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Entstehungsgeschichte der Zertifikate – Erfolg, Rückschlag, Korrekturen

Zertifikate sind aus dem Spektrum der Anlagemöglichkeiten nicht mehr wegzudenken. Privatanleger können in die verschiedensten Anlageklassen investieren und die komplexesten Strategien verfolgen.

In ihrer fast 25jährigen Geschichte wurden Zertifikate immer populärer und schafften es sogar in die täglichen Schlagzeilen der Medien, wenn auch unfreiwillig. Mit der Lehman Pleite hatten Anleger scharenweise Geld verloren. Seitdem setzen sie verstärkt auf Safe-Zertifikate mit Kapitalschutz.

Entstehungsgeschichte der Zertifikate: Risikostreuung

Insgesamt ist die Entstehungsgeschichte der Zertifikate eine Erfolgsstory. Der Grund dafür gilt nach wie vor: Die Vielfalt schafft Zugang zu den verschiedensten Anlageklassen. Als Anleger kann man sich den passenden Vermögensmix zusammenstellen. Die Risikostreuung ist der Schlüssel zur optimalen Chance-Risiko-Struktur.

Diese Erkenntnis geht auf den US-Ökonomen und Nobelpreisträger Harry M. Markowitz zurück. Er gilt als Vater der Portfoliotherie und zeigte in 1950er Jahren, wie Diversifikation Risiken minimiert und zugleich Rendite bringt. 1971 wurde in den USA der erste Indexfonds aufgelegt, mit dem institutionelle Investoren über ein Investment in alle Titel eines Index investieren konnten.

Antwort auf Einzelinvestments und gemanagte Fonds

Derweil mussten Privatanleger auch hierzulande ihre Risikostreuung mit verschiedenen Einzelinvestments bewerkstelligen. Dabei war eine Reihe von Märkten und Assetklassen überhaupt nicht zugänglich. Zudem waren viele mit der Feinjustierung im Depot überfordert.

Als Alternative gab es lediglich Investmentfonds. Damals wie heute kauft ein Fondsmanager einzelne Papiere und versucht ein Portfolio nachzubauen, das beispielsweise der Entwicklung des DAX entspricht.

Mit der Gewichtung von Einzeltiteln und Sektoren soll eine Überperformance erzielt werden. Die ist auch nötig, allein schon um die Transaktionskosten und Gebühren zu kompensieren. In der Regel verdiente vor allem der Fondsmanager.

Der Mangel an Anlagemöglichkeiten veranlasste die Banken in den 1980er Jahren, Optionsscheine anzubieten, mit denen man dank hoher Hebel auf die Entwicklung von Aktien und Indizes spekulieren konnte. Das Problem: Nicht jeder Privatanleger hatte Zugang zum Optionsmarkt und die Begeisterung für risikoreiche Derivate hielt sich in Grenzen.

Das erste DAX-Zertifikat

Folglich schlug 1989 die Geburtsstunde des ersten konservativen Anlagezertifikats, das den DAX 1:1 abbildete. Mit dem Indexzertifikat der Dresdner Bank konnten Anleger erstmals für wenig Geld auf die Performance der 30 DAX-Titel setzen, und zwar ohne einen Fondsmanager zu bezahlen.

Nach einer Anlaufphase kamen 1995 Zertifikate mit Sicherheitspuffer auf den Markt, Discountzertifikate. Allerdings, das Interesse war noch begrenzt. Alle wurden zunehmend vom Dotcom-Fieber gepackt und wollten mit High-Tech-Aktien reich werden. Als die Blase platzte, war die Lust am Risiko dahin.

Aufwind nach geplatzter Internet-Blase

Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, kamen 2003 die ersten Bonuszertifikate mit Sicherheitspuffer und die darauf folgenden Garantiezertifikate den verunsicherten Anlegern gerade recht. Sie erwiesen sich als Renner und veranlassten die Zertifikateindustrie immer neue Produkte für die verschiedensten Strategien aufzulegen.

Schlag auf Schlag wurde für wenig Einsatz ein Markt nach dem anderen zugänglich. Nach 5 Jahren standen die Anleger vor einem überwältigenden Angebot von über 300.000 Zertifikaten. Das Marktvolumen schnellte auf rund 140 Mrd. €.

Pleite, Krise, Korrektur

Die große Korrektur kam dann mit Ausbruch der Finanzkrise. Mit Lehman ging eine Bank pleite, die im großen Stil Zertifikate emittiert hatte, selbst dann noch, als die Zahlungsunfähigkeit unabwendbar wurde. Die massenhaften Verluste legten eine zentrale Schwachstelle offen: Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen womit das Anlegervermögen nicht vor Insolvenz geschützt ist.

Vom Rückschlag der Zertifikate profitierten vor allem ETFs, bei denen das Anlegergeld als Sondervermögen geschützt ist. Deren Marktvolumen schoss auf über 160 Mrd. €, während Zertifikate auf derzeit 88,7 Mrd. € abrutschten.

Dennoch, Zertifikate bieten nach wie vor eine enorme Vielfalt für alle Spielvarianten von Anlagestrategien. Wichtig ist vor allem, dass man die Bonität der Emittenten genau unter die Lupe nimmt.

2. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.