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Amazon Aktie: Einsteigen oder abwarten?

Inhaltsverzeichnis

Es ist ein denkbar schwieriges Marktumfeld, mit dem der Tech-Riese Amazon in diesem Jahr zu kämpfen hat. Seit dem Hoch im November ging es für den Aktienkurs steil abwärts. Allein seit Beginn des Jahres hat der Kurs um gut ein Drittel nachgegeben, binnen sechs Monaten ging es sogar um rund 40 Prozentpunkte nach unten.

Zwiespältige Signale der Star-Investoren

Anleger rätseln nun zu Recht: Bietet sich hier gerade eine einmalige Kaufgelegenheit – oder könnte der Griff ins fallende Messer schmerzhafte Konsequenzen haben? Wer auf der Suche nach Orientierung auf bekannte Starinvestoren blickt, wird dort sehr ambivalente Hinweise finden. So hat sich George Soros zuletzt von Amazon Aktien getrennt, während David Tepper seine Anteile an dem Unternehmen aufstockte.

Deutlich mehr Einigkeit herrscht dagegen unter den Analysten. Sie sehen für die Amazon Aktie ganz klar starkes Aufholpotenzial und raten mit überwältigender Mehrheit zum Kauf des Papiers. Zwar korrigierten einige ihre Kursziele zuletzt nach unten und reagierten damit auf die bearishe Marktdynamik, doch vor allem auf lange Sicht sehen sie das Unternehmen nach wie vor gut aufgestellt.

Amazon war einer der Pandemieprofiteure

Während der Pandemie erlebte der Onlinehandel zusätzlichen Aufschwung, auch Amazons Marktplatz war so stark frequentiert wie selten zuvor. Zwar hält sich der Trend zur virtuellen Shoppingtour bereits seit etlichen Jahren und die Transformation dürfte wohl kaum rückgängig zu machen sein – doch der Extra-Boom durch Lockdown und Co. ist mit den Lockerungen der Maßnahmen in weiten Teilen der Welt in diesem Frühjahr erst einmal vorbei.

Umso besser läuft es allerdings mit Blick auf Amazons zweites, und mittlerweile hauptsächliches Standbein: Amazon Web Services, kurz AWS, steuert bereits seit vielen Quartalen den Löwenanteil zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei. Während der Pandemie waren die Dienstleistungen gefragt, weil Firmenkunden ihre digitale Infrastruktur für mobiles Arbeiten anpassen mussten.

Ukraine-Krieg könnte Amazon helfen

Doch auch jetzt stehen die Zeichen gut – Grund ist ausgerechnet der Krieg in der Ukraine, der ansonsten auch wirtschaftlich für reichlich Verwerfungen und Verunsicherungen sorgt. Weil aber Kriegsführung im 21. Jahrhundert zunehmend auch virtuell stattfindet, wächst der Bedarf von Regierungen an verlässlicher Sicherheitsinfrastruktur.

Cyberattacken auf Abgeordnete oder Behörden sind ebenso bekannt wie Desinformationskampagnen in sozialen Medien. Für beides ist unter anderem Russland berüchtigt, wenngleich der direkte Nachweis einer Verbindung zum Kreml meist schwerfällt. Doch spätestens seit Beginn des Krieges Ende Februar hat sich der Blick des Westens auf die Bedrohung aus Moskau grundlegend verändert. Vor allem europäische Regierungen dürften nun ein noch stärkeres Interesse daran haben, virtuelle Einfallstore abzusichern.

Sicherheitsbedürfnis westlicher Regierungen wächst

Längst geht es nicht mehr nur um Wirtschaftsspionage oder Wählermanipulation. Vielmehr könnten gezielte Cyberattacken auf Knotenpunkte der Infrastruktur ganze Regionen lahmlegen – wenn etwa Stromversorger angegriffen werden.

Das Sicherheitsbedürfnis steigt, das Budget für entsprechende Maßnahmen auch. Profitieren dürfte neben weiteren Anbietern für digitale Sicherheitsinfrastruktur auch Amazon mit seinen Web Services.

Anleger sollten Verlustrisiken abwägen

Kurz vor dem geplanten Aktiensplit im Verhältnis 1:20 reichen die Kursziele der Analysten von 3.500 Dollar (Deutsche Bank) bis 4.240 Dollar (Barclays). Liegen sie richtig, können Anleger hier ihren Einsatz verdoppeln: Zuletzt war die Amazon Aktie für weniger als 2.100 Dollar zu haben.

Gerade Kleinanleger, die ihre Verlustrisiken begrenzen wollen, sollten jedoch erst einmal eine Bodenbildung abwarten. Wer schon jetzt auf eine nachhaltige Gegenbewegung setzt, sollte Verlustrisiken einplanen. Etwas geringer wird die Fallhöhe zumindest nominell, wenn die Aktien demnächst für ein Zwanzigstel der bisherigen Notierung gehandelt werden – dann ist auch ein Investment in geringerem Umfang leichter zu realisieren.