Durchschnittseinkommen in Deutschland – Definition, Höhe & Statistik

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Die Bundesländer mit dem höchsten Durchschnittseinkommen liegen im Süden der Republik. Der Osten fällt hingegen deutlich ab. (Foto: Steidi - shutterstock.com)

 


Monatliches Durchschnittseinkommen in Deutschland

Deutschland: 3.209 €

Westdeutschland: 3.339 €

Ostdeutschland: 2.600 €

Gender Pay Gap: Lohnlücke zwischen Mann und Frau: 21 %

Mann: 3.960 €

Frau: 3.330 €

Top Bundesländer: Hamburg, Baden-Württemberg, Hessen

Top Städte: Ingolstadt, Erlangen, Wolfsburg

Top Berufsgruppen: Oberarzt, Facharzt, Fonds Manager


Definition: Was ist das Durchschnittseinkommen?

Unter dem Durchschnittseinkommen (auch: durchschnittliches Einkommen) versteht man in der Volkswirtschaft eine Kennzahl, welche das arithmetische Mittel einer Einkommensart in Bezug auf die Anzahl der Einkommensbezieher abbildet.

Der Durchschnittsgehalt spiegelt daher jenes Einkommen wider, welches auf eine Einzelperson bei gleichzeitiger Aufteilung des gesamten Einkommens entfallen würde. Es umfasst alle Einkommen unabhängig von Beruf oder Branche und hat daher nur eine geringe Aussagekraft.

Durchschnittseinkommen = Gesamteinkommen / Anzahl aller Einkommensarten

Um dieser Kennzahl mehr Aussagekraft zu verleihen, unterscheiden sich die Einkommensarten nach Wirtschaftszweigen, oder ob es sich um Arbeits- bzw. Kapitaleinkommen handelt.

Folgende Wirtschaftszweige werden unterschieden:

  • Produzierendes Gewerbe
  • Dienstleistungssektor
  • Öffentlicher Dienst

Warum wird das Durchschnittseinkommen als Kennzahl herangezogen?

Es soll den Arbeitnehmern helfen, das eigene Einkommen einzuordnen. Unternehmen wiederum verwenden die Kennzahl im Marketing zur Ermittlung des Kaufkraftpotenzials oder der Personalkosten pro Arbeitnehmer.

Zudem wird dieser Kennzahl im Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung eine wichtige Rolle zuteil. Einerseits zur Berechnung der Entgeltpunkte, andererseits zur Ermittlung des Standardrentenniveaus.

Abzugrenzen ist der Durchschnittsgehalt vom durchschnittlichen Bruttoeinkommen, welches dem Pro-Kopf-Einkommen entspricht.

Wie hoch ist der Durchschnittsgehalt in Deutschland?

In vielen Strukturfaktoren unterscheiden sich die deutschen Bundesländer teilweise drastisch – Bevölkerungsdichte, Mietspiegel und Bildungsniveau sind nur einige dieser Größen. Auch das durchschnittliche Einkommen gehört dazu. Abweichungen nach unten zeigen sich besonders in den östlichen Bundesländern. Das meiste Geld hat man monatlich im Süden Deutschlands zur Verfügung, dafür muss man aber auch mit höheren Ausgaben, beispielsweise für Mieten, rechnen.

Betrachtet man das Einkommen aller Arbeitnehmer (sowohl jenes der Vollzeitbeschäftigten, als auch der geringfügig und Teilzeit-Beschäftigten), liegt das durchschnittliche Einkommen bei 3.209 € brutto pro Monat (Stand 2017). Werden hingegen für die Berechnung des Durchschnittseinkommens in Deutschland nur Arbeitnehmer in Vollzeitbeschäftigung herangezogen, ergeben sich andere Zahlen. Das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt eines Vollzeitbeschäftigten in Deutschland liegt bei 3.771 € (Stand 2017).

Die untenstehende Grafik zeigt die Entwicklung des Durchschnittsgehalts deutscher Arbeitnehmer in Vollzeitbeschäftigung von 1991 bis 2017.

Entwicklung des Durchschnittseinkommens in Deutschland

Durchschnittsgehalt von Frauen und Männern

Der Gender Pay Gap zwischen Männern und Frauen beträgt 21 %

Im Vergleich der Durchschnittseinkommen in Deutschland lassen sich nicht nur regionale und branchenspezifische Unterschiede feststellen. Auch Frauen und Männer verdienen nach wie vor unterschiedlich viel. So lag die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern im Jahr 2017 bei 21%. Männer verdienten bei einer Vollzeitanstellung im Durchschnitt 3.960 €, Frauen hingegen lediglich 3.330 € brutto pro Monat.

Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen

Diese Zahlen müssen allerdings noch genauer betrachtet werden, denn es handelt sich um eine sogenannte unbereinigte Gender Pay Gap Statistik. Die großen Differenzen zwischen Mann und Frau lassen sich demnach vor allem mit der unterschiedlichen Berufs- und Branchenwahl erklären. Auch die Arbeitszeiten variieren. Frauen arbeiten eher in Teilzeit oder geringfügiger Anstellung als Männer. Anhand dieser strukturellen Unterschiede lassen sich laut Experten ca. 70 % des Gender Pay Gaps erklären.

Variiert das Durchschnittseinkommen nach Wohnort und Regionen?

Das Durchschnittsgehalt variiert nicht nur im Vergleich von Männern und Frauen. Auch regionale Unterschiede sind deutlich zu erkennen. Die Ursachen (z. B. Betriebsgrößen in der Region, Ost-West-Disparitäten, Anteil hochqualifizierter Beschäftigung, Jahresarbeitszeit der Arbeitnehmer, regionales Bevölkerungspotenzial, Erreichbarkeit europäischer Metropolen usw.) sind verschieden, auch die Folgen.

So führen die unterschiedlichen durchschnittlichen Gehälter beispielsweise zu Abwanderung oder Wohnungsnot.

Grundsätzlich steigt das Durchschnittseinkommen in Deutschland Jahr für Jahr kontinuierlich an. Im Jahr 2019 verfügen die Deutschen über ein Monatseinkommen, welches im Vergleich zur Jahrtausendwende um 12 % gestiegen ist. Dies zeigt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).

Allerdings ist das Pro-Kopf-Einkommen regional immer noch sehr unterschiedlich verteilt. Nach Abzug von Steuern, Abgaben und Sozialleistungen wie Kindergeld, bleibt im Osten Deutschlands am Ende des Monats weniger als in Westdeutschland.

Wie hoch ist das Durchschnittseinkommen in den einzelnen Bundesländern?

Durchschnittseinkommen Bundesländervergleich

Die obenstehende Grafik zeigt, dass Arbeitnehmer in Hamburg, Baden-Württemberg und Hessen gemessen am jeweiligen Mittelwert deutschlandweit am meisten verdienen. Dies bestätigen die Daten der Bundesagentur für Arbeit, welche von der Bundesfraktion der Linken ausgewertet wurden.

In Hamburg liegt das durchschnittliche Einkommen demnach bei 3.619 € brutto pro Monat, in Baden-Württemberg bei 3.546 € und in Hessen bei 3.494 €.

Als Schlusslichter werden die neuen Bundesländer gelistet, welche mit 6 – 15 % hinter dem deutschlandweiten Durchschnittseinkommen liegen. 346 € trennen Baden-Württemberg im Süden und Mecklenburg-Vorpommern im Nordosten Deutschlands. Dadurch, dass das Preisniveau im Osten aber nach wie vor niedriger ist als im Westen, fallen diese Unterschiede nicht so schwer ins Gewicht. Denn das Gehalt ist zwar geringer, jedoch sind die Kosten für Mieten und sonstige Lebenshaltungskosten günstiger als im Süden.

Stadtstaaten, in denen viele Alleinstehende leben, benötigen für dasselbe Äquivalenzeinkommen ein höheres Einkommen pro Kopf als ländliche Gegenden, in denen viele Familien leben. Hamburg kann somit zwar eine hohe Wirtschaftsleistung pro Kopf vorweisen (mit 53.091 € die höchste in Deutschland), beim Einkommen reicht es aber nicht zum ersten Platz.

Noch größer als auf Ebene der Bundesländer sind die Unterschiede allerdings auf lokaler Ebene. In Ingolstadt (Sitz von Audi) verdienen Arbeitnehmer im Mittel mit 4.635 € am meisten. Am wenigsten erhalten hingegen Angestellte in Görlitz (2.183 €). Der Mittelwert ist somit nicht einmal halb so hoch wie in Ingolstadt.

Überregional betrachtet zeigt sich, dass das Durchschnittsgehalt vor allem in Städten mit umsatzstarken Unternehmen (z. B. Wolfsburg, Frankfurt am Main, Leverkusen) deutlich höher ist als der Mittelwert.

Städte mit dem höchsten Durchschnittseinkommen in Deutschland:

  1. Ingolstadt: 4.635 €
  2. Erlangen: 4.633 €
  3. Wolfsburg: 4.622 €
  4. Böblingen: 4.596 €
  5. Ludwigshafen am Rhein: 4.534 €
  6. Stuttgart: 4.351 €
  7. München: 4.227 €
  8. Darmstadt: 4.185 €
  9. Frankfurt am Main: 4.182 €
  10. Leverkusen: 4.170 €

Städte mit dem geringsten durchschnittlichen Einkommen in Deutschland:

  1. Görlitz: 2.183 €
  2. Erzgebirgskreis: 2.191 €
  3. Vorpommern-Rügen: 2.194 €
  4. Elbe-Elster: 2.215 €
  5. Altenburger Land: 2.218 €

Durchschnittliches Einkommen: Pendler beeinflussen die Statistik

Auch Pendler müssen in Hinblick auf die Statistik berücksichtigt werden. Sie beeinflussen die Rankings stark, denn das Durchschnittseinkommen wird am Wohnort gemessen, obwohl es womöglich in einem anderen Bundesland erworben wird.

