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Werden Sie zum Value-Anleger: Investieren Sie in substanzstarke Aktien

In der Tagesschau und anderen Medien stand Anfang 2015 groß im Mittelpunkt, dass der deutsche Leitindex DAX mit 11.000 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht hat. Aber was bringt Ihnen diese Meldung?

Wer immer nur auf die hektischen Tagesschwankungen schaut, verliert den Überblick. Denken Sie bei der Aktienanlage stets daran, dass es einen Unterschied zwischen dem Preis (das ist der aktuelle Aktienkurs) und dem Wert (das ist der fundamental berechnete Wert) einer Aktie gibt. Die Preise sind kurzfristig unberechenbar, aber der Wert entscheidet am Ende über Ihren Gewinn oder Verlust.

Diese Sichtweise der Börse wird auch Value-Investing genannt. Während des Aktien-Booms der späten 90er-Jahre (in Deutschland löste der „Neue Markt“ wilde Börsenphantasien aus) suchte nur eine kleine Minderheit von Anlegern nach Aktien, deren Kurs unter ihrem fairen und fundamental berechenbaren Wert lag (was genau das bedeutet, erfahren Sie gleich).

Diese Anleger vermieden rückblickend Verluste, die die meisten anderen hinnehmen mussten, die an der Börse zu dieser Zeit hohe Risiken akzeptierten. Während die Zocker und Spekulanten kurzfristig mit hohen (Buch-)Gewinnen prahlen konnten und im Crash alles verloren, hatten diejenigen, die der konservativen Value-Strategie gefolgt waren, langfristig die Nase vorn. Doch was ist genau die Value-Strategie?

Value-Strategie und Value-Investoren

Die Value-Investoren verlassen sich nur auf die Fundamentalanalyse der finanziellen Daten eines Unternehmens und laufen nicht den kurzfristigen Modetrends der Börse hinterher. Value-Investoren versuchen Aktien zu finden, deren Kurse unter ihrem fairen Wert liegen.

Wenn nach Ansicht von Value-Investoren Aktienkurse unter dem fairen Wert einer Aktie liegen, ist damit Folgendes gemeint: Der aktuelle Kurs liegt unter dem Wert der künftigen Cashflows eines Unternehmens. Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass die erwarteten künftigen Cash-Zuflüsse des Unternehmens einen höheren Aktienkurs rechtfertigen.

Die Unterscheidung zwischen dem Kurs und dem Wert einer Aktie ist ein entscheidendes Abgrenzungsmerkmal gegenüber so gut wie allen anderen Anlagestrategien an der Börse. Denn die Anhänger der anderen Anlagestrategien gehen davon aus, dass der Kurs einer Aktie identisch mit dem Wert einer Aktie ist.

Warren Buffett (der bekannteste Value-Anleger und zugleich der erfolgreichste Aktien-Investor aller Zeiten) sagt dazu: „Price is what you pay. Value is what you get“. Übersetzt bedeutet das: Der Preis ist, was du bezahlst und der Wert ist, was du bekommst.“


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Value-Investoren kaufen eine Aktie, wenn der aktuelle Aktienpreis unter dem berechneten Wert liegt. Daher gilt: Kaufe eine Aktie, die einen Dollar wert ist, für 50 Cent! So einfach ist die Value-Strategie.

Die Geschichte der Value-Strategie

Die Geschichte der Value-Strategie beginnt in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Amerikaner Benjamin Graham und David L. Dodd lehrten zu dieser Zeit an der Columbia University und gelten als die „Erfinder“ dieser Strategie.

Benjamin Grahams Buch „The Intelligent Investor“ ist das klassische Werk zum Thema Value-Investing. Graham gilt als der Achitekt und zugleich wichtigster Vertreter dieser Anlagephilosophie. „The Intelligent Investor“ erschien erstmals im Jahr 1949 und ist auch in deutscher Sprache unter dem Titel „Intelligent Investieren“ erhältlich.

