Wie hoch ist die Beitragsbemessungsgrenze?

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Für Zweige der Sozialversicherung in Deutschland besteht eine Beitragsbemessungsgrenze, so auch für die gesetzliche Rentenversicherung. (Foto: Shutter_M / Shutterstock.com)


Fakten zur Beitragsbemessungsgrenze

Beitragsbemessungsgrenzen gelten in Deutschland für folgende Sozialversicherungen

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung

Beitragsbemessungsgrenze 2019: 4537,50 € brutto

  • Arbeitslosenversicherung
  • Rentenversicherung

Beitragsbemessungsgrenze 2019: Ost 6150 € brutto, West 6700 € brutto

Die Beitragsbemessungsgrenze wird auf Basis des Monatsgehalts berechnet.


Definition: Was ist die Beitragsbemessungsgrenze?

Arbeitnehmer müssen meist prozentuale Anteile ihres Gehaltes als Beiträge für Sozial-, Renten- oder gesetzliche Krankenversicherung abführen. All diese Versicherungen sind Zweige der Sozialversicherung in Deutschland.

Der prozentuale Anteil am Brutto-Gehalt bleibt in der Regel gleich, doch gibt es in Deutschland Höchstbeträge, die zur maximalen Beitragsberechnung herangezogen werden können – die Beitragsbemessungsgrenze. Diese wird in Deutschland auf Basis des monatlichen Gehalts berechnet.

Fällt das Arbeitsentgelt des Arbeitnehmers höher aus, so gehen lediglich die Beiträge ab, welche im Rahmen jener Grenze liegen. Bei einem Verdienst bis einschließlich zur Beitragsbemessungsgrenze werden also die Beiträge vom tatsächlichen Gehalt, bei Verdiensten darüber hinaus von der Beitragsbemessungsgrenze abgerechnet.

Das soziale Netz: Sozialversicherungen in Deutschland

Die Sozialversicherung in Deutschland ist ein Oberbegriff und umfasst mehrere Versicherungszweige: Arbeitslosen-, Renten-, Pflege-, Unfall- und Krankenversicherung. Dieses System wird auch soziales Netz genannt und durch Mitgliedsbeiträge oder Steuern finanziert. In Deutschland besteht für gesetzliche Sozialversicherung eine Versicherungspflicht.

Die gesetzliche Sozialversicherung wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch Otto von Bismarck ins Leben gerufen, der 1883 die gesetzliche Krankenversicherung schuf, um sozialen Unruhen Vorschub zu leisten und die Macht der Gewerkschaften zu schwächen.

Bis zum Jahr 1889 kamen die Zweige Unfall- und gesetzliche Rentenversicherung hinzu. Die an die Krankenversicherung angegliederte Pflegeversicherung hat erst seit dem Jahr 1995 Bestand.

Warum gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze?

Gesetzliche Sozialversicherungen funktionieren in Deutschland nach dem Solidaritätsprinzip. Demnach soll jeder nach seinen finanziellen Möglichkeiten zum Wohl aller Versichertern beitragen. Unabhängig von Alter und Gesundheit stehen somit jedem die gleichen sozialen Leistungen zu.

Ursprünglich sind Krankenkassen allerdings weitestgehend nur für das Krankengeld aufgekommen, weshalb letztendlich eine Beitragsbemessungsgrenze eingeführt wurde. Da das deutsche Sozialversicherungssystem auf einkommensabhängige Versicherungsbeiträge aufbaut, wurden hierfür Maximalwertte (=Beitragsbemessungsgrenze) für Versicherungsbeitrag und Krankengeld festgelegt. Diese ändern sich jedoch beinah jährlich.

Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen

Das Sozialgesetzbuch (SGB) legt in § 159 VI fest, dass die Beitragsbemessungsgrenze für Leistungen der Sozialversicherung jährlich angepasst werden müssen. Dies rührt daher, dass die Grenzen mit der Lohnentwicklung Schritt halten müssen, die normalerweise über die Zeit steigt und auch von der Inflation beeinflusst wird.

Hierbei besteht eine unterschiedliche Beitragsbemessungsgrenze für zwei Leistungen der Sozialversicherung – gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung auf der einen sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung auf der anderen Seite.