Dass Brandenburg vom Durchschnittseinkommen her vor Berlin liegt, obwohl die Wirtschaftskraft in der Hauptstadt (29.455 €) viel höher ist als im benachbarten Bundesland (23.179 €), ist den Pendlern zu verdanken, die täglich aus dem Umland in die Stadt kommen.

Das hohe Einkommen im Süden Deutschlands (Bayern und Baden-Württemberg) liegt an den vielen Unternehmen, die dort ihre Zentrale haben. Auch die Wirtschaftsleistung in diesen Bundesländern liegt mit 36.019 € in Baden-Württemberg und 36.865 € in Bayern weit über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 32.281 €.

Welches Gehalt in welchem Beruf – Durchschnittsgehalt nach Berufsgruppen?

Eine Analyse von mehr als 200.000 Gehaltsdaten in Deutschland zeigt, wieviel Beschäftigte in den einzelnen Berufsgruppen verdienen und welche Jobs zu den bestbezahlten der Bundesrepublik zählen.

Die Auswertung zeigt, dass eine akademische Ausbildung meist Voraussetzung für ein hohes Durchschnittseinkommen ist. Alle Berufsgruppen unter den Top 10 setzen ein Studium bzw. akademischen Abschluss voraus. Berufe mit vergleichsweise geringem Gehalt sind vor allem Lehrberufe und solche aus Gastronomie oder dem Dienstleistungssektor. Dies ergibt sich aus der leichten Zugänglichkeit sowie den hohen Bewerberzahlen für diese Positionen.

Berufsgruppen mit dem höchsten Durchschnittseinkommen (brutto):

  1. Oberarzt: 10.083 €
  2. Facharzt: 6.500 €
  3. Fonds Manager: 6.315 €
  4. Corporate Finance Manager: 6.283 €
  5. Key Account Manager: 6.200 €
  6. Versicherungsingenieure: 5.915 €
  7. Regionalverkaufsleiter: 5.800 €
  8. Justizare: 5.666 €
  9. Vertriebsingenieure: 5.600 €

Berufsgruppen mit dem geringsten Durchschnittseinkommen (brutto):

  1. Zimmerservice: 1.590 €
  2. Küchenhelfer: 1.670 €
  3. Friseure: 1.783 €
  4. Kellner: 1.856 €
  5. Call Center Mitarbeiter: 2.064 €
  6. Kassenpersonal: 2.070 €
  7. Rezeptionist: 2.100 €
  8. Koch: 2.130 €
  9. Zahnarzthelfer: 2.240 €

Prognosen zum Durchschnittseinkommen

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass neben regionalen Einflüssen auch der Bildungsabschluss  für das zu erwartende monatliche Durchschnittseinkommen entscheidend ist. Je höher der Bildungsgrad, desto stärker steigt die Lohnkurve eines Beschäftigten mit den Arbeitsjahren an. Keine der beschriebenen Variablen (Region, Alter, Geschlecht) beeinflusst das durchschnittliche Einkommen so stark.

In den vergangen Jahren gab es entgegen der allgemeinen Annahme ein deutliches Stellenplus für qualifizierte Arbeitnehmer. Auf Grund der immer weiter zunehmenden Globalisierung, welche den deutschen Arbeitsmarkt für Personen aus den verschiedensten Ländern weiter zugänglich macht, wird die Nachfrage an weniger gebildeten bzw. schlechter ausgebildeten Arbeitnehmern weiter sinken. Da gleichzeitig die Gehälter bzw. Durchschnittseinkommen für qualifizierte Arbeitnehmer weiter steigen, wird die Gehaltsschere von Jahr zu Jahr weiter auseinandergehen. Dies verschärft die sozialen Differenzen bzw. die soziale Ungleichheit.

Auch ein wichtiger Punkt: Das Senioritätsprinzip. Auch die Dienstjahre spielen beim Durchschnittseinkommen eine wichtige Rolle. Arbeitnehmer mit langen Dienstzeiten erhalten meist höhere monatliche Gehälter. Dies ist besonders bei Angestellten deutlich zu sehen. Bei Arbeitern ist die Lohnschere nach Altersgruppen bzw. Dienstjahren weniger ausgeprägt.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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