Big Mac-Index 2017: Burger-Barometer zeigt Währungsunterschiede

Bei Geldanlagen, die mit verschiedenen Währungen zu tun haben, muss man natürlich die Beziehung von Wechselkursen im Auge behalten. Ein Anzeichen dafür, wohin sie sich bewegen sollten, ist, ob eine Währung im Vergleich zur anderen über- oder unterbewertet ist.

Donald Trump hat sich ja mehrfach beklagt, die Leistungsüberschüsse Deutschlands seien einem viel zu schwachen Euro geschuldet.

Big Mac-Index 2017 mit Kaufkraftvergleich 

Ob er vielleicht auf den Big Mac-Index 2017 geschaut hat? Der Index wird immer zu Jahresbeginn vom britischen Wirtschaftsmagazin „The Economist“ veröffentlicht und zeigt wie viel der Fastfood-Klassiker von McDonalds wo kostet. Im Heimatland USA ist er für 5,06 US-$ zu haben. Im Euroraum hingegen muss man im Schnitt 3,88 € ausgeben, was im Januar 4,06 US-$ entspricht. Obwohl ein Big Mac überall einheitlich hergestellt wird, ist er ein Fünftel billiger.

Beim Umrechnungskurs (Euro/Dollar) von 1,05 kommt der Big Mac-Index damit auf eine Unterbewertung der Gemeinschaftswährung von genau 19,7 %. Anfang 2012 betrug die Diskrepanz gerade mal 0,4 %. Damals stand der Euro bei fast 1,30 US-$. Das entspräche dem fairen Wert laut Big Mac-Index 2017. Amerikaner und Euro-Europäer würden dann gleich viel bezahlen. Ein Zustand, den man als Kaufkraftparität bezeichnet.

Die Kaufkraftparität gehört zu den theoretischen Grundlagen der internationalen Makroökonomie und beruht auf folgendem Gedanken: Sie wird erst erreicht, wenn der Außenwert und der Binnenwert einer Währung übereinstimmen. Der Außenwert kommt an den Finanzmärkten zustande. Der Binnenwert bezeichnet grob gesagt das, was man im jeweiligen Land damit kaufen kann. Normalerweise liegen beide mehr oder weniger weit auseinander.

Fast alle Währungen verlieren gegenüber dem Dollar

So ist, gemessen am Heimatpreis von 5,06 US-$ eines Big Mac, laut Index das britische Pfund 26,3 % unterbewertet, der Trend hat sich seit dem Brexit verstärkt. Der japanische Yen um 35,6 %, der chinesische Renminbi um 44,1 % und die türkische Lira um 45,7 %. Am Bosporus kostet der Big Mac umgerechnet nur 2,75 US-$. Am Nil sogar 1,46 US-$, das ägyptische Pfund steht mit einem Minus von 71,1 % am unteren Ende der 44 gelisteten Währungen.

Am stärksten überbewertet ist dagegen der Schweizer Franken mit 25,5 %. Die Eidgenossen berappen ganze 6,35 US-$ und damit über die Hälfte mehr als ihre Euro-Nachbarn. Die norwegische Krone liegt 12 % über Parität und die schwedische Krone 4 % darüber.

Bis auf wenige Ausnahmen hat in fast allen Ländern die Kaufkraft zum Dollar verloren. Doch das liegt nicht nur an Unterbewertungen, um Exporte anzukurbeln. Umgekehrt ist nämlich die US-Währung durch die Kapitalflucht in den Dollar immer stärker geworden, wozu Donald Trump selbst kräftig beigetragen hat. Betrachtet man im Big Mac-Index etwa den Euro als Ausgangswährung, zeigt sich eine 24,6% Überbewertung des Dollar.

Das BIP verändert vieles

Mit dem Big Mac Index will der Economist seit 1986 das Zusammenspiel von Kaufkraftunterschieden, Wechselkursen und Über- bzw. Unterbewertungen jedermann einfach und übersichtlich nahe bringen. Er räumt aber auch ein, dass er nicht alles abdecken kann, was von Bedeutung ist. Etwa die vielfältigen Faktoren, die je nach Region den Big Mac-Preis unterschiedlich beeinflussen.

Zumindest bietet der Economist seit 2011 eine Zusatzfunktion, die das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf berücksichtigt. Und hier sehen einige Ergebnisse schon ganz anders aus. So ist der Schweizer Franken nur noch 3,8 % überbewertet, der chinesische Renminbi ist nur 6,5 % unterbewertet und der Euro nicht ganz 2 %.

Dass diese ums BIP bereinigten Zahlen des Big Mac-Index 2017 nicht zu etlichen Medienveröffentlichungen passen, liegt an einer anfänglichen Falschberechnung des Economist. Sie wurden Ende Januar korrigiert. Die Redaktion entschuldigt sich ausdrücklich dafür. Schließlich weiß sie, dass ihr Big Mac Index weltweite Beachtung findet.

Insgesamt zeigt er zwar schnell wo Auf- und Abwertungsdruck besteht. Doch die Kaufkraftparität ist hier nur recht einfach dargestellt. Sie beinhaltet weder Transportkosten noch politische Faktoren. Zudem ist der Einfluss von Waren auf den Devisenmarkt äußerst gering.

10. April 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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