ESMA-Regulierung in Kraft getreten: Alle Änderungen im Überblick

Seit dem 1. August gelten für einige Finanzprodukte neue ESMA-Richtlinien, mit denen insbesondere die Interessen von Privatanlegern geschützt werden sollen. Was heißt das für Anleger? (Foto: NicoElNino / Shutterstock.com)

Seit dem 1. August gelten für einige Finanzprodukte neue ESMA-Richtlinien, mit denen insbesondere die Interessen von Privatanlegern geschützt werden sollen. Ob diese Beschränkungen dem Anliegen gerecht werden, bleibt jedoch abzuwarten.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA nahm die erheblichen Bedenken in Bezug auf den Anlegerschutz gegenüber bei einigen Finanzinstrumenten zum Anlass, teilweise drastische Beschränkungen umzusetzen: Binäre Optionen wurden komplett verboten, der Handel mit Contracts for Difference (CFDs) beschränkt. Der Grund: Ein Großteil der Kleinanleger hatte in der Vergangenheit bei diesen Geschäften Geld verloren.

Contracts for Difference (CFD), also Differenzkontrakte, ermöglichen den Handel mit einem Vermögenswert, um sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen an der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs zu partizipieren. In der Regel wird ein Vertrag mit einem Makler geschlossen, ohne eine entsprechende Position im betreffenden Markt zu eröffnen – die Marktkonditionen werden repliziert.

Damit unterscheidet sich das CFD-Tradingerheblich vom direkten Investment, die Trader erhalten beispielsweise über einen Broker Zugang zu unterschiedlichsten Märkten und können in den Long- oder Short-Positionen Hebel einsetzen. So reicht die Stellung einer wenige Prozente umfassenden Margin-Leistung aus, um eine deutlich größere Summe im Handel zu bewegen.

Die ESMA-Beschlüsse im Überblick

Diese Hebelsätze standen unter anderem auf der Agenda der ESMA, die bereits im März für die gesamte EU angekündigt worden war und nun in Kraft getreten ist. Unterschieden wird demnach künftig zwischen Profi- und Retail-Anlegern. Insbesondere für letztere gelten folgende Beschränkungen:

  1. Die Hebelsätze werden limitiert auf

1:30 für Forex Majors – Margin 3,33 Prozent*

1:20 für (Haupt-)Index-CFDs, Forex-Nebenwerte und Gold-CFDs – Margin 5 Prozent*

1:10 für andere Rohstoffe (außer Gold) – Margin 10 Prozent

1:5 für Einzelwerte (Aktien-CFDs) und andere Basiswerte – Margin 20 Prozent

1:2 für CFDs auf Kryptowährungen – Margin 50 Prozent Margin

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* Als Forex Majors werden alle Währungspaare bezeichnet, die folgende Währungen einschließen: USD (US Dollar), EUR (Euro), JPY (Japanische Yen), GBP (Britische Pfund Sterling), CAD (Kanadische Dollar) oder CHF (Schweizer Franken) – alle anderen Währungspaare sind Nebenwerte.

Haupt-Indizes sind FTSE100, CAC40, DAX30, DJI30, SP500, NQ100, Nikkei225, ASX200 und STOXX50 – alle anderen zählen zu den Nebenwerten.

  1. Die Broker dürfen Kleinanlegern keine Nachschusspflichtauferlegen, es gilt also ein Negativsaldoschutz für die Handelskonten.
  1. Darüber hinaus haben die Broker einen Margin-Glattstellungsschutz in Höhe von 50 Prozent zu gewähren. Offene Positionen sollen somit nicht mehr über 50 Prozent des verbleibenden Kontostandes ins Minus gehen können. In diesem Fall muss der Broker wenigstens eine offen Position zu den jeweils für den Trader günstigsten Konditionen schließen, um den Schaden zu begrenzen.
  1. Bonusprogramme sind ebenfalls verboten.
  1. CFD-Broker müssen Risikohinweise veröffentlichen, die einen auf die letzten 12 Monate bezogenen Verlustsatz enthalten: Haben beispielsweise 90 Prozent der bei diesem Broker aktiven Kleinanleger in diesem Zeitraum Geld verloren, muss dies auch kommuniziert werden.

Unterschiedliche Reaktionen am Markt

Grundsätzlich begrüßen die meisten CFD-Anbieter alle Regelungen, die dem Schutz von Kleinanlegern dienen und zu mehr Transparenz beitragen. Das betrifft beispielsweise die bessere Vergleichbarkeit der Anbieter, die durch eine Standardisierung der Angebote zu erreichen wäre. So könnten sich die seriösen CFD-Anbieter deutlicher abheben und ihre Expertise bei diesen besonderen Produkten aus der Familie der Derivate unter Beweis stellen.

Ob allerdings die Senkung des Hebels dazu angetan ist, wird unterschiedlich eingeschätzt. Kundenumfragen haben zum Beispiel ergeben, dass sich ein Großteil der teilnehmenden Trader gegen diese Beschränkung ausgesprochen hat.

Gerade die Hebel machten den besonderen Reiz der CFDs aus, eröffneten sie doch auch Kleinanlegern die Möglichkeit, mit relativ geringen Margin-Leistungen große Positionen zu traden. Demnach ließe sich auch nicht generell bestätigen, dass sich Privattrader mit der Wirkung der Hebel übernehmen würden.

Nicht nachzuvollziehen ist darüber hinaus, dass Zertifikate, die ebenfalls zu den Derivaten zählen, von den ESMA-Regulierungen komplett ausgeschlossen bleiben. Die Risiken sind ähnlich einzuschätzen, wobei generell gilt: Ohne sich intensiv mit diesen Finanzinstrumenten und deren Risiken zu befassen, sollte sich kein Trader auf das Parkett begeben.

Unter dem Strich bleiben den Interessierten nun zwei Wege offen: Entweder lassen sie sich als Profi-Trader registrieren, woran allerdings einige Bedingungen geknüpft sind, oder sie wandern zu Anbietern ab, die eben nicht von der EU reguliert sind. Das kann nicht die Intention dieser ESMA-Regulierung sein – insofern gehen die ESMA-Beschlüsse in die falsche Richtung.


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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.