Netflix-Aktie nach Quartalszahlen gefragt

Netflix-Aktie nach Quartalszahlen gefragt
Harry Wedzinga / shutterstock.com
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Gestern reagierte die Aktie des Streaming-Pioniers Netflix mit deutlich höheren Kursen auf die Vorlage der Quartalszahlen. Obwohl der US-Konzern beinahe eine Millionen Nutzer verlor, zeigten sich die Anleger zufrieden. Die Investoren hatten offenbar mit einem noch stärkeren Kundenschwund gerechnet.

Netflix verliert weniger Nutzer als befürchtet

Die Sorgen der Anleger vor den Zahlen waren groß. Immerhin hatte der Streaming-Konzern Netflix im ersten Quartal 200.000 Nutzer verloren und damit für einen kräftigen Abverkauf der Aktie gesorgt. Dabei handelte es sich dabei um den ersten Nutzerrückgang seit Oktober 2011.

Im zweiten Quartal setzte sich diese Entwicklung fort, auch wenn es weniger schlimm ausfiel wie von den Analysten zuvor befürchtet. Demnach hat der Konzern „nur“ rund 970.000 Abonnenten verloren. Im Vorfeld war der Konzern noch von einem Minus von zwei Millionen ausgegangen. Die Konzernführung führte das bessere Abschneiden besonders auf Serienhits wie Stranger Things zurück.

Wechselkurs sorgt für Bremseffekte

Unter dem Strich nutzen weltweit derzeit rund 220,7 Millionen Kunden den Streaming-Dienst von Netflix. Im zweiten Quartal gingen bei dem US-Konzern Umsätze von 7,97 Milliarden Dollar durch die Bücher. Das war ein Anstieg um 9%. Ohne den starken Dollar hätte das Plus allerdings 4 Prozentpunkte höher gelegen. Die Analystenschätzungen von 8,04 Milliarden Dollar wurden damit leicht verfehlt.

Ein anderes Bild zeigt sich bei der Gewinnentwicklung: Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 1,44 Milliarden Dollar beziehungsweise 3,20 Dollar je Aktien in den Büchern. Das lag 8,6% über dem Vorjahresquartal und 24 Cent über den Erwartungen der Analysten.

Konkurrenz verschärft sich weiter

Zeitgleich bewegt sich Netflix in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld. Die Rivalität unter den Streaming-Diensten gilt als hoch. Die Konkurrenz durch Wettbewerber wie Disney+, Amazon Prime, Apple oder YouTube hat sich in den letzten Quartalen nochmals deutlich verschärft.

Umbau des Geschäftsmodells geplant

Unterdessen feilt Netflix an einer Anpassung des Geschäftsmodells, das Anfang 2023 vorgestellt werden soll. Dann will Netflix eine Version seines Dienstes mit Werbeanzeigen an den Start bringen. Als Partner hierfür wird Microsoft agieren. Der Tech-Gigant soll die technologische Plattform stellen und sich auch um den Verkauf der Anzeigen kümmern.

Möglich wurde das, weil Microsoft Ende vergangenen Jahres die Anzeigensparte des amerikanischen Telekomkonzerns AT&T mit dem Namen Xandr übernommen hat. Damit besitzt das Unternehmen eine Plattform, auf der weltweit automatisiert Anzeigenplätze vermarktet werden können. Das ist genau das, was Netflix braucht, um schnell eine Anzeigenversion aus dem Boden zu stampfen

Geteilte Nutzerkonten weiter ein Problem

Zeitgleich will der Streaming-Dienstleister auch das Thema Accountsharing, also das Nutzen eines Zugangs durch mehrere Kunden, angehen. Das Unternehmen prüft derzeit  zwei verschiedene Ansätze in Lateinamerika, bei denen es einen Aufpreis für gemeinsam genutzte Accounts in verschiedenen Haushalten geben könnte. Diese könnte der Konzern im kommenden Jahr einführen.

Rückkehr zum Kundenwachstum im dritten Quartal geplant

Im laufenden Quartal vom Juli bis September plant der Konzern, netto eine Million neue Kunden zu gewinnen. Analysten gingen bislang von 1,84 Millionen aus. Ob das für eine nachhaltige Trendwende beim Aktienkurs ausreicht, bleibt abzuwarten.

In einer ersten Reaktion zeigen sich die Anleger erleichtert. Der Netflix-Kurs hat mit dem gestrigen Plus seine jüngste Erholung fortgesetzt und seit dem Kurstief im Juni beinahe 30% zugelegt. Mit Blick auf den Jahresanfang summieren sich die Verluste allerdings auf über 60%. Zufrieden stellen dürfte das wohl kaum einen Anleger.