Die Grenzwerte werden jedes Jahr aufs Neue angepasst. Die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenkasse richtet sich nach der statistischen Einkommensentwicklung des Vorjahres aus. Der Gesetzgeber ist hierbei dazu verpflichtet, den Grenzwert jährlich zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Eine Anhebung der Grenze bewirkt bei “Gutverdienern” auch eine Anhebung der Beiträge, da sich der Höchstbeitrag in Abhängigkeit zum Grenzwert errechnen lässt.

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Welche Auswirkungen hat die Beitragsbemessungsgrenze auf die Steuer?

Gar keine. Die Beitragsbemessungsgrenze hat keinerlei Auswirkungen auf die Einkommenssteuer.

Lediglich die steuerlich anrechenbare Rürup-Rente ist seit 2015 von der knappschaftliche Rentenversicherung und deren Beitragsbemussungsgrenze abhängig.

Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung

Die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung sind einkommensabhängig. Zurzeit liegt der allgemeine Beitragssatz bei 14,6% des Bruttoeinkommens. Zusätzlich muss allerdings noch ein Zusatzbeitrag entrichtet werden, der von der Krankenkasse selbst festgelegt wird. Im Jahr 2019 liegt dieser durchschnittlich bei 0,9%.

Arbeitgeber übernehmen dabei jeweils die Hälfte des allgemeinen Zusatzbeitrags, während die andere Hälfte vom Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers abgezogen wird.

Für Selbstständige gilt ein ermäßigter Beitragssatz von 14%, wenn sie für diesen allein aufkommen und auf die Zahlung des gesetzlichen Krankengeldes verzichten.

Entwicklung der BBG

Beitragsbemessungsgrenze für die private Krankenversicherung

Haben Angestellte eine private Krankenversicherung, so erhalten sie vom Arbeitgeber die Hälfte des Versicherungsbeitrags als Zuschuss. Dieser beläuft sich allerdings nur bis zur monatlichen Beitragsbemessungsgrenze von 4537,50 € brutto. Im Jahr 2019 beträgt dieser Zuschuss mit 7,3% demnach maximal 331,24 € im Monat.

Beitragsbemessungsgrenzen für die Rentenversicherung

Bei der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung wird zum einen zwischen Ost- und Westdeutschland unterschieden und zum anderen zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und einer sogenannten knappschaftlichen Altersvorsorge.

Der Staat ist laut Sozialgesetzbuch § 159 SGB VI dazu verpflichtet, die Beitragsbemessungsgrenzen jährlich anzupassen.

Die Lohnentwicklung der jeweils vergangenen 2 Jahre dient hierbei als Grundlage – die Beitragsbemessungsgrenzen müssen sich also an der Entwicklung der Gehälter ausrichten. Bezugsgröße ist das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen.

Was ist eine „knappschaftliche Rentenversicherung”?

Die knappschaftliche Rentenversicherung (KnV) ist Teil der gesetzlichen Rentenversicherung, richtet sich aber ausschließlich an Arbeitnehmer, die in einem knappschaftlichen Betrieb tätig sind. Dies wird entsprechend im Sozialgesetzbuch § 133 festgelegt.

Die Definition der knappschaftlichen Betriebe findet sich im Sozialgesetzbuch unter § 134. Versicherungsträger ist die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS). Bis 2005 war sie als Bundesknappschaft geläufig und Körperschaft des unmittelbaren Rechts, ehe sie mit der Deutschen Rentenversicherung fusionierte und den heutigen Namen erhielt.

Entwicklung BBG Rente Arbeitslosenversicherung

Beitragsbemessungsgrenzen für die Arbeitslosenversicherung

Vor allem für besserverdienende Arbeitnehmer ist die Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung von großer Bedeutung. Diese ist identisch mit jener für die Rentenversicherung – und es wird auch hier zwischen West- und Ostdeutschland unterschieden.

Beitragsbemessungsgrenze: Der Unterschied zur Versicherungspflichtgrenze

Besonders wichtig ist, dass die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung ist keinesfalls mit der Versicherungspflichtgrenze zu verwechseln ist.

Die Versicherungspflichtgrenze für Angestellte legt fest, ab welchem Einkommen Sie eine gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr in Anspruch nehmen dürfen. Sollte ihr Einkommen oberhalb dieses Grenzwertes liegen, so sind sie verpflichtet sich privat versichern zu lassen.

Entwicklung VPG


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Max Fassbender
Von: Max Fassbender. Über den Autor

Max Fassbender arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.