Peloton-Aktie im Sinkflug: Kurs verliert über 90% vom Hoch

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Auch wenn das Peloton-Management mit dem Strategieschwenk (günstigere Fitnessgeräte + höhere Abo-Gebühren) das Ruder rumzureißen versucht, dem Aktienkurs haben die Maßnahmen bislang nicht geholfen. Ganz im Gegenteil: Zuletzt rutschte die Aktie erstmals seit dem Börsengang unter die 10 Dollar-Marke. Damit sind die Papiere Lichtjahre von ihren alten Höchstkurse von knapp 130 Dollar entfernt.

Peloton im Portrait

Das Unternehmen wurde 2012 in New York gegründet. Nachdem der Firmengründer John Foley keine anfangs keine Investoren für sein Geschäftsmodell begeistern konnte, hat er Peloton zunächst über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter und Privatinvestoren finanziert. Das erste Fitnessgerät kam 2014 auf den Markt. Das erfolgreichste Produkte ist ein hochwertiges Spinning-Bike, das für über 2.000 Euro verkauft wird. Dazu benötigen Nutzer eine monatliche Mitgliedschaft, um Zugriff auf die Kurse zu bekommen. In den letzten Jahren hat Peloton sein Sortiment um ein Laufband und eine standalone App erweitert.

Aus Studios in New York und London werden täglich zahlreiche Fitness-Kurse live ausgestrahlt, zu denen man sich anmelden kann und bei denen man auch individuell angesprochen und motiviert wird. Wem das Live-Angebot zeitlich nicht passt, der kann sich aus einer Auswahl von mittlerweile über 10.000 Trainingseinheiten in der Mediathek bedienen.

Peloton rutscht tief in die roten Zahlen

Peloton war einer der großen Gewinner der Lock-Down-Beschränkungen während der Corona-Pandemie. Im Geschäftsjahr 2021 (ging bei Peloton bis Juni 2021) kletterten die Umsätze um 120% auf knapp über 4 Milliarden Dollar.

Diese hohen Zuwachsraten sind längst vorbei: Im zurückliegenden Quartal(Januar bis März 2022) schmolzen die Umsätze um 23% auf 964 Millionen Dollar zusammen. Die Erlöse aus Geräteverkäufen brachen dabei um 42% auf knapp 600 Millionen Dollar ein. Zugleich schrieb Peloton tiefrote Zahlen (-757 Millionen Dollar).

Leichter Zuwachs bei den Nutzern

Doch es gab auch einen kleinen Silberstreif am Horizont: Im vergangenen Quartal wuchs die Nutzerzahl um 195 000 auf sieben Millionen. Immerhin gab es pro Abo-Kunden im Schnitt 18,8 Trainings pro Monat – wieder ein Zuwachs nach 15,5 Workouts in den drei Monaten davor. In der Corona-Krise vor einem Jahr hatten Pelotons Abo-Kunden allerdings ihre Geräte noch im Schnitt 26 Mal pro Monat genutzt.

Führungswechsel soll neuen Wind bringen

Im Frühjahr dieses Jahres folgte der Kahlschlag. In Summe wurden 2.800 Stellen gestrichen. Außerdem will das US-Unternehmen den Bau einer Fabrik in Ohio beenden und Warenhäuser verkleinern. Insgesamt sollen so jährlich 800 Millionen Dollar eingespart werden.

Zudem machte Firmengründer John Foley den Weg frei wechselte und der ehemalige Spotify-Finanzchef Barry McCarthy übernahm die Konzernführung. Zugleich wurde Anfang Juni die Finanzchefin Jil Woodworth ausgetauscht. Nachfolger ist die ehemalige Amazon-Cloud-Managerin Liz Coddington.

Fazit: Peloton ist derzeit ein extrem schwieriger Investment-Case. Der aktivistische Investor Blackwells Capital drängt seit April 2022 den Konzern dazu, einen Verkauf zu erwägen. Bislang erfolglos. Ob das neue Preismodell greift, wird sich ebenfalls erst zeigen müssen. Die Finanzierung ist durch die Aufnahme von Krediten zwar vorerst gesichert worden, dürfte aber vor dem Hintergrund der zuletzt horrenden Verluste das Geschäftsmodell nicht auf ewig retten. Jetzt muss das neue Management zeigen, dass der nachhaltige Sprung in die Gewinnzone gelingen kann.