Tesla Aktie: Rekordserie gebrochen – Analysten reagieren prompt

Tesla Aktie: Rekordserie gebrochen – Analysten reagieren prompt
Andrei Tudoran / Shutterstock.com
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Die Rekordserie ist gerissen: Tesla hat im abgelaufenen 2. Quartal lediglich 254.695 Fahrzeuge an seine Kunden übergeben. Im vorangegangenen Auftaktquartal 2022 waren es noch etwas mehr als 310.000 Stück gewesen.

Knick bei Auslieferungen in Q2

Zuvor hatte Tesla die Auslieferungszahlen über etliche Quartale immer weiter steigern können. Den jetzigen Rückgang begründet das Unternehmen in erster Linie mit Produktionsausfällen, bedingt durch den fast zwei Monate andauernden Lockdown in Shanghai. Chinas umstrittene Null-Covid-Politik hat zuletzt etliche Konzerne in Bedrängnis gebracht, da in der Region um die Wirtschaftsmetropole Shanghai mit ihrem riesigen Containerhafen Standorte zahlreicher westlicher Firmen angesiedelt sind. Neben Produktionsausfällen führte der strikte Lockdown zu einer weiteren Anspannung in den globalen Lieferketten.

Immerhin: Für den weiteren Verlauf des Jahres rechnet Tesla-Chef Elon Musk mit einer Steigerung der Produktions- und Auslieferungszahlen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten auch die Q2-Zahlen ein kräftiges Plus verbuchen: Im Vorjahresquartal hatte Tesla lediglich etwas mehr als 201.000 Fahrzeuge an seine Kunden übergeben.

Analysten in zwei Lager gespalten

Analysten reagierten umgehend auf die frischen Zahlen, die vor wenigen Tagen bekannt gegeben wurden – und liegen mit ihren Einschätzungen zur Tesla Aktie nach wie vor weit auseinander. Es gibt das Lager der Skeptiker, zu denen das Analysehaus Bernstein Research, die britische Barclays Bank oder auch die US-Großbank JP Morgan zählen. Sie alle warnen vor einem dramatischen Kurseinbruch der Tesla Aktie auf 450 bis 370 Dollar und raten dementsprechend dazu, sich von den Papieren zu trennen, die zuletzt noch für rund 750 Dollar gehandelt wurden.

Demgegenüber steht die Fraktion der Optimisten, die Tesla auch weiterhin auf Erfolgskurs sehen. Zu ihnen zählen beispielsweise die Analysten von Goldman Sachs, dem Analysehaus Jefferies oder der Schweizer UBS, die trotz rückläufiger Auslieferungszahlen ihre Kaufempfehlungen sowie die Kursziele zwischen 1.000 und 1.100 Dollar bekräftigten. Auch die Deutsche Bank zählt zum Lager der Zuversichtlichen und bestätigte zuletzt Ende Juni ihre Kaufempfehlung für die Tesla Aktie, wenn diese auch einherging mit einer Reduzierung des Kursziels von 1.250 auf 1.125 Dollar.

Tesla Aktie legt zweistellig zu

Anleger sind indes weniger nervös wegen der absoluten Zahlen, die das Unternehmen vorlegt – sie goutierten die Q2-Auslieferungen sogar mit einem kräftigen Wochenplus von rund 14 Prozent. Stattdessen sind Aktionäre besorgt wegen der sonstigen Schlagzeilen, die Elon Musk regelmäßig produziert. Waren es im vergangenen Jahr vor allem seine Tweets rund um die Kryptowährung Bitcoin, die sowohl deren Kurs als auch den der Tesla Aktie mehrfach auf Achterbahnfahrt schickten, so ist es in diesem Jahr vor allem seine Twitter-Offerte.

Vor wenigen Monaten hatte Musk angekündigt, den Kurznachrichtendienst kaufen und von der Börse nehmen zu wollen. Dafür wollte er sein Privatvermögen aufwenden. Bald zeichnete sich jedoch ab, dass auch der reichste Mann der Welt Schwierigkeiten bei der Finanzierung des 44 Milliarden Dollar schweren Deals bekommen könnte – da ein Großteil seines Vermögens in Tesla Aktien liegt und diese eben, nicht zuletzt seinetwegen, sehr schwankungsanfällig sind.

Musk lässt Twitter-Übernahme platzen

Am vergangenen Freitag wurde nun bekannt, dass Musk den Deal platzen lassen will. Zur Begründung verwiesen seine Anwälte auf ungeklärte Fragen rund um Spam- und Fake-Accounts. Hierzu habe Twitter seit fast 2 Monaten keine Daten oder Antworten geliefert, was man als Vertragsbruch einstufe und sich daher aus dem Deal zurückziehe. Beobachter hatten bereits damit gerechnet, dass Musk kalte Füße bekommen könnte – er hatte sich bei der Preisgestaltung offensichtlich verzockt. Geboten wurden Twitter Anlegern mehr als 54 Dollar je Aktie – vor Bekanntwerden des Rückzugs von Musk aus dem Geschäft war das Papier am Parkett jedoch nicht einmal 37 Dollar wert.

Nun droht ein langer Rechtsstreit darum, wer hier welche Verantwortung trägt und welche Seite womöglich die 1 Milliarde Dollar Strafe wird zahlen müssen, die beide Parteien im Falle des einseitigen Rückzugs vereinbart hatten. Twitter hat bereits angekündigt, gegen Musks Rückzug zu klagen – und den Kauf gerichtlich durchzusetzen.

Umtriebiges Privatleben sorgt für Schlagzeilen

Doch damit nicht genug: Auch mit seinem Privatleben sorgt Musk erneut für Schlagzeilen. Wenige Wochen vor der Geburt des zweiten Kindes mit seiner Lebensgefährtin soll demnach eine Top-Managerin seines Start-ups Neuralink im vergangenen November Zwillinge auf die Welt gebracht haben – Musks Kinder Nummer 9 und 10, von insgesamt 3 Müttern.

Weil Affären unter Angestellten über mehrere Hierarchieebenen hinweg in großen US-Unternehmen jedoch normalerweise untersagt sind – Stichwort Governance –, droht hier womöglich erneut Ärger. Ganz abgesehen davon dürfte auch seine Lebensgefährtin von der Parallelschwangerschaft mutmaßlich nicht begeistert sein, was Musk zusätzlich von seinen geschäftlichen Aktivitäten ablenken könnte.

Keine Frage: Musk hat mit seinen mutigen, visionären und zum Teil radikalen Entscheidungen Tesla von der Nischenfirma zum Weltunternehmen gemacht. Seine unternehmerische Risikobereitschaft ist berüchtigt, der Erfolg von Tesla gibt ihm Recht. Doch nicht wenige Anleger wünschten sich ruhigeres Fahrwasser und eine stärkere Fokussierung aufs Kerngeschäft. Mit Musk an der Spitze bleibt das aber wohl bis auf Weiteres eine Utopie – und die Tesla Aktie nichts für schwache Nerven.