Aktien: Definition, Arten, Strategien und Kennzahlen

Text "Aktienwissen für Anfänger" mit Grafik einer Person vor Diagrammen. Helle, grüne und gelbe Farben.
Inhaltsverzeichnis

Aktien sind weit mehr als nur zuckende Kurven auf einem Monitor. Sie sind der direkte Weg für Anleger, unternehmerisch tätig zu werden, ohne selbst eine Firma gründen zu müssen. Wer die Mechanismen der Börse versteht, kann Kursschwankungen richtig einordnen und langfristig Vermögen aufbauen.

Doch der Markt ist im stetigen Wandel: Während Anleger vor wenigen Jahren noch mit Nullzinsen kämpften, haben wir es im Januar 2026 mit einem völlig veränderten Zinsumfeld zu tun. Dieser Artikel liefert Ihnen das notwendige Fundament – von der Definition bis zur Profi-Strategie – um in der heutigen Marktphase erfolgreich zu navigieren.

Das Wichtigste zum Handel mit Aktien im Überblick

Aktie: Anteil an einem Unternehmen bzw. einer Aktiengesellschaft (AG)

Handel: Über Börsen weltweit möglich

Wer: Private & institutionelle Anleger

Wie: Depot bei Bank oder Online-Depot / Depot im Online-Banking

Sinn: dienen als Finanzierungs-, als auch Anlage- und Spekulationsobjekt

Risiko: Kursverluste möglich

Chancen: Vor allem bei langfristigen Investments gute Gewinne möglich

Definition: Was ist eigentlich eine Aktie?

Um an der Börse erfolgreich zu sein, muss das Grundverständnis sitzen. Eine Aktie (oft auch als „Wertpapier“ oder „Anteilsschein“ bezeichnet) verbrieft einen Bruchteil am Eigenkapital eines Unternehmens.

Sobald Sie eine Aktie kaufen, werden Sie zum Miteigentümer – zum Aktionär. Sie sind nicht nur Kunde oder Zuschauer, sondern Gesellschafter. Damit gehen Rechte und Pflichten einher. Sie profitieren vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens (durch Kurssteigerungen und Gewinnausschüttungen), tragen aber auch das unternehmerische Risiko bis hin zum Totalverlust, sollte die Firma insolvent gehen.

Wer gibt Aktien heraus?

Nur Unternehmen mit bestimmten Rechtsformen können diesen Weg der Kapitalbeschaffung gehen:

  • Aktiengesellschaft (AG)
  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)
  • Europäische Gesellschaft (SE)

Für diese Kapitalgesellschaften ist die Ausgabe von Aktien (die sogenannte Emission) ein zentrales Finanzierungsinstrument. Anstatt einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen, holen sie sich Eigenkapital direkt von Investoren an der Börse. Dieses Grundkapital muss die Firma nicht zurückzahlen – es gehört ihr.

Der Börsenhandel: Von der Geschichte zur digitalen Gegenwart

Das Wort „Aktie“ leitet sich vom lateinischen actio („Handlung“, „rechtlicher Anspruch“) ab. Die Idee, Risiken und Gewinne auf viele Schultern zu verteilen, ist Jahrhunderte alt.

Ein Blick in die Historie

Historisch gesehen gilt die Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC) als Vorreiter. Im Jahr 1603 gab sie als erstes Unternehmen Aktien an fremde Aktionäre aus. Die Amsterdamer Börse (1612) etablierte kurz darauf den dauerhaften Handel. In Deutschland dauerte es etwas länger: Die erste deutsche Aktiengesellschaft entstand 1682, und der organisierte Handel in Frankfurt begann 1871.

Wie der Handel heute funktioniert (Update 2026)

Früher trafen sich Börsenmakler physisch auf dem Parkett, riefen Preise und tauschten Papierstücke aus. Heute läuft der Großteil des Handels digital ab. Die Aktien selbst lagern sicher verwahrt in sogenannten Sammelurkunden bei Wertpapiersammelbanken (in Deutschland bei der Clearstream Banking AG). In Ihrem Depot sehen Sie lediglich den digitalen Buchungsposten.

Ein entscheidender Wandel hat in der Preisfeststellung stattgefunden. Während früher sogenannte „Skontroführer“ die Kurse manuell ermittelten, hat sich die Struktur modernisiert:

  1. Xetra-Handel: Der elektronische Handel dominiert. Hier bringen Computer Kauf- und Verkaufsorders automatisch zusammen.
  2. Parketthandel & Spezialisten: An der Börse Frankfurt wurden die Skontroführer bereits im Mai 2011 durch Spezialisten ersetzt. Diese betreuen den Handel, stellen Liquidität sicher und ermitteln Preise dort, wo der vollautomatische Handel Unterstützung benötigt.

Marktteilnehmer im Überblick

  • Emittenten: Unternehmen, die Aktien ausgeben (z. B. Siemens, SAP).
  • Investoren: Privatanleger (Sie) und institutionelle Anleger (Fonds, Versicherungen).
  • Intermediäre: Banken und Broker, die Ihre Orders weiterleiten.
  • Handelsplätze: Börsen (Frankfurt, New York) oder außerbörsliche Plattformen.

