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Geldmengenpolitik als Geldschwemmenpolitik – Ausstieg mit Hürden

In Sachen Geldmengenpolitik gehen die EZB und die Fed nun verschiedene Wege. Während die Amerikaner ihr QE (Quantitative Easing) zurückfahren und die Zinsen langsam anheben, bleiben die Europäer bei ihrer Geldschwemmenpolitik mit Niedrigzinsen.

Anleger können sich bereits auf die Folgen einstellen und in die Startlöcher gehen: Der Dollar steigt, schon jetzt bringen 10jährige US-Staatsanleihen doppelt so viel wie deutsche. Außerdem dürften zyklische Aktien und Titel von Exportunternehmen zulegen, die unter dem starken Euro litten.

Geldmengenpolitik: Deflationssorgen statt Inflation

Die Unterschiede in der künftigen Geldmengenpolitik erklären sich vorwiegend mit den Rahmendaten. In Amerika läuft der Wirtschaftsmotor langsam rund. Im Euroraum muss er noch auf Touren kommen, besonders in den südlichen Ländern.

Deshalb hat die EZB kürzlich erneut ein 400-Milliarden-Programm aufgelegt, um endlich die Kreditvergabe anzukurbeln. Denn was nützt die Geldmengenpolitik, wenn die Banken ihr Geld nicht an die Unternehmen weitergeben.

Damit wird übrigens die Logik der Monetaristen untergraben, der zufolge die Geldmengenausweitung längst in der Inflation hätte enden müssen. Dass die Banken auf ihrem Geld sitzen, ist in dem Modell nicht vorgesehen.

Stattdessen bereiten sinkende Preise Sorgen vor einer Deflation. Wie schwer es ist, aus einer Deflationsspirale herauszukommen, zeigt das Beispiel Japan. Ab 1992 fuhr das Land im Rückwärtsgang.

Deflation – Japans Erfahrungen

Als auch 2002 die ewige Nullzinspolitik keine Wirkung zeigte, versuchte es die Bank of Japan mit zusätzlicher Geldmengenausweitung. Ob die letztlich die Wende gebracht hat, ist umstritten. Immerhin hatten auch die japanischen Banken ihr Geld bei der Zentralbank gehortet.

Insofern bleibt für den Euroraum der Blick auf geschichtliche Parallelen: Als Japans Konjunktur ansprang, schien die extensive Geldmengenpolitik zu greifen. 2006 war das Thema durch. Die Staatsverschuldung ist geblieben.

Es bleibt aber auch die Erkenntnis, dass fehlende Inflation kein Garant für finanzielle Stabilität ist. Die Eurokrise lässt grüßen. Der EZB jedenfalls bleibt wenig anderes, als Wasser zu liefern, um das Konjunkturpflänzchen zu gießen. Wenn zudem über einen stärkeren Dollar etwas Inflation in die Eurozone importiert wird, nimmt die Deflationsgefahr ab.

Inflationsgefahr an den Finanzmärkten

Dass die Geldmengenpolitik bisher keine Inflation verursacht hat, stimmt aber nur zum Teil. An den Finanzmärkten zeigen sich durchaus inflationäre Tendenzen. Auch wenn die Entwicklung bislang noch im Rahmen blieb, die Gefahr von Blasen wird zunehmend ernst genommen.

„Die Zentralbanken müssen bei ihrer Geldmengenpolitik Blasenbildungen mit im Blick haben“, meinte jüngst Finanzminister Schäuble. Die EZB hat diesen Ball nicht aufgefangen.

Dafür spielt die Fed das Thema hoch. US-Notenbank-Chefin Janet Yellen warnte vor Übertreibungen und spielte auf jüngste Skandale im Bereich Soziale Medien an.

So war etwa die Aktie des Ein-Mann-Unternehmens Cynk ohne irgendwelche Umsätze um sagenhafte 36.000% geklettert, als die SEC die Reißleine zog. Und beim Börsen-Highflyer Gowex platzte die Blase, als klar wurde, dass die Bilanzen gefälscht waren.

Die Fed reagiert

Mit derartigen Exzessen hatte die Fed-Chefin eine Steilvorlage, um die Märkte auf den Ausstieg aus dem Suchtmittel der lockeren Geldmengenpolitik einzustimmen. Blasenalarm gibt es aber nicht nur im Bereich Dot.com2.0, sondern auch im Immobiliensektor. Anders als die EZB reduziert die Fed schon seit einem halben Jahr ihre Anleihenaufkäufe und sieht ein baldiges Ende von Geldschwemme und Nullzinsen.

Geldsorgen wegen Überschuss

Die größte Herausforderung für die Notenbank aber bleibt die Frage, wie sich ihre aufgeblähte Bilanzsumme schonend zurückfahren lässt. Wohin also mit dem Geldhaufen von 4,3 Billionen $ an Staatsanleihen?

Das Problem: Ein rascher Verkauf am Markt könnte ungewollte Verwerfungen nach sich ziehen, Zinsen in die Höhe treiben und Kreditnehmern das Leben schwer machen. Ähnlicher Zündstoff steckt in den 2,54 Billionen Bankeinlagen bei der Fed, die über den nötigen Mindestreserven für Kredite liegen. Die geplante Zinserhöhung dürfte auch hier für Verwerfungen sorgen.

All das zeigt, wie schwierig es ist, aus einer exzessiven Geldmengenpolitik auszusteigen. Die Anleger hierzulande dürften jedenfalls schon bald feststellen, dass institutionelle Investoren in amerikanische Aktien umschichten. Mit anhaltender Konjunkturbelebung werden US-Firmen deutlich mehr verdienen und die europäische Konkurrenz abhängen.

31. Juli 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.