Dividendenabschläge: Einfluss auf Zertifikate und Optionsscheine

Zunächst das Wichtigste vorab: Wenn Sie ein Zertifikat auf einen Basiswert in Ihrem Depot haben, bei dem die Dividende vom Kurs abgeschlagen wird, müssen Sie keine Verluste befürchten.

Wie der Dividendenabschlag im Preis eines Zertifikats berücksichtigt wird, ist dabei aber von Produkt zu Produkt unterschiedlich.

Bei Knock-Out-Zertifikaten mit unbegrenzter Laufzeit werden die Konditionen angepasst

Zunächst zu den Hebel-Zertifikaten. Bei Knock-Out-Papieren mit unbegrenzter Laufzeit passt der Emittent am Tag des Dividendenabschlags die Konditionen an.

Das heißt, Basispreis und Knock-Out-Schwelle verringern sich um die Höhe des Dividendenabschlags. Auf den Kurs des Zertifikats hat die Ausschüttung der Dividende somit keinerlei Einfluss.

Bei Optionsscheinen wird die zu erwartende Dividende fortlaufend eingepreist

Anders ist es bei Knock-Out-Papieren mit fester Laufzeit. Hier wird die zu erwartende Dividende bereits vor der Ausschüttung fortlaufend eingepreist. Am Tag der Ausschüttung kommt es aber auch hier zu keinem Kursabschlag.

Die Vorgehensweise ist also die gleiche wie bei Optionsscheinen. Auch hier wirkt sich die zu erwartende Dividende kontinuierlich auf den Preis aus – nicht erst, wenn die Ausschüttung erfolgt.

Ein Abschlag am Tag der Dividendenzahlung findet nicht statt. Dies gilt im Übrigen auch für Discount-Zertifikate.

Vorsicht bei Index-Zertifikaten

Zu guter Letzt möchte ich noch auf die sehr beliebten Index-Zertifikate eingehen, mit denen Anleger die Entwicklung eines Index eins zu eins nachvollziehen können.

Bei ihnen hängt es davon ab, ob es sich bei dem Index um einen Performance- oder einen Kurs-Index handelt. Bei einem Performance-Index wie dem DAX gehen die ausgeschütteten Dividenden in die Entwicklung mit ein, bei einem Kurs-Index dagegen nicht.

Setzen Sie mit einem Index-Zertifikat auf einen Performance-Index wie den DAX, entgehen Ihnen also keinen Dividenden, die von den im Index enthaltenen Unternehmen ausgeschüttet werden.

Bezieht sich das Zertifikat auf den Kurs-Index, gehen die Ausschüttungen dagegen verloren. Achten Sie daher immer darauf, ob sich ein Index-Zertifikat auf den Kurs- oder den Performance-Index bezieht.

Dividendenabschlag, Definition

Der Dividendenabschlag ist der Kursverlust einer Aktie am Tag nach der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft. Anspruch auf die Dividende hat der Aktionär, der die Aktie am Tag der Hauptversammlung im Depot hat.

Dividendenabschlag ergibt sich aus Angebot und Nachfrage

Ein Dividendenabschlag ist aber nicht vorgeschrieben oder zwangsläufig. Er ergibt sich aus Angebot und Nachfrage.

Nehmen Sie eine Aktie mit einem Kurs von 60 Euro. In der Hauptversammlung wird eine Dividende von 3 Euro verabschiedet. Diese Dividende erhält der Investor, der die Aktie am Tag der Hauptversammlung im Depot hat.

Ein Käufer am Tag nach der Hauptversammlung wird dann nur 57 Euro für die Aktie zahlen. Er rechnet die Dividende herunter. Das macht den "Dividendenabschlag".

Dividendenabschlag muss nicht gleich Dividende sein

Der Dividendenabschlag kann aber auch von der Dividende abweichen.

Stellen Sie sich vor, auf der Hauptversammlung gibt es wichtige und gute Neuigkeiten. Dann sind die Anleger am Tag nach der Hauptversammlung bereit, 60 Euro oder auch mehr für die Aktie zu bezahlen, weil sie weitere Kurssteigerungen erwarten.

Dann liegt der Dividendenabschlag unter der Dividende. Es gibt auch durchaus Beispiele, wo die Aktie am Tag nach der Hauptversammlung, trotz gezahlter Dividende, teurer war als vorher.

Typisch: Dividendenabschlag gleich Dividende

Typisch ist jedoch, dass der Dividendenabschlag gleich der Dividende ist. Und das führt zu meiner eingangs gemachten Überlegung und oft gestellten Frage, ob das funktioniert: Am Tag vor dem Dividendenabschlag einer Aktie eine Put Option kaufen.

Am Tag mit dem Dividendenabschlag oder am Tag nach dem Dividendenabschlag wird die Put Option mit Gewinn verkauft, weil die Aktie niedriger notiert.

Dividendenabschlag ist im Kurs einer Option berücksichtigt

Bei Optionen sind "normale" Dividenden im Kurs berücksichtigt. Die Höhe der Dividenden wird lange im Voraus geschätzt. Die Schätzungen beruhen auf Berechnungen der vergangenen Jahre.

Bei der dann verabschiedeten Dividende kommt es dann meist zu keinen oder nur zu kleineren Abweichungen.

Diese Kursveränderungen durch einen Dividendenabschlag sind in den Kursen der Optionen bereits enthalten. Das heißt, ein Call wird durch den Dividendenabschlag nicht billiger, ein Put aber auch nicht teurer.

Dividendenabschlag verändert Optionspreis nur bei Abweichungen

Weicht eine Dividende jedoch überraschend stark von der geschätzten Dividende ab und ergibt sich daraus am Tag nach der Hauptversammlung ein deutlich höherer oder niedrigerer Dividendenabschlag als erwartet, wirkt sich das auf den Preis einer Option aus.

Dividendenabschlag durch Sonderdividende führt zur Anpassung einer Option

Es gibt einen Sonderfall: Schüttet eine Aktiengesellschaft eine Sonderdividende aus, fällt der Dividendenabschlag für die Aktie entsprechend höher aus. Hier wird der Optionen-Trader dem Aktionär gleichgestellt.

Es gibt dann an den Terminbörsen eine entsprechende Berechnung. Diese führt dazu, dass Put Optionen und Call Optionen angepasst werden.

Typischerweise werden bei einer Option dann der Basispreis und die Anzahl in einem Kontrakt enthaltener Optionen so angepasst, dass kein Optionen-Trader einen Nachteil hat.

19. April 2010
von
michael_kelnberger
Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im TREND Investor und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

Infografik des Monats

Wahlversprechen Steuersenkung

Gratis Newsletter von GeVestor
Weitere Newsletter