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Netflix schielt auf Roku und heizt Übernahmespekulationen an

Netflix schielt auf Roku und heizt Übernahmespekulationen an
Harry Wedzinga / shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Die Gerüchteküche brodelt und sorgt für erhitzte Gemüter. Medienberichten zufolge hat es erste Gespräche zwischen dem Streaming-Pionier Netflix und dem Technologiekonzern Roku gegeben.

Während einige Analysten abwinken und den strategischen Sinn einer Übernahme bezweifeln, so sorgten die Gerüchte dennoch für starke Kursausschläge. Denn gerade die jüngste Entwicklung der Roku-Aktie könnte die Attraktivität des Deals deutlich erhöhen. Trotz des Kurssprungs der letzten Tage haben die Roku-Papiere seit ihrem Allzeithoch über 80% an Wert verloren.

Roku – der innovative Streaming-Spezialist

Durch das „Fernsehen der neuen Generation“ (u.a. Smart-TV) wird Werbung bei Internet-TV-Diensten zukünftig ein hochprofitables Geschäft werden. Roku profitiert von diesem Trend. Die Software des Unternehmens ist als Betriebssystem in immer mehr Smart-TV-Fernsehgeräten bekannter Hersteller vorinstalliert.

Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren die Lizenzrechte vieler populärer Filme und Serien gesichert, die für den TV-Zuschauer kostenfrei verfügbar sind. Die Werbeinhalte sind anders als im klassischen TV personalisiert, also ähnlich wie bei Facebook und Google im Internet auf den Zuschauer inhaltlich zugeschnitten, wofür werbetreibende Unternehmen sehr hohe Beträge an Roku zahlen.

Weiter im Wachstumsmodus

Zum Jahresstart war Roku weiter auf dem Wachstumspfad: Der Streaming-Spezialist steigerte seinen Umsatz um 27,8% auf 735 Mio. $. Bemerkenswert war vor allem die Entwicklung im zukunftsträchtigen Geschäftsbereich Platform Business. Hier erzielte Roku einen Umsatzsprung von 39% auf 647 Mio. $.

Zum Hintergrund: Dieser Geschäftsbereich ist langfristig der eigentliche Wachstumstreiber des Unternehmens. Zu den Erträgen im Platform Business zählen Lizenzgebühren für das Roku-Betriebssystem, das von Smart-TV-Herstellern genutzt wird, sowie die Einnahmen für Werbung auf den digitalen Roku-TV-Kanälen. In den kommenden Jahren dürften die Werbebudgets zunehmende von der klassischen TV-Werbung abgezogen und in den gerade entstehenden Markt für Internet-TV-Werbung wandern.

Hardwaregeschäft verliert an Bedeutung

Im zweiten Geschäftsfeld, dem Hardware-Geschäft mit TV-Setup-Boxen schrumpfte der Umsatz hingegen um 19% auf 86,8 Mio. $. Vor allem Probleme in den Lieferketten sorgten dafür, dass Roku nicht so viele Player absetzen konnte wie geplant. Der Geschäftsbereich steht nur noch für 11,8% der Gesamtumsätze, Tendenz abnehmend. Im zweiten Quartal letzten Jahres lag der Umsatzbeitrag noch bei knapp einem Drittel. Unter dem Strich rutschte Roku zum Jahresstart in die Verlustzone. Nach einem Gewinn von 76 Mio. $ im Vorjahresquartal stand nun ein Verlust von 19 Mio. $ in den Büchern.

Erste Gespräche zwischen den Firmen bestätigt

Nun hat es erste offizielle Gespräche zwischen den beiden Konzernen gegeben. Dabei gibt es sowohl Argumente, die für als auch gegen einen Deal sprechen. Pro: Roku verfügt über die Werbe-Infrastruktur, die Netflix für eine mögliche Umstellung des Geschäftsmodells (Anm.: Netflix prüft die Einführung eines werbefinanzierten Geschäftsmodells) benötigt.

Zumal auch unter den Roku-Nutzern noch ordentliches Potenzial schlummert: Roku beendete das erste Quartal 2022 mit mehr als 61,3 Millionen monatlich aktiven Nutzern, die rund 21 Milliarden Stunden Streaming abgerufen haben. Laut einer Verbraucherumfrage von Ampere waren zuletzt rund 30% der Roku-Gerätebesitzer in den USA derzeit noch keine Netflix-Abonnenten.

Übernahme wäre großer Schluck aus der Pulle

Contra: Unter anderem auch die Kosten eines Deals. Roku kommt trotz des drastischen Kursrückgangs immer noch auf einen Börsenwert von rund 10 Mrd. $. Zudem wäre wohl ein ordentlicher Kursaufschlag für die Zustimmung der Aktionäre zwingend notwendig. Netflix ist aber bereits hochverschuldet und muss enorme Summen für seine zukünftigen Inhalte ausgeben.

Damit bleibt vorerst nur eines sicher: Ob die Übernahme durch Netflix stattfinden wird – und wie im Nachgang die Marke Roku und ihren Produktlinien positioniert bleiben, steht derzeit noch völlig in den Sternen.