Volkswagen: Starkes Q2 im Schatten des Chefwechsels

Volkswagen: Starkes Q2 im Schatten des Chefwechsels
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Neben dem Premiumhersteller Mercedes-Benz hat in der vergangenen Woche auch Volkswagen seine Bilanz zum zweiten Quartal vorgelegt. Das Zahlenwerk konnte Anleger überzeugen: Die VW Aktie legte in Folge der Präsentation zeitweise kräftig zu.

Ergebnisrückgang weniger schlimm als gedacht

Das operative Ergebnis fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 27,7 Prozent schwächer aus und landete vor Sondereinflüssen bei 4,7 Milliarden Euro. Analysten hatten noch Schlimmeres befürchtet: Sie waren im Schnitt von einem Rückgang auf 4,6 Milliarden Euro ausgegangen. Der Umsatz des größten Autokonzerns Europas steig im Zeitraum von April bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3 Prozent auf 69,5 Milliarden Euro.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Kalenderjahres verbuchen die Wolfsburger damit ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen in Höhe von rund 13,2 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung um gut 16 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

VW bekräftigt Jahresausblick

Im Zuge der Bilanzpräsentation bekräftigte Volkswagen den Ausblick für das Gesamtjahr. Demnach strebt der Konzern eine operative Rendite von 7,0 bis 8,5 Prozent an. Im zweiten Quartal lag die Ebit-Marge bei 6,8 Prozent nach 9,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Den Umsatzausblick bestätigte das Unternehmen ebenfalls: Hier wird eine Steigerung um 8 bis 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestrebt.

Für das zweite Halbjahr rechnet der Vorstand mit einer allmählichen Entspannung der globalen Lieferketten sowie der Problematik am Halbleitermarkt. Beides hatte die gesamte Autobranche in den vergangenen Monaten stark belastet und zu teils heftigen Absatzeinbrüchen geführt, so auch bei Volkswagen: Für das erste Halbjahr verbucht der Gesamtkonzern über alle seine Marken hinweg einen Absatzrückgang um mehr als 22 Prozent auf rund 3,88 Millionen Fahrzeuge.

Chefwechsel überschattet Bilanzvorlage

Trotz hoher Nachfrage auf Kundenseite und der Erwartung einer Entspannung der Lieferkettensituation bereitet man sich auch in Wolfsburg auf schwere Zeiten vor. Gerade die makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen sorgen für viel Verunsicherung. Volkswagen hat sich deswegen im zurückliegenden Quartal Rohstoffpreise vertraglich abgesichert, was sich jedoch mit 2,4 Milliarden Euro in der Bilanz niedergeschlagen hat. Damit sollen ausufernde Preisschwankungen – vor allem also befürchtete Preissteigerungen – abgefedert werden.

In den Schatten gestellt wurde die Q2-Bilanzvorlage jedoch von der überraschenden Meldung wenige Tage zuvor, dass Konzernchef Herbert Diess im September abgelöst werden soll. An seine Stelle rückt Porsche-Chef Oliver Blume, der jedoch auch weiterhin die Luxusmarke selbst führen soll. Die Doppelrolle ist unter Beobachtern nicht unumstritten, vor allem im Hinblick auf den geplanten Börsengang von Porsche: Ein Teil der Aktien soll bis Jahresende frei am Markt gehandelt werden, unter anderem Blume ist für die Umsetzung zuständig.

Richtiger Schritt zum falschen Zeitpunkt?

Bereits im Vorfeld der Bilanzvorlage hatten mehrere Analysten den geplanten Chefwechsel kommentiert. Ihrer Einschätzung nach kommt weder der Abgang von Diess überraschend noch die Nominierung von Blume als Nachfolger an der Konzernspitze. Seit Monaten hatte es intern rumort, unter anderem zwischen Diess und dem Betriebsrat, erst vor wenigen Monaten hatte man seine Kompetenzen zurechtgestutzt, was in der Öffentlichkeit bereits als Ansägen des Chefsessels interpretiert worden war.

Doch trotz des erwartbaren Wechsels an der Spitze: Das Timing überrascht und ist nach Einschätzung der Analysten unglücklich gewählt. Vor diesem Hintergrund bestätigte das Analysehaus Bernstein Research seine neutrale Einstufung mit Kursziel 160 Euro, während die Kollegen von Jefferies das Kursziel bei nur 115 Euro sehen und zum Verkauf der VW Vorzugsaktie raten.

Analysten bleiben zuversichtlich

Im Zuge der Bilanzpräsentation aktualisierten zahlreiche weitere Analysten ihre Einstufungen zur VW Aktie. Die Schweizer UBS, die Deutsche Bank sowie JP Morgan raten weiterhin zum Kauf mit unveränderten Kurszielen von 230 beziehungsweise 235 Euro.

Etwas zurückhaltender zeigte sich die US-Investmentbank Goldman Sachs, die ihre Kaufempfehlung mit unverändertem Kursziel bei 191 Euro bestätigte. Die kanadische Bank RBC hingegen hob das Kursziel von 310 auf 316 Euro an und bekräftigte ebenfalls die Einstufung „buy“.

Zuletzt war die im Dax gelistete Vorzugsaktie des VW Konzerns für rund 140 Euro zu haben.