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Abgeltungssteuer bei Zertifikaten: Komplizierte Regeln und Nachteile

Erst die Finanzkrise, dann die Abgeltungssteuer – Zeritifkate sind unter Druck geraten. Mussten Zertifikate-Anleger 2008 ohnehin schon reihenweise Verluste einstecken, so brachte die Abgeltungssteuer verschärfte Sonderregelungen. In Sachen Abgeltungssteuer und Verlustverrechnung sind Zertifikate vielfach ein Spezialfall.

Für die meisten Geldanlagen gilt: Seit 2009 unterliegen die Erträge der Abgeltungssteuer. Vielen Fonds, Anleihen oder Aktien wurden bestimmte Übergangsfristen eingeräumt. Nicht so bei Zertifikaten. Hier wurde der Bestandsschutz sogar eingeschränkt, sodass Zertifikate auch rückwirkend von der Abgeltungssteuer erfasst wurden.

Abgeltungssteuer – Wirkung für Zertifikate nicht einheitlich

Bei Zertifikaten lässt sich noch nicht einmal die Frage einheitlich beantworten, ab wann die Abgeltungssteuer greift. Denn das hängt nämlich ganz davon ab, wann welche Zertifikate gekauft, wie lange sie gehalten und wann sie wieder verkauft wurden. Einheitlich ist der Grundsatz, dass alle Zertifikate, die ab 2009 gekauft wurden, der Abgeltunsgsteuer unterliegen. Besonderheiten wie Haltefristen etc.gibt es nicht.

Bei allem, was den Zeitraum vor der Abgeltunsgsteuer angeht, ist die Sache am einfachsten bei den Garantiezertifikaten. Für diese Finanzinnovation gab es ohnehin noch nie die Möglichkeit für steuerfreie Gewinne.

Insofern sorgt seit 2009 die 25%-Abgeltungssteuer bei Anlegern mit einem hohen persönlichen Steuersatz für Erleichterung. Dies trifft auch auf Zertifikate zu, die in früheren Jahren gekauft wurden.

Abgeltungssteuer bei Zertifikaten – Sonderregeln

Abgesehen von den Garantie-Zertifikaten gibt es folgende Fallgruppen: Wurde ein Zertifikat vor 2009 gekauft, so gilt ein einschränkter Bestandsschutz. Lag der Kaufzeitpunkt vor dem 15. März 2007, bleiben Gewinne nach einer einjährigen Haltefrist steuerfrei. Anleger, auf die das zutrifft, können unbesorgt sein.

Wurden Zertifikate zwischen dem 15. März 2007 und dem 31. Dezember 2008 gekauft, mussten sie bis zum 30. Juni 2009 verkauft werden, um Erträge steuerfrei zu erhalten. Vorausgesetzt, die Spekulationsfrist von einem Jahr wurde eingehalten. Diese Differenzierung nach Zeitpunkten ist nicht nur für Gewinne relevant. Sie gilt auch für die Verrechenbarkeit von Verlusten und macht damit Zertifikate zum Spezialfall.

Bei Garantie-Zertifikaten sind Verluste generell voll verrechenbar. Für allen anderen Zertifikaten, die nach Einführung der Abgeltunsgsteuer gekauft wurden, gilt das gleiche. Beim Kauf vor dem 14. März 2007 sind wegen der Spekulationsfrist Gewinne und Verluste irrelevant.

Wurde ein Zertifikat nach dem 15. März 2007 erworben und innerhalb der Spekulationsfrist verkauft, so gilt: Der Verlust kann als „Altverlust“ bis 2013 mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften und Kapitalanlagen verrechnet werden.

Abgeltungssteuer – eingeschränkter Bestandsschutz bei Zertifikaten

Diese oben dargestellte zweistufige Sonderregelung gilt für Vollrisiko-Zertifikate. Dies sind etwa Bonus-, Index-, Discount- oder Express-Zertifikate. Während der steuerliche Bestandsschutz bei den Zertifikaten also begrenzt wurde, konnten Aktien und Investmentfondsanteile noch bis Ende 2008 ohne Einschränkung gekauft werden. Damit wurden Zertifikate vom Gesetzgeber benachteiligt.

Die Unberechenbarkeit durch rückwirkende Steuergesetze zeigt sich beispielhaft gerade bei den Discount-Zertifikaten. Hier lassen sich Verluste nachträglich schlechter geltend machen.

Für unangenehme Überraschungen sorgen immer wieder auch die Finanzämter. In etlichen Fällen werden sogar Totalverluste bei Zertifikaten mit irgendwelchen Begründungen nicht anerkannt.

Hier müssen häufig die Gerichte an einen der Grundsätze der Abgeltungssteuer erinnern: Der Anleger soll zwar unabhängig von Spekulationsfristen für sämtliche Verkaufsgewinne Steuern zahlen. Dafür aber darf er im Gegenzug sämtliche Verluste verrechnen.

4. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.