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Schwarzer Tag für Netflix-Aktie: Kurskollaps bei Streaming-Pionier nach sinkenden Nutzerzahlen

Inhaltsverzeichnis

Mit der Netflix-Aktie ist in diesem Jahr kein Blumentopf zu gewinnen. Seit dem Jahreswechsel befinden sich die Papiere im steilen Sinkflug. Doch wer kürzlich zugegriffen hat in der Hoffnung, dass die Aktie den Boden gefunden hat, wurde massiv enttäuscht. Nach Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Quartal rauschte die Aktie gestern um mehr als 30% in den Keller. Damit summieren sich die Verluste im Börsenjahr 2022 auf über 60%. Grund für den Einbruch waren vor allem die Nutzerzahlen, die zum ersten Mal seit zehn Jahren rückläufig waren.

Wie geht es nun mit dem ehemaligen Anlegerliebling Netflix weiter? Ist der Rücksetzer eine Kaufgelegenheit oder sollten Anleger auch künftig die Finger von der Aktie lassen?

Netflix mit erstem Nutzerschwund seit 2011

Kommen wir gleich zum Punkt und vor allem zum Grund für den kräftigen Abverkauf der Netflix-Aktie: Der Streaming-Dienstleister hat im ersten Quartal 200.000 Nutzer verloren. Damit hat der US-Konzern erstmals seit Oktober 2011 mehr Nutzer verloren als gewonnen. Ein herber Schlag für die Anleger, die im Vorfeld mit einem Plus von 2,5 Millionen Nutzern gerechnet hatten. Zum Vergleich: Im Schlussquartal konnte Netflix noch 8,28 Millionen Neukunden gewinnen. Im gleichen Quartal des vergangenen Jahres verzeichnete Netflix 4 Millionen neue Abonnenten.

Corona-Sonderkonjunktur ist längst passe

Dabei hat der Rückgang laut dem Unternehmen diverse Gründe. Zum einen hat das Auslaufen der Corona-Pandemie und der Lock Down-Beschränkungen Bremseffekte auf die Wachstumsdynamik. Zum anderen sorgt auch der Ukraine-Krieg für erheblichen Gegenwind. Infolgedessen hatte Netflix den Dienst für russische Nutzer eingestellt. Als Konsequenz gingen rund 700.000 verloren.

Zudem verweist auch die Konzernführung auf die starke Rivalität unter den Streaming-Diensten. Die Konkurrenz durch Wettbewerber wie Disney+, Amazon Prime, Apple oder YouTube hat sich in den letzten Quartalen nochmals deutlich verschärft.

Geteilte Nutzerkonten machen Netflix das Leben schwer

Darüber hinaus kämpft der Konzern mit den Folgen von geteilten Nutzerkonten. Zusätzlich zu unseren 222 Millionen zahlenden Haushalten schätzt der Konzern, dass Netflix mit über 100 Millionen weiteren Haushalten geteilt wird. Alleine 30 Millionen dürften es in den USA und Kanada sein.

Umsatz unter, Gewinn über den Erwartungen

Im Startquartal kletterten die Umsätze um 9,9% auf 7,87 Milliarden Dollar. Das lag 70 Millionen Dollar unter den Erwartungen der Analysten (Quelle: Seekingalpha). Beim Gewinn konnten aber die Prognosen übertroffen werden: Netflix erwirtschaftete einen Gewinn von 3,53 Dollar pro Aktie und damit 64 Cent mehr als im Vorfeld erwartet wurde.

Ebenfalls positiv: Nach drei Quartalen mit einem negativen Cashflow konnte wieder ein freier positiver Cash Flow von 802 Millionen Dollar erwirtschaftet werden.

Netflix ergreift drastische Maßnahmen

Firmengründer und Vorstand Reid Hasting will nun mit billigeren werbefinanzierten Tarifen gegensteuern. Zum Hintergrund: In einem zunehmend überfüllten und wettbewerbsintensiven Markt ist Netflix eine der teuersten Optionen auf dem Markt außerhalb Nordamerikas.

Zukünftig könnte es dann den Nutzern überlassen bleiben, ob sie mehr zahlen möchten und werbefrei schauen oder ein günstiges Abo abschließen und dafür Werbung sehen. Zudem hat Netflix angekündigt den Suchalgorithmus in diesem Jahr weiter zu verbessern.

Prognose reißt nicht vom Hocker

Ob und wann die Maßnahmen greifen, wird sich erst noch zeigen. Bis dahin zeigt sich der Konzern zurückhalten. Für das laufende zweite Quartal rechnet Netflix mit dem Verlust von zwei Millionen Nettokunden auf 291,64 Millionen. Der Umsatz soll ähnlich wie im ersten Quartal um rund 10% auf 8,05 Milliarden Dollar ansteigen, der Gewinn bei 3 Dollar je Aktie liegen.

Das scheint die besorgten Anleger momentan nicht zu beruhigen. Die Analysten streichen ihre Kursziele zusammen und die Investoren gehen vorerst an die Seitenlinie. Eine schnelle Trendwende scheint damit vorerst nicht in Sicht zu sein.