Microsoft bringt Windows 11 heraus und schnappt sich Startup Ally.io

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Der Software-Riese Microsoft brachte in der vergangenen Woche ein Update seines Betriebssystems Windows heraus. Dabei ging die Nachricht von der Übernahme des Startups Ally.io, einem Entwickler von Personalsoftware, ein wenig unter. (Foto: Volodymyr Kyrylyuk / shutterstock.com)

In der vergangenen Woche war der Software-Gigant Microsoft wieder einmal in den Schlagzeilen: Der Konzern aus Redmont/Washington hat mit Windows 11 eine neue Version seines Betriebssystems herausgebracht.

Durch das erste große Windows-Update nach 6 Jahren hat Microsoft seinem Betriebssystem einen neuen Anstrich verpasst und einige neue Funktionen integriert. So hat das Unternehmen ein neues Startmenü entwickelt, das in der Mitte des Desktops (Bildschirms) platziert ist.

Windows 11 mit neuer Desktop-Oberfläche und Funktionen

Weitere Funktionen wie etwa eine Vorlesefunktion oder eine Lupe zur Vergrößerung der Texte wurde in das neue Betriebssystem integriert. Aber auch das Video-Konferenz-Tool Teams, das sich in Zeiten des Corona-Lockdowns als sehr hilfreich erwiesen hat, hat in Windows 11 eine dominantere Position erhalten.

Dies gilt auch für den Microsoft Store, über den sich User sowohl kostenpflichtige als auch kostenfreie Android-Apps herunterladen können. Und auch der Schutz gegen Hacker wurde durch das Windows-Update deutlich verbessert.

Übernahme des Software-Entwicklers Ally.io geht unter

Bei dem Pressewirbel, den der Soft- und Hardware-Riese aus Redmont um das Update seines Betriebssystems machte, fand die fast zeitgleich vollzogene Übernahme von Ally.io nur wenig Platz in der Presse. Vielmehr wurde dort lang und breit über die Vor- und Nachteile des neuen Windows 11 geschrieben.

Kein Wunder, denn Übernahmen gehören quasi zum Tagesgeschäft von Microsoft, während ein grundlegendes Update des von über 1,3 Mrd. Usern genutzten Betriebssystems nur alle paar Jahre vorkommt.

Übernahmen gehören zum Tagesgeschäft von Microsoft

So hat Microsoft seit Ende der 1980er Jahre weit mehr als 200 Übernahmen getätigt. Nur bei den ganz großen Deals, wie z.B. die Übernahmen von LinkedIn (für 26,2 Mrd. USD in 2016), Nuance Communications (für 19,7 Mrd. USD in 2021) und Skype (für 8,5 Mrd. USD in 2011), wurden auch die Kaufpreise bekannt gegeben.

Gegenüber dem Release des Betriebssystems hatten die Nachrichten über den Kauf des relativ kleinen und nur in Insiderkreisen bekannten Startups also keine Chance. Dennoch möchte ich Ihnen die Übernahme von Ally.io, die aus meiner Sicht mehr Publicity verdient hätte, nicht vorenthalten.

Ally.io ist mit Personalentwicklungs-Software erfolgreich

Das in Privatbesitz befindliche Startup Ally.io wurde 2018 von dem ehemaligen Microsoft-Mitarbeiter Vetri Vellore in Bellevue, einem Vorort von Seattle/Washington, gegründet. Ally.io hat seitdem in 3 Finanzierungsrunden 73 Mio. USD an Venture-Kapital einheimsen können.

Ally.io entwickelt Personalentwicklungs-Software, die Unternehmen bei der zielorientierten Mitarbeiterführung behilflich ist. Die von Ally.io entwickelten Tools helfen Unternehmen, den Arbeitsprozess transparent und klar zu machen und die tägliche Arbeit ihrer Mitarbeiter mit den strategischen Zielen des Unternehmens zu verbinden.

Und die Ally.io-Tools sind sehr erfolgreich: Seit der Markteinführung im Jahr 2018 wurde Ally.io von über 1.000 führenden Unternehmen aus den Bereichen Hightech, Fertigung, Finanzdienstleistungen und Gesundheitswesen in mehr als 80 Ländern eingesetzt.

Zu den Ally.io-Kunden zählen Unternehmen wie der US-amerikanische Messaging-Dienst Slack und der ebenfalls in den USA beheimatete Cloud-Speicher-Dienst Dropbox.

Microsoft will Ally.io-Software in das Viva-Modul integrieren

In seiner Pressemitteilung zur Übernahme von Ally.io betont Microsoft, dass die von Ally.io entwickelte OKR-Software – OKR steht für Objectives and Key Results – in einem schnell wachsenden Sektor angewandt wird. Dabei zählen die von Ally.io entwickelten Anwendungen zu den beliebtesten und auch führenden OKR-Tools.

Aus Sicht von Microsoft ist es somit naheliegend, ein solches Wachstumsunternehmen zu übernehmen. Konkret begründet Microsoft den Kauf von Ally.io damit, dass mit den Tools die Mitarbeitererfahrung verbessert werden kann, indem die Arbeit der Mitarbeiter auf die Teamziele und die Unternehmensmission abgestimmt wird.

Wie es weitergeht

Microsoft beabsichtigt, Ally.io in die Microsoft Cloud zu bringen, die bestehenden Integrationen mit Microsoft Teams weiterzuentwickeln und Ally.io in Viva, Office und das breitere Spektrum der Microsoft 365 Anwendungen und Dienste zu integrieren.

Bis zur Integration in die Microsoft Cloud können Ally.io-Kunden den bisherigen Support und Service nutzen. Neue Kunden können die Tools auch weiterhin über Ally.io erwerben. Über den vereinbarten Übernahmepreis machten beide Unternehmen allerdings keine Angaben.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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