Aktienrückkäufe und Folgen – Was passiert mit zurückgekauften Aktien?

Aktienrückkäufe sind heute an der Tagesordnung - doch was passiert mit den zurückgekauften Aktien? (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

In Deutschland sind Aktienrückkäufe ohne große Auflagen erst seit 1998 erlaubt, in den USA dagegen sind Aktienrückkaufprogramme an der Tagesordnung. Bestes Beispiel ist Apple. Der iPhone-Erfinder hat Ende April 2015 ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 200 Mrd. US-$ aufgelegt und entsprechende Aktien aus diesem Programm bis Ende März 2017 zurückgekauft.

Anleger profitieren von solchen Aktienrückkäufen, denn diese können in schwierigen Börsenphasen nicht nur den Kurs stützen, sondern verringern auch gleichzeitig die Anzahl der ausstehenden Aktien, wodurch der Gewinn pro Aktie steigt.

Viele Anleger fragen sich allerdings, was mit den zurückgekauften Aktien passiert? Dazu zunächst ein Blick auf die rechtlichen Grundlagen in Deutschland.

Aktienrückkäufe und die Folgen – Wozu dürfen zurückgekaufte Aktien verwendet werden?

In Deutschland sind Aktienrückkäufe im Aktiengesetz § 71 (Erwerb eigener Aktien) geregelt. In diesem Gesetz ist auch geregelt, wann eine Aktiengesellschaft überhaupt Aktien zurückkaufen darf, und zwar:

– um einen schweren, unmittelbar bevorstehenden Schaden von der Firma abzuwenden. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn sich die Firma gegen eine feindliche Übernahme wehren will.

– um Aktien oder Aktienoptionen an Mitarbeiter und Führungspersonal auszugeben.

– zwecks Herabsetzung des Grundkapitals (verdeckte Kapitalausschüttung). Die Aktien werden eingezogen und anschließend vernichtet (Aktienvernichtung).

Aktienrückkäufe in Deutschland – Was ist noch zu beachten?

Eine Aktiengesellschaft kann nicht willkürlich und unbegrenzt Aktien zurückkaufen. Hier sind verschiedene Regeln bzw. Gesetzesvorgaben zu beachten.

– Aktienrückkäufe sind in Deutschland auf maximal 5 Jahre begrenzt, anschließend muss die Hauptversammlung ein neues Aktienrückkaufprogramm beschließen.

– Der aktive Handel in eigenen Aktien ist ausgeschlossen.

– Es gibt eine Obergrenze für Aktienrückkaufe. Daher ist der Aktienrückkauf auf maximal 10 % der ausstehenden Anteile begrenzt.

Aktienrückkäufe und die Folgen im Unternehmen

Zudem bleibt die Frage nach den Folgen von Aktienrückkäufen für Unternehmen. Sind die zurückgekauften Aktien erst einmal im Bestand des Unternehmens, ergeben sich weitere Folgen. Zum Beispiel ergibt sich aus den zurückgekauften Aktien kein Anspruch auf eine Dividende bzw. auch kein Anspruch auf etwaige Bezugsrechte.

Dies bedeutet, dass sich das Unternehmen nicht selbst eine Dividende auszahlen kann. Bei einer Kapitalerhöhung besteht aus den zurückgekauften Aktien kein Anspruch auf Bezugsrechte bzw. Gratisaktien.

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Auch besitzen die zurückgekauften Aktien kein Stimmrecht. Dies bedeutet, dass Firmen die zurückgekauften Anteile nicht dazu einsetzen können, um zum Beispiel Beschlüsse mit diesen Stimmrechten auf der Hauptversammlung durchzusetzen.

Aktienrückkäufe und die Folgen in der Bilanz

Zu beachten ist, dass als Folge des Aktienrückkaufs nicht sofort die Anzahl der umlaufenden bzw. ausstehenden Aktien sinkt. Erst wenn es zu einer Herabsetzung des Grundkapitals bzw. einer Vernichtung der zurückgekauften Aktien kommt, reduziert sich auch die Anzahl der ausstehenden Anteile.

Ein Beispiel:

Eine Aktiengesellschaft (AG) hat ein gezeichnetes Grundkapital von 100 Mio. € und 50 Millionen Aktien ausgegeben. Die AG beschließt nunmehr 2 % der Aktien zurückzukaufen und zu vernichten.

Ergebnis: Das gezeichnete Grundkapital sinkt um 2 Mio. auf 98 Mio. €, die Zahl der ausstehenden Aktien sinkt ebenfalls um 2 %  und damit um 1 Million auf 49 Millionen Aktien. Für die zurückgekauften 1 Million Aktien zum Durchschnittskurs von 50 € hat die AG also 50 Mio. € ausgegeben.

Während auf der Aktivseite der Bilanz die zurückgekauften Aktien (50 Mio. €) ausgebucht werden, reduziert sich auch die Passivseite der Bilanz um 50 Mio. € (Grundkapital sinkt um 2 Mio. €, die verbleibenden 48 Mio. € werden den Gewinnrücklagen entnommen).

Fazit: Aktienrückkäufe bieten für Anleger gleich mehrere Vorteile

Aktienrückkäufe bieten also für Anleger gleich mehrere Vorteile. Zum einen wirken Aktienrückkäufe kursstützend, da das Unternehmen selber als Käufer an der Börse  auftritt und so für Nachfrage nach Aktien sorgen kann, was nicht selten zu steigenden Aktienkursen führt.

Zudem verteilt sich der erwirtschaftete Gewinn im Unternehmen auf weniger Anteile, was den Gewinn pro Aktie erhöht – auch wenn der erwirtschaftete Gewinn gleich bleibt.

Ferner sind Aktienrückkäufe verdeckte Kapitalausschüttungen, bei denen anders als Dividendenzahlungen keine Steuern (Kapitalertragsteuer) für Anleger anfallen. Zudem profitiert der Anleger von einer Art Thesaurierungseffekt, denn anders als bei einer Dividendenausschüttung, bleibt das Geld bei Aktienrückkäufen im Unternehmen investiert.

Ein Nachteil bzw. eine Gefahr ergibt sich für Anleger, wenn Aktien zu überhöhten Kursen zurückgekauft werden. Folgt beispielsweise nach einem Aktienrückkaufprogramm eine Gewinnwarnung infolgedessen der Aktienkurs einbricht, hat das Unternehmen die Aktien zu teuer zurückgekauft.

Kurzum: Unter dem Strich sind Aktienrückkäufe neben Dividenden ein gutes Instrument, um Kapital an die Anleger zurückfließen zu lassen.

Aber auch für Unternehmen gibt es mehrere Gründe, Aktien zurückzukaufen. Zum Beispiel kann das Unternehmen so seine Zuversicht in die Zukunft des Unternehmens ausdrücken, was durchaus als positiver Indikator verstanden werden kann.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands