Garantiezertifikate: Ein verständliches Fallbeispiel

Garantiezertifikate erfreuen sich in volatilen Zeiten immer größerer Beliebtheit. Anhand eines Fallbeispiels werden verschiedene Szenarien betrachtet. (Foto: TunedIn by Westend61)

In unsicheren Zeiten am Aktienmarkt sowie aufgrund der geringen Verzinsung auf Spar- und Tagesgeldeinlagen weichen Anleger immer öfter auf Garantiezertifikate aus.

Aber nicht nur der Sicherheitsaspekt ist ein entscheidender Pluspunkt bei Garantiezertifikaten, es können dabei durchaus auch gute Renditen erzielt werden.

Eine kurze Definition von Garantiezertifikaten

Die Besonderheit der Garantiezertifikate besteht in einer garantierten Rückzahlung zu 100% am Laufzeitende, auch wenn die dem Zertifikat zugrundeliegende Bedingung nicht erfüllt wurde.

Zu den Ausstattungsmerkmalen eines Garantiezertifikates zählen:

  • Basiswert
  • Basiskurs
  • Kapitalgarantie
  • Partizipation
  • Laufzeit

Beispielsweise Rohstoffe, Währungen oder Aktien dienen als Basiswerte. Auf ihre Entwicklung lässt sich spekulieren.

Allerdings kostet die Kapitalgarantie zum Laufzeitende Geld. Hier kommt die Partizipationsquote ins Spiel. Die Wertentwicklung des Basiswertes spiegelt sich dann nur anteilig in der Entwicklung des Zertifikats wider.

Mehr zum Thema: Garantiezertifikate im Detail

Garantiezertifikate: Ein Fallbeispiel

Das Fallbeispiel betrachtet den Verlauf einer Anlage in ein Garantiezertifikat auf eine fiktive Aktie. Der Basiskurs liegt bei 70 € pro Stück. Die Partizipationsrate beträgt 50% und die Laufzeit 4 Jahre.

Das Garantiezertifikat wird nun also mit einem Basiskurs von 100% ausgegeben. Diese 100% entsprechen dem aktuellen Kurs der Aktie von 70 €.

Für den Fall, dass das Papier während der Laufzeit auf 84 € steigt, was einem Zuwachs von 20% entsprechen würde, steigt der Kurs des Zertifikates um 10%. Die Partizipationsrate im Fallbeispiel beträgt nämlich 50%.

Beträgt die Partizipationsrate 25%, zahlt das Zertifikat zusätzlich ein Viertel der Kursgewinne des Basiswertes aus. Gewinnt dieser bis zum Laufzeitende 50%, errechnet sich somit für das Zertifikat eine Rendite von 12,5% (40 % × 0,25).

Durch diesen Abschlag beim Kursgewinn ist es dem Emittenten möglich, eine Kapitalgarantie zu schaffen.

Für den Fall, dass der Wert der Aktie sinkt, fällt auch der Wert des Garantiezertifikats, wenn auch unterproportional. In diesem Fall kann es passieren, dass der Anleger das Zertifikat bis zum Laufzeitende halten muss, um keinen Verlust zu erleiden.

Aufgrund der Inflation sollten Anleger jedoch überlegen, vorzeitig zu kleinerem Verlust zu verkaufen und neu zu investieren. Gebundenes Kapital über 4 Jahre nicht verzinst zu bekommen, hätte eine hohe Geldentwertung zur Folge.

Der Realverlust bei angenommenen 2% Inflation pro Jahr würde in diesem Fall bei 7,76% liegen.

Mehr zum Thema: Inflation – Ausprägungen und Auswirkungen

Fazit: Die Vor- und Nachteile von Garantiezertifikaten

Bei Kursanstiegen des Basiswertes sind die Gewinne begrenzt und entwickeln sich in Abhängigkeit zu der Partizipationsrate. Bei sich abwärts bewegenden Kursen bietet die eingebaute Garantie eine Kapitalsicherheit – allerdings erst zum Laufzeitende.

Um die Vielfalt zu erhöhen, bieten die Banken nun verschiedene Varianten der Garantizertifikate an. Beispielsweise kann bei einem Zertifikat zu 100% partizipiert werden, dafür wird dann unter Umständen keine komplette Kapitalgarantie übernommen.

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Bei anderen Papieren existiert eine Lock-In-Schwelle. Das bedeutet, dass bei Überschreiten einer vorher definierten Kursgrenze die bis dahin aufgelaufenen Gewinne abgesichert werden.

Um diese Lock-In-Schwelle zu finanzieren, behalten die Banken die Dividenden der Aktien ein, was bei herkömmlichen Garantiezertifikaten nicht der Fall ist. Die Folge ist eine schwächere Wertentwicklung.

Somit gilt es genau drauf zu achten, welche Rahmenbedingungen das jeweilige Zertifikat aufweist, um anhand von Partizipationsrate, Rückzahlungsmodalität und Laufzeit das geeignete Produkt auszuwählen.

Garantiezertifikate: Gebühren und Steuern im Überblick

Die Gebührenstrukturen bei Online-Brokern sind im Regelfall klar, transparent und lassen sich im Vorfeld errechnen. Sollte man bei der Hausbank in der Filiale Zertifikate handeln wollen, so ist auf zahlreiche Gebühren beim Kauf und Verkauf des Wertpapiers sowie bei dessen Aufbewahrung zu achten.

Je nach Kreditinstitut existieren hier unterschiedliche Gebühren: Ausgabeaufschlag, Provision, Order-, Makler-  und Depotgebühr. In vielen Fällen existiert auch eine Mindestgebühr, die anfällt, wenn kleinere Stückzahlen veräußert werden.

Seit dem 01.01.2009 gilt in Deutschland die Abgeltungssteuer. Alle Kursgewinne werden direkt von dem jeweiligen Kreditinstitut besteuert. Beim Verkauf des Garantiezertifikates werden von dem vereinnahmten Gewinn direkt 25% Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an das Finanzamt abgeführt.

Die Höhe der Abgeltungssteuer hängt aber auch von dem persönlichen Einkommenssteuersatz ab. Liegt dieser unter 25%, so kann man am Jahresende eine Günstigerprüfung beantragen und mit Erstattungen rechnen.

In den meisten Fällen rentiert sich eine steuerrechtliche Prüfung durch einen Steuerberater. Kommt es innerhalb eines Kalenderjahres zu mehreren Käufen und Verkäufen, so werden die Gewinne und Verluste gegeneinander aufgerechnet. Diese Aufrechnungen erhält man vom Online Broker oder von der Filialbank.


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Von: Christian Klein. Über den Autor

Christian Klein hat durch eine Ausbildung in der Finanzbranche und ein anschließendes Studium mit Schwerpunkt BWL weitreichende Erfahrungen im Wertpapierhandel sammeln können. Aus persönlichem Interesse setzt er sich weiterhin mit Finanzpolitischen Themen sowie detaillierten Analysen auseinander. Als privater Anleger mit mehr als zehn Jahren Erfahrung befasst er sich mit technischer Analyse und deren Zusammenhang im täglichen Marktgeschehen.