Apple nach Q2-Bilanz – welche Krise?

Apple nach Q2-Bilanz – welche Krise?
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Krise? Welche Krise? Anders als viele andere Unternehmen manövriert sich Apple nach wie vor ziemlich erfolgreich durch die makroökonomisch schwierigen Zeiten dieses Jahres. Das hat der iPhone-Hersteller spätestens mit Vorlage der jüngsten Quartalsbilanz noch einmal unter Beweis gestellt.

Q2 lief weniger schlimm als befürchtet

Apple selbst hatte noch im Zuge der vorangegangenen Bilanzpräsentation vor einem schwierigen Umfeld gewarnt und Anleger auf mögliche Umsatzrückgänge eingestimmt. Nun aber zeigt sich: Da war der Tech-Riese wohl zu bescheiden. Tatsächlich schaffte es der Kultkonzern aus Cupertino einmal mehr, einen Rekordumsatz auszuweisen.

Im Zeitraum von April bis Ende Juni erwirtschaftete das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 83 Milliarden US-Dollar und steigerte sich damit im Vergleich zum Vorjahresquartal noch einmal um 2 Prozent. Dabei waren die Belastungen auch für Apple in den vergangenen Monaten enorm: In Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine hat sich Apple – wie auch zahlreiche andere westliche Firmen – aus dem Russlandgeschäft zurückgezogen.

Starker Dollar belastet Bilanz

Die anhaltenden Spannungen in den globalen Lieferketten mit Materialengpässen führten auch bei Apple und seinen Zulieferern immer wieder für einen stockenden Produktionsablauf. Letztlich wurde die Bilanz – wie bei den meisten US-Unternehmen – zuletzt vom erstarkten Dollar belastet: Wechselkurseffekte wirkten sich auf dem Papier negativ aus.

Das betrifft bei Apple vor allem das Servicesegment, das im zurückliegenden Quartal mit 12 Prozent trotzdem deutlich stärker zulegen konnte als das restliche Konzerngeschäft. Im Bereich Hardware stagnierte der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Shanghai-Lockdown trifft auch Apple

Während das iPhone sich vor allem in Schwellenländern wie Indien oder Brasilien zunehmender Beliebtheit erfreut, verzeichnet Apple insgesamt auch eine hohe Nachfrage bei Mac und iPad. Hier waren Produktionsausfälle und Lieferengpässe besonders deutlich zu spüren, nicht zuletzt auch bedingt durch die wochenlangen pandemiebedingten Lockdowns in China.

Das Reich der Mitte verfolgt eine ebenso umstrittene wie radikale Null-Covid-Strategie und schickte im Frühjahr unter anderem die Region um die Wirtschaftsmetropole Shanghai in einen wochenlangen strickten Lockdown. Davon betroffen waren zahlreiche Niederlassungen westlicher Firmen ebenso wie der größte Containerhafen der Welt, was die Lieferkettenproblematik zusätzlich verschärfte.

Umsatzrekorde in mehreren Regionen – iPhone in Schwellenländern immer beliebter

Für das laufende Quartal immerhin rechnet man bei Apple mit einer allmählichen Entspannung der Situation – und mit einem stärker anziehenden Umsatzwachstum als zuletzt, vor allem im Hardwaregeschäft. Regional betrachtet entwickelte sich besonders die Region Asien-Pazifik besonders stark, hier verzeichnete Apple ein Umsatzplus von fast 14 Prozent.

Auch in Amerika konnte Apple zulegen um immerhin knapp 4,5 Prozent, in Europa fiel das Plus mit gut 1,8 Prozent geringer aus. Rückläufige Umsätze verzeichnete Apple hingegen in China (minus 1 Prozent) und Japan, wo sich der Rückgang auf fast 16 Prozent auftürmte. In Indien konnte der iPhone-Hersteller seine Umsätze verdoppeln.

Gewinn rückläufig – aber besser als erwartet

So stark sich die Umsätze im zurückliegenden Jahresviertel insgesamt präsentierten, so harsch fällt jedoch der Rückschlag aus, den Apple bei der Gewinnentwicklung verkraften muss. Den Quartalsgewinn wiesen die Kalifornier mit 19,4 Milliarden Dollar aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang um 10,6 Prozent. Dennoch lag der Gewinn damit noch immer über den Erwartungen der Analysten sowie der Schätzungen des Unternehmens selbst.

Der Gewinn je Aktie ging um 8 Prozent zurück auf 1,20 Dollar und lag damit ebenfalls über den Erwartungen, die einen noch stärkeren Rückgang auf 1,16 Dollar prognostiziert hatten. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn je Aktie noch bei 1,30 Dollar gelegen.

Apple baut Marktanteil bei Smartphones aus

Viele Beobachter hatten damit gerechnet, dass die hohen Inflationsraten viele Kunden davon abhalten würden, ein neues iPhone anzuschaffen. Immerhin sind die Smartphones aus dem Hause Apple ohnehin schon vergleichsweise teuer. Doch hier gab es eine handfeste Überraschung: Der iPhone-Verkauf spülte mit 40,7 Milliarden Dollar sogar gut 1 Milliarde Dollar mehr in die Kassen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und steuerte die Hälfte des Gesamtumsatzes bei.

Die starken iPhone-Verkäufe laufen damit dem Trend entgegen: Weltweit wurden zuletzt weniger Smartphones verkauft, während die Zahl verkaufter iPhones zulegen konnte. Dementsprechend stieg der Marktanteil von Apple im weltweiten Smartphone-Geschäft von 14 auf 17 Prozent, wie Analysten ausrechneten.

Analysten aktualisieren Einstufungen zur Apple Aktie

Anleger reagierten erfreut auf das Zahlenwerk, die Apple Aktie kletterte im Anschluss um mehrere Prozent nach oben. Auch Analysten haben ihre Einstufungen zur Apple Aktie inzwischen aktualisiert. So hob die US-Investmentbank das Kursziel von 130 auf 139 Dollar an, beließ die Einstufung aber auf „neutral“ und verwies zur Begründung auf weiterhin bestehende Unsicherheiten im Hinblick auf Lieferketten und Umsatzentwicklung.

Ihre neutrale Einstufung bestätigten auch Analysten der Schweizer Bank Credit Suisse, die zudem das Kursziel leicht absenkte von 169 auf 166 Dollar und vor zunehmendem gesamtwirtschaftlichem Gegenwind warnte, der auch Apple treffen könne.

Anleger katapultieren Aktie Richtung Jahreshoch

Unterdessen bekräftigte die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung sowie das Kursziel von 175 Dollar und begründete dies vor allem mit der weiterhin starken Nachfrage nach Apple-Produkten. Die US-Großbank JP Morgan beließ das Kursziel ebenfalls unverändert bei 200 Dollar mit der Einstufung „overweight“ und verwies dabei auf die Ergebnisse, die die Erwartungen zuletzt übertreffen konnten.

Die Apple Aktie ist seit Juni im Aufholmodus und hat einen Großteil der Verluste aus dem ersten Halbjahr wieder aufgeholt. Mit rund 162 Dollar bewegte sich das Papier zuletzt knapp unterhalb des bisherigen 52-Wochen-Hochs.