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„Der Wahnsinn hat Methode“ – Zertifikatebranche kritisiert Überregulierung

Einmal im Jahr treffen sich die wichtigsten Vertreter der Zertifikaten-Branche zum Deutschen Derivate Tag. Dabei sorgten beim jüngsten Ereignis (in dieser Woche) vor allem neue Pläne zur Marktregulierung für Diskussionsstoff.

Neben der Finanztransaktionssteuer kritisierte der Geschäftsführende Vorstand des Deutschen Derivate Verbands, Dr. Hartmut Knüppel, vor allem Vorhaben wie Produktbeschränkungen und -verbote. Im Gevestor-Gespräch erklärte er, dass die Regulierer vielfach über ihr Ziel – den Anlegerschutz – hinausschießen würden.

Klicken Sie auf den roten, runden “Play”-Button, um das Interview anzuhören.


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Das Ganze Interview mit Hartmut Knüppel zum Nachlesen

Dr. Hartmut Knüppel: Jede Marktwirtschaft braucht Spielregeln. An diese Spielregeln müssen sich alle Marktakteure halten. Wenn sie sich nicht daran halten, muss der Staat das entsprechend sanktionieren. Bei der Regulierung geht es nicht um das „Ob“, sondern es geht um das „Wie viel“ und das „Wie“. Da sehen wir, dass das Regulierungskorsett inzwischen teilweise so eng geschnürt wird, dass vielen Emittenten die Luft auszugehen droht. Und wir stellen zweitens fest, dass mehr Regulierung nicht unbedingt zu mehr Anlegerschutz führt, sondern teilweise genau das Gegenteil bewirken kann.

Gevestor: Wo sind wir denn überreguliert?

Dr. Hartmut Knüppel: Ein ganz gutes Beispiel ist das Beratungsprotokoll. Das Beratungsprotokoll wurde eingeführt, um den Anleger vor Falschberatung zu schützen. Nun ist es ein solches Bürokratiemonstrum geworden, dass nur noch zwei von hundert Anlegern bereit sind, sich diesem Prozess zu unterwerfen und 98 Prozent kaufen die Produkte inzwischen selbst. Da sind sicherlich auch viele dabei, die Beratung bräuchten, für die Beratung sinnvoll wäre. Aber hier hat man mit diesem Bürokratiemonster genau das Gegenteil erreicht. Das finden wir bedauerlich, wiewohl wir natürlich mit Interesse feststellen, dass es auch Überlegungen seitens der Politik gibt, hier die Auswüchse zurückzufahren und das möglicherweise etwas zu reduzieren.

Gevestor: Regulierung hat immer auch einen Hintergrund. Es sollte Tempo rausgenommen werden aus dem Markt, der Anleger sollte geschützt werden. Wo halten Sie Regulierung denn für sinnvoll?

Dr. Hartmut Knüppel: Gerade, was Finanzmarktstabilität angeht, ist es dringend erforderlich, dass die Banken so aufgestellt sind, dass sie nicht beim ersten Windstoß umfallen. Deswegen muss die Eigenkapitalbasis gestärkt werden und es müssen Vorkehrungen getroffen werden, um die Stärke der einzelnen Bank zu fördern. Gleichzeitig müssen Vorkehrungen getroffen werden, dass nicht durch einen Dominoeffekt das ganze System gefährdet wird, wenn eine Bank insolvent zu gehen droht. Das ist sicherlich richtig. Wir brauchen auch bestimmte Spielregeln, Grundregeln für den Anlegerschutz. Aber wir brauchen nicht das, was wir jetzt im Augenblick sehen so übertrieben in einer Form, wo Behörden oder Beamte besser zu wissen glauben – ich finde, das ist schon eine gewisse Arroganz und Überheblichkeit –, was Sie oder ich nun essen in diesem Menü von Finanzprodukten, wo wir unser Geld anlegen oder nicht anlegen. Wir orientieren uns bisher am Leitbild des mündigen Verbrauchers und des mündigen Bürgers. Davon sollten wir uns nicht verabschieden.

Gevestor: Was hat denn der jetzige Kurs für Konsequenzen, insbesondere für den Zertifikatemarkt?

Dr. Hartmut Knüppel: Da geht es im Augenblick um Fragen, ob man bestimmte Produkte, weil sie zu komplex erscheinen, verbieten sollte. Ich denke, das ist der völlig falsche Weg. Die Alternative ist Produkttransparenz. Gerade was Produktinformationen angeht, haben die Anleger nicht nur eine Holschuld, sondern die Banken haben auch eine Bringschuld. Mit dem Produktinformationsplatz sind wir da ganz gut aufgestellt. Wir meinen, dass wir diesen Weg konsequent weiter beschreiten sollten. Das ist der richtige Weg.

Gevestor: Wenn Sie den Weg weiter beschreiten, wohin geht es mit dem Zertifikatemarkt? Wie sehen Sie die Perspektive von Derivaten, auch im Markt für Kleinanleger?

Dr. Hartmut Knüppel: Zertifikate sind gerade aufgrund ihrer großen Flexibilität immer eine sinnvolle Ergänzung für jedes Depot. Je nach Risikoneigung und Renditeorientierung kann sich jeder Anleger passgenau ein entsprechendes Produkt aussuchen, und er kann dabei insbesondere in Märkte investieren, die sonst nur professionellen Anlegern offenstellen. Wir stellen zurzeit zwei Tendenzen am Markt fest: Gerade bei den Kapitalschutzprodukten investieren zwei Drittel aller Zertifikateanleger in Produkte, die zu 100 Prozent geschützt sind. Das heißt, sie bekommen auf jeden Fall den Nennwert zurück, den sie dort einmal investiert haben. Das geht etwas zurück. Denn wenn Kapitalschutzzertifikate auslaufen, werden sie nicht mehr in vollem Umfang ersetzt. Stattdessen gibt es eine größere Nachfrage nach Alternativen wie Aktienanleihen und Discountzertifikaten, die natürlich auch sehr viel bessere Renditen bieten.

13. Oktober 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.