Amazon übernimmt Arztpraxenverbund One Medical

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Einen Mega-Deal aus der vergangenen Woche möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Am frühen Donnerstag-Vormittag gab der in Seattle ansässige Versandhandelsriese Amazon bekannt, dass er sich mit One Medical, einem Betreiber von Gesundheitszentren, auf einen Übernahmevertrag geeinigt hat.

Nach der 13 Mrd. US-Dollar (USD) teuren Übernahme der US-Biosupermarktkette Whole Foods in 2017 und der Übernahme der MGM-Studios in 2021 für 8,5 Mrd. USD ist der Deal mit One Medical die drittgrößte Übernahme von Amazon.

Amazon zahlt 3,9 Mrd. Dollar in bar

Konkret bietet Amazon den One-Medical-Aktionären 18 USD für jede Aktie an. Einschließlich der Schuldenübernahme ist Amazon somit bereit, stolze 3,9 Mrd. USD für die Marketing- und Vertriebsholding One Medical auf den Tisch zu legen, dem Betreiber von 182 Polikliniken und Arztpraxen in den USA.

One Medical ist ein Tochterunternehmen der in San Francisco ansässigen 1LifeHealthcare, Inc. Die in der One-Medical-Gruppe zusammengeschlossenen 182 Polikliniken bzw. Arztpraxen erbringen ihre medizinischen Dienstleistungen sowohl in der Praxis vor Ort als auch über das Internet.

Kunden der One Medical erhalten für 199 USD im Monat eine medizinische Rund-um-die-Uhr-Beratung per App. Sollten die Probleme nicht online gelöst werden können, kümmert sich One Medical um eine zeitnahe Terminvergabe in den angeschlossenen Praxen.

1Life Healthcare-Aktienkurs geht durch die Decke

Nach Bekanntwerden des Mega-Deals ging der Kurs der One-Medical-Muttergesellschaft 1Life Healthcare an der US-Technologiebörse NASDAQ durch die Decke. Er sprang am vergangenen Donnerstag um fast 70% von 10,18 USD auf 17,25 USD.

Damit lag der Kurs der 1Life Healthcare-Aktie nur noch knapp unter den von Amazon gebotenen 18 USD. Es spricht also vieles dafür, dass die Anleger von einer unkomplizierten Abwicklung des Deals ausgehen. Sollten Sie Aktien des US-Gesundheitsdienstleisters in Ihrem Depot haben, war der Donnerstag ein Glückstag für Sie.

Der Kurs der Amazon-Papiere ist am Donnerstag allerdings nur leicht angestiegen. Offensichtlich sind viele Investoren der Meinung, dass die Übernahme von One Medical kein wirklich günstiger Deal war.

So hat das 2007 gegründete Unternehmen bisher noch keinen Gewinn einfahren können. In 2021 erzielte One Medical zwar einen Umsatz von 623 Mio. USD, was aber unter dem Strich einen operativen Verlust (EBIT) von -243 Mio. USD bedeutete.

Amazon setzt auf Gesundheitsdienstleistungen

Dennoch bietet das US-amerikanische Gesundheitswesen ein riesiges Potenzial. In 2018 beliefen sich die Gesundheitsausgaben in den USA auf ca. 3,3 Bio. USD. Das entspricht etwa 17,9% des Bruttoinlandsproduktes der Vereinigten Staaten.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Onlinehändler aus Seattle schon seit Längerem im Gesundheitswesen aktiv ist. So ist Amazon in den USA mit Amazon Pharmacy als Onlineapotheke aktiv.

2018 startete Amazon zusammen mit Warren Buffetts Berkshire Hathaway und der Großbank JP Morgan das Joint Venture Haven Healthcare, das durch gemeinsame Beschaffung und Anwendung neuer Technologien eine günstigere Gesundheitsversorgung schaffen sollte. Nach 3 Jahren wurde dieses Projekt aber wieder eingestellt.

Wie es weitergeht

Der Abschluss der Transaktion unterliegt den üblichen Bedingungen. So müssen zunächst die Aktionäre von One Medical dem Übernahmeangebot zustimmen. Darüber hinaus bedarf die Übernahme auch noch der behördlichen Genehmigungen. Nach Abschluss der Transaktion wird Amir Dan Rubin weiterhin CEO von One Medical bleiben.