte und dort als Leiter für die Märkte in Europa, den Nahen Osten und Afrika tätig war.

2002 begann seine Zeit bei HP, die nur zwei Jahre später wieder zu einem ungeplanten Ende kam. Der Anruf über seine Kündigung erreichte Rorsted unvermittelt beim Heimaturlaub mit seiner Familie – ein weiterer Affront, der Rorsted stark verärgerte.

Neuanstellung als Nachfolger in spe

Schon innerhalb des ersten Monats nach seiner Kündigung kann Kasper Rosted zwischen Jobangeboten im zweistelligen Bereich auswählen, darunter auch ein unterschriftsreifer Vertrag von Henkel. Schon zu diesem Zeitpunkt steht die Möglichkeit im Raum, innerhalb kurzer Zeit zum Nachfolger von Ulrich Lehner aufzusteigen. Ein fast unschlagbares Angebot, zumal ihn der Branchenwechsel besonders reizt.

Zugute kommt ihm bei der schnellen Eingewöhnung auch die vielleicht durch seine dänische Herkunft zu begründende Nähe zu den Arbeitnehmern und die ihm eigene Zurückhaltung. Machtgehabe und laute Worte sind ihm eher fremd. Das Tempo seiner eigenen Karriere hat ihn wohl selbst eher überrascht. Ihm ist jedoch bewusst, dass sein Erfolg nur das Ergebnis eigener Disziplin und einer vorausschauenden Planung ist. Arrogant wirkt Rorsted nicht, vielmehr zeigen alle seine Worte ein gesundes Selbstbewusstsein.

Genauso selbstbewusst, wie er Henkel seit seiner Amtsübernahme führt. Dazu gehört auch ein neues Corporate Design, welches er 2011 durchsetzte. „Excellence is our Passion“, heißt der neue Leitspruch, der zum Unternehmen wohl genauso passt wie zu Kasper Rorsted selbst.

Kurzprofil Henkel wurde 1876 vom Unternehmer Fritz Henkel in Aachen gegründet. Erstes Produkt der Firma war ein Pulver-Waschmittel, das sich so gut verkaufte, dass Henkel den Firmensitz nach Düsseldorf verlegte, das bessere Verkehrs-Anbindungen und höhere Absatz-Chancen bot. Heute gliedert sich das Unternehmen in 3 Bereiche: Laundry & Home (Wasch- und Reinigungs-Mittel), Beauty Care (Schönheits-Pflege) und Adhesive Technologies (Klebstoff).

Henkel ist als Gründungs-Mitglied seit 1988 im DAX aktiv (WKN 604840).

Schnellzugriff GeVestor Themen

Sie gelangen mit Hilfe der unteren Buchstabenleiste schnell und direkt zu allen Themen auf GeVestor. Über das jeweilige Thema gelangen Sie zum passenden Artikel.