Ein weiterer von Graham – allerdings in Zusammenarbeit mit David L. Dodd – verfasster Klassiker des Value-Investing ist das bereits im Jahr 1934 erstmals veröffentlichte Buch „Security Analysis“. Dieses geht noch etwas mehr in die Tiefe als „The Intelligent Investor“ und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Bilanzen von Unternehmen.

Dieses Werk ist in deutscher Sprache unter dem Titel „Das Geheimnis der Wertpapieranalyse“ erhältlich. Richtig bekannt wurde die Value-Strategie allerdings erst einige Jahrzehnte später. Einer der Hauptverantwortlichen für die Steigerung des Bekanntheitsgrades ist Warren Buffett, der ein Schüler von Benjamin Graham war und – wie schon erwähnt – als erfolgreichster Börsen-Investor aller Zeiten gilt.

Buffett hat mit der Value-Strategie den US-Leitindex S&P 500 in den vergangenen 48 Jahren 39-mal geschlagen und dabei den Wert seiner Beteiligungsgesellschaft um durchschnittlich 19,7% pro Jahr (!) gesteigert. Über einen Zeitraum von fast 50 Jahren ist das eine sensationelle Leistung und alles andere als ein Zufallstreffer (zu den besten Buffett-Aktien gehört übrigens Coca-Cola).

Wachstum und Value

Bereits in den späten 50er-Jahren praktizierte Philip A. Fisher eine abgewandelte Form des Value-Investings. Er setzte auf Unternehmen, deren Gewinnzuwachs versprach, den inneren (also eigentlichen und vom Kurs unabhängigen) Wert einer Aktie schnell zu erhöhen.

Man spricht bei dieser Strategie von Wachstums-Investoren. Die Anlage-Strategien der Value- und der Wachstums- Investoren überschneiden sich in wichtigen Punkten. Beide Strategien vertreten die Ansicht, dass der Kurs einer Aktie nicht zwangsläufig den Wert einer Aktie widerspiegelt.

Es gibt aber auch einen großen Unterschied: Die Value-Investoren betrachten die veröffentlichten (Bilanz-)Werte und vergleichen diese mit dem aktuellen Kurs. Wachstums-Investoren betrachten die erwarteten Werte, die sich aus dem Wachstum ergeben, und vergleichen diese mit dem Kurs.

Prinzipien der Value-Strategie

Der Fondsmanager Frank Fischer gilt als einer der erfolgreichsten Value-Investoren in Deutschland. Er hat 4 Grundsätze erstellt, die ein Value-Anleger seiner (und meiner) Einschätzung nach beachten sollte:

1. Die „Sicherheitsmarge“

Der Kaufpreis sollte deutlich unter dem berechneten inneren Wert der Aktie liegen. Das ist immer dann besonders gewinnbringend, wenn nervöse Aktionäre in Panik verkaufen und dadurch für „Ausverkaufspreise“ sorgen. „Crash-Phasen“ sind also traumhafte Aktien-Kauf-Zeiten für Value-Investoren.

2. Von Schwankungen profitieren

Die so oft beschriebenen „effizienten Märkte“ existieren nur phasenweise. Als Value-Investor sollten Sie bestrebt sein, Preisschwankungen zu Ihren Gunsten zu nutzen. Wenn andere Anleger gierig werden, sollten Sie verkaufen und wenn andere Anleger Angst haben und sich in Panik von ihren Aktien trennen, sollten Sie bei unterbewerteten Aktien auf der Käuferseite stehen.

3. Das „Unternehmens-Eigentümer-Konzept“

Denken Sie als Investor langfristig – wie ein guter Unternehmer. Sie sollten zu einem guten Preis in ein gutes Management und gute Produkte investieren.

4. Das „Burggraben-Prinzip“

Das richtige Unternehmen für Ihr Investment sollte über einen Burggraben verfügen. Gemeint ist damit eine Marktposition, die dauerhafte Wettbewerbsvorteile garantiert.

Fazit: Passende Aktien und Fonds

Mit den 3 Value-Aktien Nestlé, Coca-Cola und Reckitt Benckiser und dem Frankfurter Aktienfonds (unter Führung von Frank Fischer) haben Sie den Value-Bereich in Ihrem Depot sehr gut abgedeckt.

3. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.