BMW ausgebremst durch Deutsche Bahn

BMW ausgebremst durch Deutsche Bahn
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Es muss nicht immer Corona oder Chipmangel sein. Zuletzt hat es ein sehr deutsches Problem geschafft, die Produktion bei BMW lahmzulegen: Auslöser war ein Oberleitungsschaden bei der Bahn im Raum Landshut. Dieser hatte den Bahnverkehr in der Region für mehrere Tage weitgehend lahmgelegt.

1.600 Autos nicht fertiggebaut

Aus dem Werk in Dingolfing – der größten Fertigungsstätte von BMW in Europa – konnten deswegen tagelang die fertig montierten Autos nicht abtransportiert werden. Somit fehlte schlichtweg der Platz, um weitere Fahrzeuge fertigzustellen. Früh- und Spätschicht in beiden Montagehallen fielen deswegen aus, rund 1.600 Autos konnten vorerst nicht fertig montiert werden.

Inzwischen fährt die Bahn wieder und somit rollen auch die BMWs nach und nach vom Werksgelände, um an Händler und Kunden weitertransportiert zu werden. Ab dem heutigen Dienstag soll die Produktion in Dingolfing dann wieder normal anlaufen. Der Ausfall soll innerhalb einiger Wochen aufgeholt werden, so das Unternehmen – vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren Ausfällen ähnlicher Art.

Fehlende Bauteile, rückläufige Absatzzahlen

In den vergangenen Monaten hatten vor allem fehlende Bauteile immer wieder für einen Stillstand der Produktion bei etlichen Autoherstellern gesorgt. Die Chipkrise bereitet der Branche bereits seit rund einem Jahr Kopfzerbrechen, zumal in den immer stärker gefragten Elektrofahrzeugen ein Vielfaches an Halbleitern verbaut wird im Vergleich zu klassischen Verbrennern. Doch auch andere Rohstoffe und Vorprodukte sind aktuell Mangelware, die globalen Lieferketten höchst störanfällig und gerade die Autobauer mit ihren Just-in-Time-Prozessen dementsprechend stark betroffen.

Gleich mehrfach musste auch BMW deswegen schon rückläufige Absatzzahlen verbuchen. Dass darunter die Gewinne bisher nicht gelitten haben, liegt vor allem an höheren Margen: Hochpreisige Modelle werden bevorzugt gefertigt, die wenigen vorhandenen Bauteile vorrangig hier verbaut. Zudem gibt es lange Wartezeiten für Neufahrzeuge, Rabatte müssen von Seiten der Hersteller dagegen kaum gewährt werden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem – noch.

Kehren bald die Preisnachlässe im Autohaus zurück?

Denn Inflationsdynamik und Rezessionsängste schüren zunehmend Sorgen in der Branche. Die Kaufkraft vieler Haushalte ist nicht zuletzt wegen der Energiekrise schon jetzt arg geschmälert, größere Anschaffungen werden deswegen womöglich eher verschoben.

Zwar dürften Kunden, die sich für einen fabrikneuen BMW entscheiden, von den Auswirkungen weniger stark betroffen sein. Doch viele Beobachter gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit wieder stärkere Preisnachlässe gewährt werden müssen. Angesichts steigender Material- und Transportkosten und weiterhin unter dem Eindruck bestehender Engpässe vor allem am Halbleitermarkt könnte sich das früher oder später auch in den Bilanzen der Autobauer niederschlagen.

BMW Aktie im Plus: Goldman Sachs hebt Kursziel an

Frische Zahlen für das abgelaufene zweite Quartal legen die Münchener am 3. August vor und damit ein paar Tage später als die anderen großen deutschen Hersteller, die bereits Ende Juli den nächsten turnusmäßigen Einblick in ihre Geschäftsbücher gewähren.

In der vergangenen Woche hatte ein positiver Analystenkommentar die BMW Aktie angeschoben: Die US-Investmentbank Goldman Sachs hob das Kursziel von 98 auf 103 Euro an und bekräftigte die bestehende Kaufempfehlung. Zwar rechnet die Studie für Q2 mit einer schwächeren Margenentwicklung wegen höherer Kosten und Ausfällen bei der Produktion – Stichwort Corona-Lockdowns in China. Doch positive Auswirkungen erwarten die Experten für BMW nicht zuletzt durch die volle Konsolidierung von BMW Brilliance Automotive (BBA).

BBA-Beteiligung aufgestockt – gut für kurzfristige Bilanz und langfristige Strategie

Anfang des Jahres hatte BMW die Genehmigung erhalten, seine Anteile an dem Joint Venture mit dem chinesischen Partner Brilliance China Automotive deutlich aufzustocken. Damit halten die Münchener nunmehr 75 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen BBA, der entsprechende Kooperationsvertrag wurde zudem bis 2040 verlängert.

Die Neubewertung sorgt auf dem Papier für ein kräftiges Plus bei BMW. Für das laufende Jahr rechnet BMW allein dadurch mit einem Zugewinn von 7 bis 8 Milliarden Euro. Analysten verweisen zudem auf günstige Wechselkurseffekte, die die Zahlen der Münchener noch stärker aufpolieren dürften.

Für BMW ist die Ausweitung des Engagements bei BBA jedoch nicht nur für die Bilanz von Nutzen. Sie dient vor allem der strategischen Ausrichtung mit (noch) stärkerem Fokus auf China. Das Reich der Mitte ist für BMW bereits seit Jahren der wichtigste Einzelmarkt. Um hohe Transport- und Zollkosten künftig besser zu umgehen, plant der Autobauer, seine Produktionskapazitäten in China weiter auszubauen. Bestehende Standorte sollen erweitert und zusätzliche komplett neue Fabriken gebaut werden.

BMW Aktie seit Ukraine-Krieg unter Druck

Die BMW Aktie, die noch im Januar ein Jahreshoch von knapp über 100 Euro erzielt hatte, hat sich vom Ukraine-Schock Ende Februar noch nicht erholt. Zuletzt kostete das Papier rund 75 Euro. Das Gros der Analysten hält eine Bewertung im dreistelligen Bereich jedoch für realistisch, die Kursziele seit der Vorlage der letzten Quartalszahlen im Mai bewegen sich oftmals zwischen 100 Euro (Bernstein Research, Jefferies, Barclays) und 112 Euro (Credit Suisse).

Etwas weniger optimistisch zeigte sich zuletzt die Schweizer Großbank UBS, die ihre neutrale Einstufung mit Kursziel 81 Euro für die BMW Aktie Anfang Juli bekräftigte. Zwar rechnen die Analysten hier mit einer starken Q2-Bilanz und einem positiven Ausblick für das zweite Halbjahr, warnen jedoch für die kommenden beiden Jahre vor negativen Effekten der makroökonomischen Einflüsse wie etwa dem Zinsumfeld und den eingetrübten Konjunkturaussichten, die nicht nur BMW, sondern die gesamte Autobranche belasten dürften.