In Deutschland orientieren sich Anleger oft am DAX (Deutscher Aktienindex). Er enthält die 40 größten Unternehmen. Dauerbrenner sind hier Werte wie SAPSiemens oder die Allianz. Frühere DAX-Größen wie die Lufthansa sind mittlerweile (Stand 2026) im MDAX gelistet, was zeigt: Kein Indexplatz ist für die Ewigkeit garantiert.

Aktienarten: Kennen Sie Ihre Rechte

Nicht jede Aktie ist gleich. Das Aktienrecht erlaubt Unternehmen, verschiedene Gattungen auszugeben. Hier sind die wichtigsten Unterscheidungen für Ihre Strategie:

1. Nach Stimmrecht: Stamm- vs. Vorzugsaktien

  • Stammaktien: Der Klassiker. Sie haben ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung und können bei Unternehmensentscheidungen mitreden.
  • Vorzugsaktien: Sie besitzen hier kein Stimmrecht. Als „Entschädigung“ erhalten Sie jedoch meist eine etwas höhere Dividende als die Stammaktionäre. Für reine Renditejäger oft die attraktivere Wahl.

2. Nach Übertragbarkeit: Inhaber- vs. Namensaktien

  • Inhaberaktien: Sie lauten auf den Inhaber. Wer sie besitzt, kann die Rechte ausüben. Die Übertragung ist simpel und anonym.
  • Namensaktien: Der Eigentümer wird in das Aktienregister der Gesellschaft eingetragen. Das Unternehmen kennt seine Aktionäre, was die Kommunikation erleichtert, aber die Anonymität aufhebt.

3. Nach Unternehmensanteil: Nennwert- vs. Stückaktien

  • Nennwertaktien: Sie lauten auf einen festen Geldbetrag des Grundkapitals (mind. 1 €).
  • Stückaktien: Sie sind heute der Standard. Sie repräsentieren einen prozentualen Anteil am Unternehmen („nennwertlos“). Steigt das Grundkapital, steigt der rechnerische Anteilswert.

Bewertung verstehen: Nennwert, Buchwert & Börsenwert

Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Hier die klare Abgrenzung:

  • Nennwert: Der rein rechnerische Anteil am Grundkapital (z.B. 1 € pro Aktie).
  • Buchwert: Das Eigenkapital des Unternehmens geteilt durch die Anzahl der Aktien. Er zeigt, was die Aktie „in den Büchern“ wert ist.
  • Börsenwert (Marktkapitalisierung): Der Preis, den der Markt aktuell zahlt. Formel: Anzahl der Aktien × aktueller Aktienkurs.

Wie entsteht der Aktienkurs?

Der Kurs ist der Preis, zu dem eine Aktie gehandelt wird. Er ist keine willkürliche Zahl, sondern das Ergebnis von Angebot und Nachfrage.

Die Preisfeststellung im Detail: Im modernen Handel (z.B. über das Xetra-System oder durch die Spezialisten im Parketthandel) wird geprüft: Bei welchem Preis kann der größte Umsatz erzielt werden? Wo treffen sich die meisten Kauf- und Verkaufswünsche? Dieser Preis wird als Kurs festgestellt.

Steigt die Nachfrage (weil das Unternehmen tolle Produkte hat oder die Zinsen sinken), steigt der Kurs. Wollen viele verkaufen (z.B. wegen schlechter Quartalszahlen), fällt er.

Warum 2026 in Aktien investieren?

Der Blick auf die aktuelle Marktlage im Januar 2026 ist entscheidend. Während Anleger in den frühen 2020er Jahren durch Nullzinsen fast gezwungen waren, in Aktien zu gehen („TINA“ – There Is No Alternative), haben wir heute wieder Alternativen durch höhere Zinsen auf Festgeld oder Anleihen.

Dennoch bleiben Aktien unverzichtbar:

  1. Inflationsschutz: Unternehmen können Preise erhöhen und so Inflation ausgleichen. Sachwerte schlagen langfristig Geldwerte.
  2. Rendite: Trotz gestiegener Zinsen bieten Aktien historisch gesehen die höchste Durchschnittsrendite (ca. 7–8 % p.a. global).
  3. Teilhabe: Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist stabil hoch. Aktuelle Statistiken des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zeigen, dass sich die Zahl der Aktienbesitzer auch 2025/2026 auf einem Niveau von ca. 12 bis 13 Millionen hält. Die Aktienkultur hat sich etabliert.

Praxis-Guide: So kaufen Sie Ihre erste Aktie

Der Prozess ist heute einfacher denn je. Sie benötigen lediglich ein Wertpapierdepot.

