Intel drückt bei Roboterautos auf die Tube

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Intel drückt bei Roboterautos auf die Tube: Halbleiter-Gigant will mit Sixt erstes Roboterauto in Deutschland auf die Straße schicken (Foto: StockStudio / shutterstock.com)

Gerade feierte die Automobilmesse IAA in München ihre Premiere, da gab es einen ersten Paukenschlag. Der Chip-Gigant Intel verbündet sich mit dem deutschen Autovermieter Sixt und will einen autonomen Taxidienst mit selbstfahrenden Autos an den Start bringen.

Damit würde das Bündnis das erste Taxi auf die Straße schicken, das den Rahmen des neuen Gesetzes zum autonomen Fahren in Deutschland ausnutzt. Ein Meilenstein ist die Nachricht auf jeden Fall. Zumal die milliardenschwere Übernahme der israelischen Mobileye langsam Früchte trägt. Denn die Technik des Sensorspezialisten wird bei dem Projekt eine tragende Rolle spielen.

Mit Nio und Mobileye in die Mobilität der Zukunft

Am Anfang wird Intel selbstfahrende Autos der Automatisierungsstufe 4 auf die Straße bringen. Zum Hintergrund: Hierbei übernimmt das System zwar dauerhaft den Fahrbetrieb, für den Notfall sitzt aber noch ein weiterer Fahrer an Bord, um eingreifen zu können. Starten soll der Betrieb bereits im kommenden Jahr.

Bei seinen Roboterautos setzen die Partner auf einen Siebensitzer des chinesischen Herstellers Nio, der massiv mit Mobileye-Technik aufgerüstet wurde. Der vollständige Sensorsatz des Mobileye-Systems besteht aus 13 Kameras, drei Fernbereichs-Laserscannern (Lidar), sechs Nahbereichs-Lidaren und sechs Radarsensoren. Neben Sensoren nutzt das System eine crowdbasierte Karte sowie ein formales Modell für sichere Fahrentscheidungen.

Das autonome System setzt auf acht Hochleistungschips (EyeQ5-SoCs), die eine Leistung von 24 Tera-Operationen pro Sekunde erreichen.

Zielpublikum technikaffine Sixt-Kunden

Die Erwartungen an den Dienst sind hoch, auch wenn zu Beginn wohl erfahrungsgemäß nur die sehr technikaffinen Sixt-Kunden in die Roboterwagen einsteigen dürften. Aber selbst bei einer kleinen Flottengröße ist Sixt-Vorstand Nico Gabriel von der Wirtschaftlichkeit des Angebots überzeugt.

Flexibel ist der Dienst allemal: Fahrgäste können den Service sowohl über die Moovit-App von Intel als auch über die App von Sixt buchen können. Das autonome Robotaxi-Angebot werde dabei in die Mobilitätsplattform “One” von Sixt integriert, die Dienste für etwa Autovermietung, Carsharing und Auto-Abonnements in einer App vereint.

Intel plant 80 Milliarden Euro schwere Investitionsoffensive

Neben dem geplanten Taxidienst gab Intel auf der IAA auch eine milliardenschwere Investitionsoffensive bekannt. Der Konzern plant zwei Produktionsstätten an einem Standort in Europa, die noch erweitert werden können. Die Höhe ist beeindruckend: Immerhin stellt Intel ein Investitionsvolumen von bis zu 80 Milliarden Euro über zehn Jahre in Aussicht.

Mit der massiven Erweiterung der Produktionskapazitäten will der Chip-Gigant der anhaltenden Halbleiterknappheit begegnen. Besonders im Markt für Auto-Halbleiter sieht Intel enormes Potenzial. Hier kommen immer mehr Chips, vor allem für Fahrassistenz- und Entertainmentsysteme zum Einsatz.

Der Konzern geht davon aus, dass sich dieser Markt bis 2030 verdoppeln wird. Zum Hintergrund: Mittlerweile machen Chips im Premium-Auto-Segment mehr als 20% der Materialkosten aus. Vor zwei Jahren lag der Anteil lediglich bei 4%. Gebraucht werden die Chips unter anderem für Fahrassistenz- und Entertainmentsysteme.

Mobileye gewinnt für Intel an Bedeutung

Mit dieser Entwicklung dürfte die israelische Softwarefirma Mobileye, die Intel in 2017 für 15,3 Milliarden Dollar übernommen hat, weiter an Bedeutung gewinnen. Mobileye startete ursprünglich als Zulieferer von Sensorik und Software für Fahrerassistenzsysteme. Nach eigenen Angaben hat der Konzern mittlerweile über 80 Millionen Fahrzeuge ausgerüstet. Einer der ersten Kunden war BMW. Mittlerweile beliefert das Unternehmen über 25 Autohersteller.

Im zweiten Quartal kletterten die Mobileye-Umsätze um 124% auf 327 Millionen Dollar. Damit dürfte auf Jahressicht die Milliarden-Marke geknackt werden. Das ist zwar noch wenig im Verhältnis zum Gesamtumsatz von Intel (2020: 77,8 Milliarden Dollar), dürfte aber mit weiteren Partnerschaften und dem hohen strukturellen Wachstum zukünftig stark an Bedeutung gewinnen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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