Der Franken verliert seine Anziehungskraft als Fluchtburg

Die Entwicklung des Schweizer Franken vollzieht mit der Entspannung in Europa, dem stärkeren Euro und schwächeren Dollar nun eine Wende. (Foto: nito / shutterstock.com)

Der Schweizer Franken dient vielen immer noch als Fluchtwährung, doch die Anziehungskraft lässt nach. Spätestens mit der Wahl des EU-Befürworters Macrons zum französischen Präsidenten ließ die Euroskepsis nach. Der neue Optimismus verringerte das Bedürfnis nach einem sicheren Hafen und trägt zum neuen Auftrieb des Euro bei.

Entwicklung des Schweizer Franken

Trotz der jüngsten Entwicklung des Schweizer Franken wird die Schweizer Nationalbank (SNB) nicht müde zu betonen, er sei eigentlich überbewertet. Im Verhältnis zum Euro jedenfalls hat sie die Phase der Stärke in einem entscheidenden Schritt zuletzt Anfang 2015 selbst eingeläutet.

Bis dahin hatte die SNB mit Eurokäufen für einen Mindestkurs von 1,20 gesorgt. Immer wenn für einen Euro weniger gezahlt werden musste, kaufte sie nach. Diese Politik hat sie am 15. Januar 2015 überraschend aufgegeben, um zu verhindern, dass der Franken mit dem Euro und den Anleihekäufen der EZB immer schwächer würde.

Viele Anleger mit Differenzkontrakten, Devisen-CFDs, haben das Datum in schmerzlicher Erinnerung. Sie wurden reihenweise aufgerufen Geld nachzuschießen. Aufgrund der rapiden Frankenaufwertung kamen sie genauso wenig hinterher wie die Broker. Das Desaster endete in etlichen Insolvenzen.

Auftrieb nach Brexit

Dieser Meilenstein in der Entwicklung des Schweizer Franken brachte zugleich höhere Strafzinsen mit sich, um den Run auf die Währung zu bremsen. Sie wurden auf 0,75% erhöht und gelten bis heute. Seitdem kostete ein Euro höchstens 1,111 Franken. Der nächste markante Auftrieb gegenüber der Gemeinschaftswährung setzte nach der Brexit-Entscheidung ein.

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Verstärkt wurde er dann durch die Kritik Donald Trumps am Euro, der EU und der Aufkündigung des transpazifischen Freihandelsabkommens TPP. Dieses Spannungsfeld heizte die Flucht in die eidgenössische Währung an. Hinzu kam ein stärkerer Dollar. Die SNB bezieht eine Gewichtung des Dollar-Franken-Kurses von 30% in ihre Entscheidungen mit ein.

Euro holt wieder auf

Deshalb würden weitere Zinsanhebungen der US-Fed eine Aufwertung des Franken erlauben. Um dem entgegenzuwirken, hielt die SNB weiterhin am Negativzins von 0,75% fest. Doch nun hat sich die Entwicklung abgeschwächt. Der Dollar ist mit dem Trump-Hype etwas verblasst. Und der nächste Zinsschritt der Fed wird nun doch später kommen als vermutet.

Gleichzeitig legt mit der Entspannung in Europa der Euro zu. Und zwar im Verhältnis zum Dollar wie auch zum Franken. Der Euro kostete zeitweise 1,098 Schweizer Franken. Die Entwicklung kommt dem Bemühen der SNB um einen moderaten Kurs entgegen. Nicht zuletzt geht nicht ganz die Hälfte der Schweizer Exporte in die EU.

Hinzu kommt, dass in der Schweiz selbst die Inflationsdynamik nachlässt, was Druck aus dem Kessel nimmt. Und wenn die EZB ihre extrem lockere Geldpolitik etwas zurückfährt, wird ein anziehender Euro auch dem SNB-Präsidenten Jordan gefallen. Der würde den Kurs ohnehin am liebsten bei mindestens 1,12 Franken sehen und behält sich Interventionen vor.

Kurswetten auf 1,15 sind zwar gewagt, aber nicht unrealistisch. Weniger skeptische Banken wie die UBS gehen davon aus, und zwar bis im Frühjahr 2018.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.