  1. Depot eröffnen: Wählen Sie zwischen einer klassischen Filialbank (mehr Service, höhere Gebühren) oder einem Online-Broker / Neobroker (günstig, per App steuerbar).
  2. Order aufgeben: Über die Ordermaske suchen Sie die Aktie per WKN (Wertpapierkennnummer) oder ISIN.
  3. Handelsplatz wählen: Xetra, Tradegate, Börse Frankfurt oder Direkthandel.

Wichtige Orderzusätze (Limit vs. Market)

Ein Fehler, den viele Einsteiger machen, ist die Wahl der falschen Orderart:

  • Market Order (Billigst/Bestens): Die Order wird sofort zum nächstbesten Preis ausgeführt. Achtung: Bei schwankenden Märkten kann der Preis ungünstiger sein als gedacht.
  • Limit Order: Sie setzen eine Preisgrenze (z.B. „Kaufe maximal für 100 €“). Die Order wird nur ausgeführt, wenn dieser Preis erreicht oder unterschritten wird. Profi-Tipp: Nutzen Sie fast immer Limit-Orders, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Strategien für den Erfolg: Lernen von Warren Buffett

Erfolgreicher Aktienhandel ist kein Glücksspiel, sondern Strategie. Warren Buffett, der wohl bekannteste Investor der Welt, prägte Prinzipien, die auch 2026 gelten:

  • Circle of Competence: Investieren Sie nur in Geschäftsmodelle, die Sie verstehen.
  • Burggraben (Moat): Suchen Sie Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen (starke Marke, Patente), die Konkurrenz fernhalten.
  • Langfristigkeit: „Hin und Her macht Taschen leer.“ Versuchen Sie nicht, den Markt kurzfristig zu schlagen (Market Timing). Halten Sie gute Unternehmen über Jahre.
  • Sicherheitsmarge: Kaufen Sie, wenn die Bewertung günstig ist, nicht wenn der Hype am größten ist.

Die wichtigsten Kennzahlen (KPIs) zur Aktienanalyse

Sie müssen kein Bilanzbuchhalter sein, aber diese vier Kennzahlen sollten Sie prüfen, bevor Sie auf „Kaufen“ klicken:

1. KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Das KGV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie.

  • Bedeutung: Wie viele Jahre dauert es, bis das Unternehmen seinen Wert durch Gewinne wieder eingespielt hat?
  • Faustformel: Ein KGV unter 15 gilt oft als günstig, über 25 als teuer (branchenabhängig!). Ein KGV von 20 bedeutet: Sie zahlen das 20-fache des Jahresgewinns für die Aktie.

2. KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis)

Das KBV vergleicht den Kurs mit dem Substanzwert (Eigenkapital) des Unternehmens.

  • Bedeutung: Ein KBV unter 1 kann bedeuten, dass das Unternehmen an der Börse weniger kostet als seine Einzelteile wert sind – ein klassisches Signal für „Value-Investoren“.

3. Eigenkapitalquote

  • Bedeutung: Zeigt, wie viel Prozent des Unternehmenskapitals eigenes Geld ist. Eine hohe Quote (z.B. > 40%) signalisiert Stabilität und Krisenfestigkeit, drückt aber manchmal auf die Eigenkapitalrendite.

4. Dividendenrendite

Viele AGs schütten Teile des Gewinns aus. Die Dividendenrendite zeigt den Ertrag im Verhältnis zum Kurs.

  • Formel: (Dividende ÷ Aktienkurs) × 100.
  • Vorsicht: Eine extrem hohe Dividendenrendite kann auch ein Warnsignal sein, wenn der Aktienkurs zuvor stark eingebrochen ist.

Kapitalmaßnahmen: Split und Kapitalerhöhung

Manchmal ändert sich die Struktur Ihrer Aktien, ohne dass Sie handeln:

  • Aktien-Split: Eine Aktie ist optisch zu „teuer“ (z.B. 1.000 €). Das Unternehmen splittet sie im Verhältnis 1:10. Sie haben dann 10 Aktien zu je 100 €. Der Gesamtwert bleibt gleich, aber die Aktie wirkt günstiger und ist leichter handelbar.
  • Kapitalerhöhung: Das Unternehmen braucht frisches Geld und gibt „junge Aktien“ aus. Altaktionäre erhalten oft Bezugsrechte, um ihren prozentualen Anteil nicht verwässern zu lassen.

Fazit: Psychologie ist der Schlüssel

Aktienhandel ist technisch einfach, aber psychologisch fordernd. Die größte Hürde ist oft der Anleger selbst. Politische Börsen, Zinsentscheidungen der Zentralbanken oder Quartalszahlen sorgen für Volatilität.

Die Kunst besteht darin, diese Schwankungen „auszusitzen“. Wer 2026 in solide Unternehmen investiert, breit streut und einen langen Atem mitbringt, hat die besten Chancen, vom langfristigen Wachstum der Weltwirtschaft zu profitieren. Lassen Sie sich nicht von Gier treiben, wenn die Kurse steigen, und nicht von Angst, wenn sie fallen. Eine fundierte Analyse anhand der hier genannten Kennzahlen ist Ihr bester Ratgeber.