Apple Aktie kurz vor Halbierung?

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Steht die Apple Aktie kurz davor, sich zu halbieren? Das zumindest legt ein Worst-Case-Szenario nahe, das Analysten von Goldman Sachs vor wenigen Tagen durchgespielt haben.

Goldman Sachs spielt Konjunktureinbruch durch

Den Berechnungen liegt die Annahme zugrunde, dass die Mechanismen zur Bekämpfung der immens hohen Inflation zu einer Rezession der US-Wirtschaft führen könnten. Im Falle eines um 4 bis 5 Prozent schrumpfenden Bruttoinlandsprodukts in den Vereinigten Staaten dürften sich auch für Apple und seine Aktien ernsthafte Auswirkungen ergeben.

Bereits jetzt dämpft die hohe Inflation von zuletzt mehr als 8 Prozent die Konsumlust und Kaufkraft von Privatkunden deutlich. Produkte aus dem Hause Apple gelten als hochpreisig, das Unternehmen fährt hohe Margen ein mit iPhone, iPad und Co. Wer nun aber genau durchrechnen muss, wie viel Geld zum Heizen oder für Lebensmittel zur Verfügung steht, wird die Anschaffung neuer Technikgeräte wohl eher aufschieben – oder sich für ein günstigeres Produkt entscheiden. Dieser Effekt dürfte sich im Falle einer Rezession noch zusätzlich verschärfen.

Verfehlt Apple die Umsatzprognose um mehr als 20 Prozent?

Nach Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs könnte ein Konjunktureinbruch in den USA für Apple im kommenden Jahr einen Rückgang bei Umsatz und Gewinn mit sich bringen. Bisherige Prognosen gehen im Schnitt von einem Gesamtumsatz in Höhe von 415 Milliarden US-Dollar für 2023 aus – dieses Ziel könnte um mehr als 20 Prozent verfehlt werden, sollte die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleiten. Auch der Gewinn je Aktie könnte um etwa ein Drittel geringer ausfallen als bisherige Konsensschätzungen nahelegen, die Goldmänner prognostizieren im schlimmsten Fall einen Gewinneinbruch auf nur noch 4,47 Dollar je Aktie. Den potenziellen Kursverlust der Apple Aktie beziffern die Experten auf bis zu 42 Prozent.

Bevor nun aber Apple Anleger panisch beginnen, ihre Anteile zu verkaufen, sei noch einmal betont: Es handelt sich um ein Worst-Case-Szenario. Auch Goldman Sachs selbst räumt ein, dass die bisherigen Konjunkturdaten einen eher moderaten Rückgang der US-Wirtschaftskraft andeuten und keinen drastischen Kompletteinbruch.

Diese Daten machen Hoffnung

Zudem wird auf kursstützende Faktoren verwiesen. So verzeichnet Apple seit einigen Quartalen ein stetiges Wachstum im Servicebereich, der auch im Falle einer Rezession weniger schwankungsanfällig sein dürfte. Die üppigen Aktienrückkäufe dienen ebenfalls der Kurspflege in schwierigen Zeiten. Nicht zuletzt aber hat sich trotz hoher Inflation die iPhone-Nachfrage zuletzt stabiler gezeigt als erwartet.

Diesen Trend bestätigten zuletzt auch erste Eckdaten zum zurückliegenden Quartal, die von Konkurrenten wie Samsung oder auch Zulieferern im Tech-Bereich vorgestellt wurden: Von Nachfragerückgang keine Spur, stattdessen verbuchen wohl viele Unternehmen auch für das Frühjahrsquartal ein sattes Plus bei den Umsätzen.

Konkurrenten und Zulieferer mit starken Q2-Zahlen

Unter anderem der südkoreanische Konkurrent Samsung – Weltmarktführer im Smartphone-Segment – konnte seine Umsätze im Zeitraum von April bis Ende Juni um gut ein Fünftel steigern und rechnet mit einem Ergebniszuwachs von mehr als 10 Prozent.

Einer von Apples wichtigsten Chiplieferanten, der taiwanesische Halbleiterhersteller TSMC, hat zuletzt ebenfalls starke Geschäftszahlen in Aussicht gestellt: Demnach sollen die Quartalserlöse mit umgerechnet knapp 18 Milliarden US-Dollar rund 44 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums liegen, was die Markterwartungen klar in den Schatten stellen würde. Der detaillierte Quartalsbericht von TSMC soll am Donnerstag dieser Woche vorgestellt werden.

Apple hat Erwartungen bereits runtergeschraubt

Apple selbst wird seine Zahlen voraussichtlich zwei Wochen später, am 28. Juli, vorlegen. Mehrere Experten verwiesen zuletzt jedoch darauf, dass Apple-Chef Tim Cook die Erwartungen bereits mit Vorlage der letzten Quartalsbilanz deutlich heruntergeschraubt hat – und Apple diese tiefergelegte Messlatte wohl klar übertreffen dürfte. Tatsächlich hatte Cook auf die Schwierigkeiten im Hinblick auf Chipkrise, Lieferkettenprobleme und Lockdowns in Ostasien verwiesen und eingeräumt, dass diese auch Apple teuer zu stehen kommen.

So rechnet der Vorstand wegen der störanfälligen Lieferketten mit Umsatzrückgängen zwischen 4 und 8 Milliarden Dollar. Außerdem warnte das Management des Kultkonzerns bereits vor Wechselkursrisiken und möglicherweise rückläufigen Verkaufszahlen, bedingt durch die steigende Inflation und zunehmende Rezessionsrisiken.

Frische Zahlen Ende Juli: Analysten erwarten keine böse Überraschung

Weil aber nicht nur Apple selbst, sondern auch die Beobachter an der Wall Street ihre Prognosen längst zurechtgestutzt haben, rechnen die meisten Analysten nicht mit einer bösen Überraschung. Der Ausblick für das Schlussquartal des laufenden Geschäftsjahres, das bei Apple traditionell bereits zum 30. September endet, dürfte erneut konservativ ausfallen.

In ihrem Basisszenario gehen auch die Analysten von Goldman Sachs mit einem Kursziel von 130 Dollar lediglich von einem Abwärtspotenzial im niedrigen zweistelligen Bereich aus, die Einstufung der Investmentbank für die Apple Aktie lautet „neutral“. Damit vertreten die Goldmänner allerdings eine Mindermeinung. Die optimistisch gestimmten Expertenkommentare überwiegen, mehrheitlich lautet das Rating „kaufen“. Das Kurspotenzial wird im Schnitt mit gut 180 Dollar auf fast 25 Prozent geschätzt.

Zuletzt war das Papier für rund 145 Dollar zu haben.