Auto1 Group-Aktie kommt auch nach Geschäftszahlen nicht vom Fleck

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Auto1-Aktie kommt auch nach Quartalszahlen nicht in die Gänge: Hohe Investitionen sorgen weiter für Verluste. Verkäufe der Altaktionäre sorgen zusätzlich für Verunsicherung bei den Anlegern (Foto: piter2121 / Adobe Stock)

Die Euphorie nach dem Börsengang des Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 ist längst verflogen. Inzwischen hat sich die Aktie von Ihren Höchstkursen von 53 Euro wieder deutlich entfernt. Nach Vorlage der finalen Geschäftszahlen für das zweite Quartal rutschten die Auto1-Papiere sogar auf unter 31 Euro und erreichten damit ein neues Allzeittief. Die Erstzeichner, die vor wenigen Monaten beim Börsengang zu 38 Euro das Stück zugriffen, dürften damit alles andere als zufrieden sein.

Autokauf vom Sofa aus

Auto1 ist ein Technologieunternehmen, das sich auf den Onlinekauf und -verkauf von Gebrauchtwagen spezialisiert. Mit der vertikal integrierten Plattform wirkaufendeinauto.de bietet Auto1 einen schnellen und einfachen Weg, Autos zu verkaufen. Das im Jahr 2012 gegründete Unternehmen betreibt mit der Händlermarke Auto1 Europas größte Handelsplattform für den professionellen Autohandel. Mit der Handelsmarke Autohero können Verbraucher bequem Gebrauchtwagen online verkaufen.

Online-Gebrauchtwagenhändler mit Rekordquartal

Lassen Sie uns nun einen Blick auf die Geschäfte im zweiten Quartal werfen: Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich kräftig um 164% auf 1,07 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorquartal erreichte Auto1 ein Umsatzplus von 18%. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum über die Gebrauchtwagen-Plattform 143.000 Fahrzeuge abgesetzt. Das entspricht 10% mehr als im Vorquartal.

Hoher Verlust im ersten Halbjahr

Trotz des hohen Wachstums verharrt Auto1 weiter in der Verlustzone: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei -23 Millionen Euro und damit um 13 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau.

Prognose bleibt bestehen

Für das Gesamtjahr peilen die Berliner einen Umsatz zwischen 4 und 4,4 Milliarden Euro an. Das sind nochmals 100 Millionen Euro Umsatz mehr als bei der Prognose, die bis Anfang August Bestand hatte. Die bereinigte Ebitda-Marge wird im Gesamtjahr bei –2,5 bis –3 % statt im zunächst angepeilten Korridor von –2 % bis –2,5 % erwartet.

Hohe Investitionen für Autohero

Unterdessen will Auto1 die Investitionen hochschrauben. Dabei soll vor allem in die Marke Autohero investiert werden. Über die Sparte Autohero sollen 38 000 bis 43 000 Autos verkauft werden, während Auto1 bisher mit 32 000 bis 38 000 gerechnet hatte.

Zudem hatte der Konzern gerade die Inbetriebnahme seines ersten Aufbereitungszentrums im bayerischen Hemau bei Nürnberg bekanntgegeben. Dort sollen zukünftig 16.000 Fahrzeuge pro Jahr für die Verkaufsplattform Autohero in Schuss gebracht werden.

Fehlendes Vertrauen der Anleger

Auch wenn das Unternehmen weiter stark wächst, das Vertrauen der Anleger scheint zu fehlen. Das dürfte auch an den großen Aktienverkäufen der Altaktionäre liegen. Zum Hintergrund: Zuletzt trennte sich DN Capital von 2 Millionen Anteilscheinen. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus.

Auto1 ist jedenfalls in der Bringschuld und muss nun beweisen, dass man mit dem Online-Autokauf auch unter dem Strich Geld verdienen kann.

Dass dies geht, hat gerade der US-Wettbewerber Carvana eindrucksvoll bewiesen. Nach einem Umsatzsprung von beinahe 200% auf 3,34 Milliarden Dollar im zweiten Quartal hat der Platzhirsch erstmals in der Firmengeschichte die Gewinnschwelle geknackt. Kein Wunder also, dass sich auch der Carvana-Kurs seit dem Jahreswechsel mit +37% deutlich besser als der Leitindex für US-Aktien (S&P 500) entwickelt hat.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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