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Tesla Aktie weitgehend entkoppelt vom Unternehmen

Inhaltsverzeichnis

Tesla-Aktionäre haben es wahrlich nicht leicht. Selbst jetzt, wo das Unternehmen dank international stark steigender Verkaufszahlen und satten Quartalsgewinnen allmählich endlich ernstgenommen wird am hart umkämpften Automarkt, geraten Fundamentaldaten allzu oft zur Nebensache.

Grund dafür ist in erster Linie Tesla-Chef Elon Musk. Der schillernde CEO ist bekannt für seine spontanen Ideen, großen Visionen und emotionalen Ausbrüche. Diese werden gerne auch per Twitter mit der ganzen Welt geteilt – und sorgten gerade in den vergangenen Wochen wieder für heftige Turbulenzen bei der Kursentwicklung der Tesla Aktie.

Musk stößt Millionen Tesla Aktien ab – um Twitter zu kaufen

Im April sorgten die Meldungen für Aufsehen, wonach Musk zunächst ein bedeutendes Aktienpaket an Twitter erworben hatte – und kurze Zeit später bekanntgab, den Kurznachrichtendienst komplett aufkaufen und von der Börse nehmen zu wollen. Seither überschlagen sich die Ereignisse.

Noch immer ist unklar, ob Musk seinen Lieblingskommunikationskanal nun wirklich übernehmen wird oder nicht – als Privatperson, wohlgemerkt. Tesla hat damit nur bedingt zu tun und zwar insofern, als das Vermögen des reichsten Menschen der Welt zu wesentlichen Teilen auf seinen Tesla Aktien beruht. Um also Twitter kaufen zu können, trennte sich Musk kurzerhand von größeren Aktienpaketen seines Elektroautounternehmens.

… und macht dann womöglich einen Rückzieher

Mehrfach sackte der Kurs der Tesla Aktie daraufhin ab, weil die Gewinnmitnahmen des Chefs natürlich auch die Rendite der anderen Anteilseigner schmälerten. Hinzu kamen Gerüchte, Musk könnte einen Rückzieher machen von seinen Plänen, Twitter zu kaufen. Zumindest forderte er das Unternehmen dazu auf, schlüssig nachzuweisen, dass automatisierte Bots nur einen geringen Anteil an der Gesamtnutzerschaft von Twitter ausmachen – andernfalls sei er nicht bereit, einen so hohen Preis zu zahlen.

Geht es hier allein um einen Preispoker – oder wird Musk das Eisen inzwischen doch zu heiß? So richtig abschätzen kann das derzeit niemand, womöglich nicht einmal Musk selbst. Die Unklarheit darüber, ob er weitere Tesla-Anteile abstoßen und zu Geld machen wird, sorgen jedenfalls für Verunsicherung bei den verbliebenen Anlegern.

Gerüchte um sexuelle Übergriffe – Tesla Aktie sackt ab

In der vergangenen Woche kam nun noch eine Schippe obendrauf: Es machten Gerüchte die Runde, wonach es einen sexuellen Übergriff Musks gegenüber einer Mitarbeiterin seines Raumfahrtunternehmens SpaceX gegeben haben soll. Der Vorfall habe sich im Jahr 2016 ereignet, im Anschluss habe die betroffene Mitarbeiterin eine hohe Summe erhalten, um ihr Stillschweigen zu sichern.

Noch ist unklar, ob es sich dabei um die dramatische Enthüllung eines skandalösen Fehltritts des Tesla-Chefs handelt oder um eine gegen ihn gerichtete PR-Kampagne. Musk selbst wies die Vorwürfe zurück, doch Anleger reagierten bereits alarmiert und schickten die Tesla Aktie abermals auf Talfahrt.

Tesla Aktie fliegt aus ESG-Index

Seit die Me-Too-Debatte vor einigen Jahren ins Rollen kam und seither mehrere prominente Missbrauchsfälle aufgedeckt wurden, herrscht gerade in den USA eine erhöhte Sensibilität gegenüber derartigen Vorwürfen. Sollte tatsächlich etwas dran sein und belastbare Indizien die Vorwürfe erhärten, könnte es eng werden für Elon Musk.

Es ist nicht der einzige Aufreger, der den Manager zuletzt in Rage brachte und zu aufgebrachten Tweets verleitete. Auch dass Tesla vor wenigen Tagen aus dem renommierten S&P 500 ESG gestrichen wurde, brachte Musk auf die Palme. ESG steht für Environmental, Social and Governance und gilt als Gütesiegel für nachhaltige Investments – also für Unternehmen, die sich durch gute Unternehmensführung, eine soziale Arbeitskultur und Klimaschutzaspekte auszeichnen.

Musk tobt – Aktienkurs sinkt

Dass Tesla nun aus dem ESG-Index der Ratingagentur Standard & Poors herausgeflogen ist, begründeten die Entscheidungsträger unter anderem mit Vorwürfen bezüglich Rassismus oder allgemein schlechter Arbeitsbedingungen bei Tesla sowie dem Umgang des Unternehmens mit teilweise tödlichen Zwischenfällen mit dem Autopilot-Fahrassistenzsystem.

Musk tobte daraufhin – und machte seinem Ärger umgehend via Twitter Luft. Er bezeichnete ESG als „Betrug“ und warf den Verantwortlichen Heuchelei vor. Der Kurs der Tesla Aktie geriet abermals in Mitleidenschaft.

Tesla Aktie: Nichts für schwache Nerven

Allein im zurückliegenden Monat ist die Aktie um rund ein Drittel eingebrochen und hat das Vermögen von Musk ebenso verbrannt wie das Kapital der übrigen Anleger. Mit dem Elektroautobauer selbst und seinen Geschäften hat das aber kaum zu tun: Hier lief es zuletzt rund. Im Auftaktquartal konnten neue Rekorde verzeichnet werden, im März wurde zudem im brandenburgischen Grünheide die erste europäische Produktionsstätte eröffnet.

Dass die Kursentwicklung der Aktie von der Entwicklung des Unternehmens derartig entkoppelt und weitgehend abhängig ist von den Ausbrüchen einer Einzelperson, ist eine Besonderheit, die das Papier für Anleger zum Risikoinvestment werden lässt. Wer hier investiert, sollte Verluste nicht scheuen.