PayPal kapituliert vor seinen Aktionären

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PayPal bläst die Übernahme von Pinterest ab und beugt sich damit dem Votum seiner Aktionäre. (Foto: JHVEPhotos / shutterstock.com)

In der vergangen Woche wurde das Interesse von PayPal an einer Übernahme von Pinterest bekannt. 45 Mrd. US-Dollar wollte sich PayPal das Social Media-Unternehmen kosten lassen.

Das gefiel den Anlegern allerdings überhaupt nicht. Die Verkäufe setzten den PayPal-Aktienkurs unter Druck. Inzwischen hat PayPal auf diese Art der Kritik reagiert und die Übernahme abgeblasen.

Was macht Pinterest überhaupt?

Zunächst möchte ich Ihnen Pinterest einmal etwas näher vorstellen, da es sicherlich nicht jeder kennt. Es handelt sich um eine Art „Online-Pinnwand“ für Grafiken und Fotografien mit angeschlossenem sozialen Netzwerk inklusive einer visuellen Suchmaschine. Für zahlreiche Websites hat sich ein Auftritt bei Pinterest als „Trafficbooster“ entwickelt, der die Nutzerzahlen für die eigene Website in kurzer Zeit explodieren lassen kann. Pinterest selbst verdient sein Geld mit Online-Werbung.

Pinterest ist in der Corona-Pandemie in neue Dimensionen geklettert. Nach 1,1 Mrd. US-Dollar 2019 und 1,7 Mrd. US-Dollar 2020 soll der Umsatz in diesem Jahr auf über 2,6 Mrd. US-Dollar klettern und für nächstes Jahr erwarten Analysten nochmals +30% Umsatzwachstum auf dann 3,4 Mrd. US-Dollar. Im Frühjahr war das Unternehmen an der Börse sogar kurzzeitig deutlich mehr als die 45 Mrd. US-Dollar gehandelter Kaufpreis wert, seitdem hatte sich die Aktie aber schwach entwickelt – bis zur Bekanntgabe des Übernahmegerüchts.

PayPal wollte Vorreiter für „Social Shopping“ sein

Anfangs wurde viel gerätselt, was der Zahlungsdienstleister PayPal überhaupt mit Pinterest anfangen will. Aber so abwegig wäre es gar nicht gewesen. Schon Facebook und Twitter haben Interesse bekundet, in Zukunft mehr im Shopping-Bereich aktiv zu werden. PayPal war offenbar, bis zum Rückzieher, bereit – diesen Schritt konsequent zu gehen – mit allen Chancen und Risiken. PayPal hätte Pinterest dazu nutzen können, um daraus ein Shopping-Portal zu machen und den Nutzern genau die Produkte anzubieten, die ihren Interessen entsprechen.

Anleger stoppen das Experiment

Es wäre aus meiner Sicht sehr interessant gewesen, zu beobachten, inwieweit diese risikobehaftete Strategie von PayPal aufgegangen wäre. Das werden wir jetzt nicht erfahren. Offenbar wurde es PayPal im Hinblick auf den heftigen Gegenwind beim Aktienkurs zu mulmig. Daher wurde die Übernahme abgeblasen. Letztlich haben die Anleger das Übernahme-Experiment gestoppt.

Es geht dabei übrigens nicht nur um den Unmut der Anleger, sondern auch um handfeste finanzielle Gründe: Falls PayPal das Geschäft mit eigenen Aktien abwickeln wollte, hätte die schwache Kursentwicklung dazu geführt, dass man Pinterest mehr eigene Aktien als Bezahlung anbieten müsste als erwartet.

PayPal-Aktie noch nicht wieder vollständig erholt

Interessant ist die Reaktion der beiden Aktien auf die geplatzte Übernahme: Während die Pinterest-Aktie schnell wieder auf das Kursniveau vor den Übernahme-Gerüchten zurückfiel, konnte PayPal nur leicht zulegen und notiert immer noch mit einem deutlichen Kursabschlag.

Für langfristig orientierte Anleger könnte dies eine günstige Einstiegsgelegenheit sein. Denn an der Fortsetzung von PayPals Erfolgsgeschichte als Zahlungsdienstleister zweifelt eigentlich niemand.

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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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