Darum sollten Anleger Bitcoin um den 1. August meiden

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Begriffe wie SegWit, SegWit2x und UASF dominieren derzeit die Bitcoin-Welt - das steckt dahinter. (Foto: welcomia / Shutterstock.com)

Für Bitcoin-Anleger stehen in den nächsten Wochen wichtige Termine an. Dabei geht es vor allem um Begriffe wie SegWit, SigWit2x und User Activated Soft Fork (UASF).

Viele Anleger, die bereits in Kryptowährungen investiert sind oder noch beim Bitcoin einsteigen wollen, sind verunsichert, denn niemand weiß genau, was in den nächsten Wochen passiert und wie die sogenannte Blockgrößen-Debatte gelöst wird. Worum geht es genau?

Stau auf der Blockchain löst Skalierungsdebatte aus

Ursächlich für die derzeitige Debatte um die Blockgröße ist der Umstand, dass das Bitcoin-System zu langsam ist. Bitcoin-Transaktionen können schon mal mehrere Tage dauern, die Transaktionskosten schnellten zuletzt wie die Zahl der unbestätigten Transaktionen in die Höhe.

Der Grund: Es dauert derzeit etwa 10 Minuten, bis ein Block auf der Bitcoin-Blockchain errechnet wird. Ein Block ist derzeit auf eine Größe von 1 Megabyte begrenzt, wodurch maximal 4.200 Transaktionen in 10 Minuten bzw. 6,7 Transaktionen pro Sekunde abgewickelt werden können.

Vor 5 Jahren war dies kein Problem, 8.000 Transaktionen pro Tag konnten durchaus bewältigt werden, heute sind dies jedoch bereits 350.000 Bitcoin-Transaktionen pro Tag, wodurch immer öfter ein „Stau“ auf der Blockchain entsteht.

SegWit – Was ist Segregated Witness?

Um dieses Problem zu lösen, haben sich die Core-Entwickler von Bitcoin etwas einfallen lassen: SegWit (Segregated Witness). SegWit, auch BIP141 genannt, bedeutet: Man will die Struktur eines Blocks verändern und die sogenannte Signatur (Witness) aus dem Block herausnehmen.

Diese Signatur, eine Art Bestätigung, dass die Informationen im Block richtig sind, soll separat untergebracht werden, wodurch zusätzliche Kapazitäten im Hauptblock frei werden. Man erwartet, dass dadurch doppelt so viele Transkationen in einem Block untergebracht werden können.

Das Problem: Um SegWit zu aktivieren, müssen 95 % der Miner, also die Nutzer, die Bitcoin mit ihren Hochleistungsrechnern schürfen, zustimmen. Dies tun diese, indem sie einfach die Software updaten (Soft Fork) und SegWit verwenden.

Derzeit haben nur knapp die Hälfte der Miner zugestimmt, die Deadline für die Zustimmung endet Ende Juli. Sollte bis dahin die Grenze von 95 % Zustimmung nicht erreicht werden, passiert nichts.

User Activated Soft Fork (UASF) erklärt

Aus diesem Grunde wollen Bitcoin-Nutzer handeln und haben hierfür den User Activated Soft Fork (UASF) ins Spiel gebracht. Dieser ist de facto ein Verbesserungsvorschlag, der von den Nutzern bzw. Full Nodes ausgeht und am 1. August aktiviert werden soll. Ein Full Node hat die gesamte Bitcoin-Blockchain (ca. 150 GB) heruntergeladen, um alle Transaktionen auf der Blockchain zu verifizieren. Damit kann ein Full Node auch Blöcke ablehnen, die nicht mit dem Software-Update SegWit kommen.

Sollte der UASF in Kraft treten, könnte es zu einer sogenannten harten Abspaltung kommen, wodurch am Ende zwei Bitcoin-Blockketten drohen, die sich gegenseitig bekämpfen.

SegWit2x – Was heißt das?

Dies will wiederum das New York Agreement (NYA) verhindern. Dabei handelt es sich um ein Abkommen größerer Miner, Bitcoin-Börsen und anderer großer Marktteilnehmer rund um Barry Silbert. Das New York Agreement steht hinter SegWit2x, das de facto eine Erweiterung von SegWit (siehe oben) ist, wodurch die Blockgröße auf 2 Megabyte erhöht werden soll.

Der Clou: Nur 80 % der Miner müssen SegWit2x zustimmen, damit dieser Verbesserungsvorschlag in Kraft tritt. Beim NYA hatten zuletzt 87 % der Teilnehmer unterschrieben, wodurch eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass SegWit2x auch tatsächlich im November implementiert wird. Die Initialisierung erfolgt am 21. Juli.

Fazit: Das sollten Bitcoin-Anleger tun

Da nach wie vor die Gefahr einer Aufspaltung der Blockkette nicht vom Tisch ist, sollten Anleger und Bitcoin-Nutzer 48 Stunden vor und nach dem 1. August, wenn möglich nicht mit Bitcoins handeln und keine Bitcoin-Transaktionen tätigen.

Vielmehr sollten Anleger ihre Bitcoins in einer Bitcoin Wallet parken, in der Anleger im Besitz der sogenannten Private Keys sind. Am sichersten ist ein Transfer in eine sogenannte Hardware Wallet (Trezor, Ledger Nano S).

Kommt es am 1. August oder später wirklich zu einer harten Abspaltung, hat der Anleger zwei Coins – einen Bitcoin auf der alten Blockchain und einen weiteren Bitcoin auf der neuen Blockkette.

Für den Fall, dass die Situation relativ unkompliziert mit SegWit2x gelöst werden kann, wird gleichzeitig auch das Lightning Network aktiviert. Mit der Aktivierung des Lightning Network werden Transaktionen außerhalb der Blockchain möglich (Off-Chain-Transaktionen), wodurch Transfers zusätzlich beschleunigt werden.

Dies könnte später auch einen Kursschub beim Bitcoin auslösen. Anleger sollten dennoch beachten, dass Kryptowährungen starken Kursschwankungen ausgesetzt sind und daher nur als spekulative Depotbeimischung in Frage kommen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands